Aufsatz 
Burchard II. von Halberstadt, der Führer der Sachsen in den Kriegen gegen Heinrich IV
Entstehung
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Sänfte getragen oder zu Wagen fahrend, das Heer seiner Landsleute, körperlich gebrochen, geistig noch mit derselben Energie, demselben alle Gefahren und alle Beschwerden verachtenden Mute, der ihn vor vierzehn Jahren vor allen sächsischen Führern ausgezeichnet und der so oft die Sachsen zum Ausharren oder zum Angriffe angefeuert hatte. Es war das dreizehnte Mal, dass Burchard wider den Kaiser im Felde stand; ¹¹⁴) und noch einmal war er es, der des Kaisers Bestreben ver- eitelte, ihm den schon fast sichern Erfolg aus der Hand rang. Zwar gelang es Heinrich, durch Thüringen in das offene Sachsen vorzudringen, ohne dass die Feinde in der Schlacht ihm entgegen- zutreten wagten; aber als er, in unerklärlichem Vertrauen gegen den geächteten Markgrafen Ekbert, dem eidlichen Versprechen desselben, die Unterwerfung der Sachsen bewerkstelligen zu wollen, Glauben schenkend, sein Heer entliess, da legte er die Waffen gegen noch gerüstete Gegner aus der Hand. Heinrich zog zurück, Ekbert kam verabredetermassen nach Hersfeld, wo er mit seinem kaiserlichen Vetter die näheren Bedingungen der Unterwerfung besprach, seine Güter und Lehen vom Kaiser zurückerhielt und in Frieden von ihm schied: anders Tags kamen Boten von Ekbert, die den eben geschlossenen Vertrag von Seiten ihres Herrn für null und nichtig erklärten; er könne, liess Ekbert melden, das Band der Treue, das ihn mit seinen engeren Landsleuten um- schlinge, nicht lösen, er betrachte sich nicht als des Kaisers Freund. Was hatte eine so plötzliche Sinnesänderung bei dem gewissenlosen Mann herbeigeführt? Burchard und Hartwig waren mit ihren Truppen in die Nähe des Platzes der Zusammenkunft nachgerückt, sie wusten, dass der Kaiser kein Heer mehr bei sich hatte, und den rückkehrenden Markgrafen auf dem Wege in Em- pfang nehmend, überredeten sie ihn, dem geschlossenen Vertrage sich zu entziehen; sie stellten ihm nichts Geringeres als die Königskrone in Aussicht, wenn er ihrer Sache treu bliebe. Hermann also wurde fallen gelassen, er konnte vom Schauplatze abtreten, ohne dass die Sachsen ihn mit grossem Kummer scheiden sahen; aber einen Kriegsfürsten wie Ekbert durften die Bischöfe nicht aufgeben. Ob es Burchard und seinem Genossen Hartwig Ernst war mit dem Versprechen, dem ehrgeizigen Markgrafen die Krone zu erwirken, ist sehr fraglich; zwar war es ihnen ohne Zweifel stets darum zu tun, den Sachsen einen eignen König zu erhalten, aber von grossen Bemühungen um Ekbert bekommen wir keine Kunde. Heinrich war nicht im Stande, den Verrat, den Bur- chard ins Werk gesetzt, zu züchtigen, der Kriegszug war für ihn wieder ohne Erfolg verlaufen.

Doch nicht mehr lange sollte dem so oft hintergangenen Kaiser sein hartnäckigster Feind Gefahren bereiten. Innere Zwiste begannen die Gegner zu spalten; Hermann feierte Weihnachten 1088 noch in Sachsen, Ekbert strebte, bauend auf die Vorspiegelungen der Bischöfe, nach der Krone, die Bischöfe selber zeigten wenig Neigung ihr Wort zu halten einem Manne, den sie nur als Fürsten ihrer Partei fesseln wollten, den sie aber als weniger lenksam erkennen musten, wenn er erst die Königskrone auf dem Haupte trug. Diese Umstände führten den charakterlosen, ohne festes Ausharren von der einen zur andern Seite schwankenden Ekbert wieder dem Kaiser zu; Burchard wurde sein persönlicher Feind. So sehr nun dieser längst zu der Einsicht gekommen sein muste, dass die Zeit seines Glanzes vorüber sei, so lag ihm doch nichts ferner, als mit dem Kaiser eine Aussöhnung herbeizuführen. Der Widerstand, den er bei seinen eignen Diözesanen schon seit längerer Zeit gefunden, der durch den Druck der beständigen Kriegesnot bei einzelnen seiner Untertanen schon in offene Widersetzlichkeit ausgeartet war, zeigte das Schwinden seiner Autorität über die Gemüter des Volks. So war er, als im März 1088 sein einstiger Freund Ekbert, der mit Freuden es übernommen hatte, den renitenten Bischof zur Unterwerfung gegen Heinrich zu zwingen, in das Bistum einfiel und mit Feuer und Schwert in demselben wütete, nicht im