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Sachsen Boden gewann, um so enger schloss sich Burchard an den päpstlichen Legaten an. Wie seine eiserne Standhaftigkeit für die Sache Gregors, sein unermüdlicher Eifer im Widerstande gegen den Kaiser der Ketzer gerade jetzt, wo seine Landsleute mehr und mehr abtrünnig zu werden drohten, sich geltend machte, wie keine Gefahr ihn zur Schwäche oder zum Abfall vermochte, ist recht ersichtlich daraus, dass der Gesandte des heiligen Stuhles, der seinen Aufenthalt in Sachsen länger auszudehnen für nötig hielt, ihn zu seinem Vertrauensmann erwählte;— in ihm hatte er den Hort der Gregorianer erkannt. Den zu Heinrich übergegangenen Bischof Udo wollte die Partei nicht sogleich aufgeben, sie mochte auch Ursache haben, seine für die Interessen des Kaisers wirk- samen Bemühungen zu fürchten; mit eindringlichen Ermahnungen gieng ihn daher der Kardinal Otto an, die Partei, der er sich eben angeschlossen, zu verlassen und der gerechten Sache der Katholiken sich wieder zuzuwenden; er möge, schrieb Otto, sich zu einer vertraulichen Besprechung mit ihm und Burchard an einem passenden Orte zusammenfinden; dort solle er von ihnen noch- mals die Rechtfertigung der guten Sache vernehmen und ihnen seine Gründe vorbringen. ¹⁰⁵⁶) Bur- chard also wurde in einer so gewichtigen Sache als Mittelsmann vorgeschlagen; man sieht, was Gregors Boten von ihm halten durften.— Udo von Hildesheim liess sich nicht überreden; auch seine erfolgreiche Tätigkeit stellte er nicht ein. Die Sachsen waren mittlerweile doch die Ierr- schaft eines Königs, der nicht König war, müde geworden, wenngleich die Sendlinge des Papstes ihn bestätigten; sie neigten sich auch, schon um den neuen Ausbruch des Krieges zu vermeiden, den die Politik ihrer Bischöfe wieder heraufbeschwören muste, mehr und mehr dem Kaiser zu; Burchards Autorität verlor ihre frühere Kraft. Die Gregorianer sahen das mit Besorgniss, und mit pomphaftem Aufzuge führten sie noch einmal alle ihre Truppen ins Feld: am Osterfeste(20. April) 1085 wurde eine grosse Synode zu Quedlinburg abgehalten; die wenigen oberdeutschen Bischöfe, die der päpstlichen Partei treu geblieben, nahmen Teil oder waren durch Gesandte ver- treten, Erzbischof Hartwig mit seinen Suffraganen, die Suffraganen des Mainzer Stuhles waren er- schienen— Burchard fehlte natürlich nicht; auch der König Hermann war mit seinem Hofstaat zugegen, er muste ja wohl da sein, wo seine Bischöfe Burchard und Hartwig, auf die sich seine ganze Macht stützte, ihren Einfluss geltend machten. Burchard hatte die Genugtuung, seinen von ihm nie anerkannten Metropoliten, den Renegaten, nicht blos als unrechtmässigen Eindringling er- klärt, sondern ihn auch mit dem Fluche des Anathems belegt zu sehen, ebenso wie den abgefallenen Udo von Hildesheim, der seiner und des Papstes Autorität sich zu fügen verweigert hatte. Aber ausser diesen beiden war der Gebannten eine grosse Schar.
Wie vielseitig und umfassend Burchards Tätigkeit war, zeigte sich bei dieser Gelegenheit. Unter den hochwichtigen Verhandlungen, die die eigensten Lebensfragen seiner Partei, ja seiner Person berührten, bei denen er in erster Linie in Anspruch genommen war, fand er noch Zeit, sich mit seinem Neffen Herrand über Klostereinrichtungen zu beraten und Bestimmungen zu treffen, welche innere Angelegenheiten seines Bistums betrafen. Vom 23. April 1085, aus Quedlinburg, ist die erste uns bekannte Burchardsche Bestätigungsurkunde des Klosters Jlsenburg datiert. ¹⁰)
Der Eindruck, den die Synode bei Fürsten und Volk machte, war nicht der ervartete; kaum drei Wochen später wurde zu Mainz eine Synode der kaiserlichen Partei abgehalten, in der die Quedlinburger Beschlüsse verworfen, über ihre Teilnehmer der Bann ausgesprochen wurde. Und auch bei dem sonst so gläubigen Volke verschlugen die alten Mittel nicht mehr. Unvider- ruflich, klagt der süchsische Annalist, würde man in dieser Zeit das Aussehen Sachsens verändert gefunden haben; denn diejenigen, welche zuvor beteuert hatten, dass sie allein zum Schutze des


