Stande, dem Feinde mit kräftiger Macht entgegenzutreten; er erbat sich einen Waffenstillstand bis zum Sonntage Judica, um mit seinen Freunden auf einer Zusammenkunft zu Goslar sich zu beraten. Die Frist wurde ihm gewährt; am Dinstag vor Palmarum— der Waffenstillstand scheint demnach um einige Tage verlängert worden zu sein— begab sich Burchard mit einem grossen Gefolge nach Goslar, eine ganze Schar sächsischer und auch bairischer Fürsten und Herren, die dem Mark- grafen Ekbert meist nicht sehr gewogen waren, erschienen auf Burchards Einladung, insbesondere Hartwig von Magdeburg und Graf Konrad von Beichlingen, Ottos des Nordheimers Sohn. Allein Ekbert, welcher den Frieden mit dem Bischof zu vereiteln trachtete, war diesem bereits zuvorge- kommen und hatte in Goslar die Bürgerschaft, die sich längst nach dem Glanze des kaiserlichen Hofes der Salier zurücksehnte, gegen den halsstarrigen Feind des Friedens, den ewigen Unruhstifter Burchard aufgewiegelt. Dieser kam wohl selber nicht mit grosser Hoffnung, wenigstens wurde sie bei seiner Ankunft nicht erhöht. Den Mittwoch, den Tag nach seinem Eintreffen in Goslar, ver- einigte er seine alten Freunde, die sich auf seinen Ruf zusammengefunden, zu einer Besprechung um sich, wobei er ihnen mitteilte, dass es ihm, dem Sechzigjährigen, dem durch Alter und Krankheit Gebrochenen, nicht mehr möglich sei, in der Weise, die sie an ihm bisher kennen gelernt, den Unruhen und Beschwerden des Krieges gegen den Kaiser sich auszusetzen, dass er aber ebenso wenig dem gottlosen, von der Kirche gebannten Schismatiker sich nähern oder unterwürfig zeigen könne; er sei fest entschlossen, den Verkehr, ja den Anblick des Tyrannen zu meiden wie eine todbringende Pest, und beabsichtige deshalb, sich ganz von der Welt zurückzuziehen und an irgend einem stillen Orte für die ihm noch auf Erden geschenkte Frist ein Asyl zu suchen. Es scheint, als habe Burchard mit dieser Eröffnung, wenn auch darin seine innerste Ueberzeugung ausgesprochen lag, seine Getreuen zuerst prüfen wollen, um zu schen, welchen Eindruck die Aussicht, dass der bewährte Führer aus ihrer Mitte scheiden werde, hervorrufen möchte, in der Hoffnung jedoch, dass sie ihn nicht aufgeben würden und dass er sie dann wieder zu festerem Zusammenhalten veran- lassen könnte. Allein die Begeisterung war nicht mehr eine so lebhafte; irgend welche Beschlüsse wurden nicht gefasst, doch eine neue Zusammenkunft auf den folgenden Morgen anberaumt. Die Teilnehmer der Beratung hatten sich in ihre Herbergen begeben, Burchard schon nach frommer Andachtsübung der Ruhe sich überlassen, als plötzlich in der Stadt ein Auflauf entstand, die Her- berge eines angesehnen Halberstädter Ritters, namens Wolfer, mit dessen Leuten die Goslarer ab- sichtlich Händel anfiengen, erstürmt, Wolfer selber mit zahlreichen Begleitern trotz tapferer Gegen- wehr getödtet wurde. Das Getümmel verbreitete sich schnell durch die ganze Stadt, scharenweise eilten die Bürger zu den Waffen, dem wilden Volkshaufen suchten des Halberstädters Freunde keinen Widerstand zu leisten, bald wurde das Haus, in welchem der Bischof Unterkommen ge- funden, umstellt und angegriffen. ¹¹⁵) Mit Schrecken ward Burchard der Gefahr inne, in der er sich befand, und er zog sich in einen mit seiner Wohnung in Verbindung stehenden feuerfesten Turm zurück, um sich den Angriffen seiner Feinde, deren Schritte er im Hause schon heranstürmen hörte, zu entziehen. Vergebens versuchte er durch das Fenster die draussen tobende Menge zu beschwich- tigen und durch Zeichen sich ihr verständlich zu machen; ihr wildes Geheul übertönte seine Stimme, ein Pfeilschuss, der ihn am Halse verwundete, zwang ihn sich vom Fenster zurückzuziehn. Da drangen einige der Wildesten und Verwegensten auf das Dach des Turmes, deckten den Estrich ab und rissen Steine und Gebälk auseinander, in demselben Augenblicke, wo die Türe unter den Axtschlägen derer fiel, welche das Innere des Hauses verwüstet und das bischöfliche Gefolge ent- weder niedergemacht oder zu angstvoller Flucht genötigt hatten. Die eindringenden mordlustigen
Aufsatz
Burchard II. von Halberstadt, der Führer der Sachsen in den Kriegen gegen Heinrich IV
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