Aufsatz 
Burchard II. von Halberstadt, der Führer der Sachsen in den Kriegen gegen Heinrich IV
Entstehung
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ihn gefallen; den Feinden fehlte das weltliche Oberhaupt, er konnte immerhin auf Spaltungen bei ihnen rechnen. In der Tat gelang es ihm, im feindlichen Lager Zwiespalt zu stiften: seinen Vetter Ekbert von Meissen gewann er für sich, der wohl eine königliche Partei unter seinen Landsleuten werben konnte. Aber so wenig auch mit solchen leichten Erfolgen der Widerstand gebrochen wurde, so wild die inneren Unruhen fortwüteten, Heinrich wollte jetzt nicht länger zögern, sein höchstes Ziel, die Kaiserkrone, zu erlangen. Hatte er sich bisher mit dem Gedanken getragen, das Reich erst völlig sein eigen zu nennen, bevor er mit allem Glanze der Kaiserwürde sich um- gab, so fasste er jetzt den Plan, auf das Ansehn der Kaiserkrone gestützt, seinen Feinden mit Kraft und Hoheit entgegenzutreten; der kaiserliche Name, so hoffte er, werde endlich im Reiche, das des Kaisers so lange entbehrt, erringen, was der König vergeblich erstrebt. Am Weihnachts- feste des Jahres 1081 sah Heinrich zum letzten Male seine geliebte Pfalz Goslar; schon vor Ostern stieg er über die Alpen, dem getreuen Herzog Friedrich von Schwaben die Vertretung seiner Sache in Deutschland überlassend, um auf der Kaiserfahrt schweren Gefahren und langwierigen Kämpfen entgegenzugehn.

Burchard und Hartwig wollten die Zahl und den Mut ihrer Getreuen nicht schwinden sehen; die Sachsen sollten nicht noch einmal in den Zwiespalt und die Schwäche geraten, die einst zu grossem Unglück das Fehlen eines Königs, welchem sie durch die Heiligkeit des Kriegsge- lübdes verpflichtet gewesen wären, verursacht hatte;**) ein einheitliches Oberhaupt sollte wieder an der Spitze stehn, aber natürlich nur ein solches, das sich den Plänen und Absichten der bischöf- lichen Lenker gefügig zeigte. Heinrichs Missgeschick bei seiner Ankunft in Rom kam ihnen zu statten; des Königs Anhänger in Deutschland wurden wieder mutlos, seine Gegner erhoben um so kühner das Haupt, und ohne Schwierigkeit drang ihr Vorschlag bei den zahlreichen Missver- gnügten durch, einen neuen König zu wählen. Man einigte sich auf einen Fürsten von gutem Rufe und reichen Gütern, aber keineswegs von hohem Ansehn und grosser Macht im Reiche; sein Name selbst mochte den Meisten bis dahin unbekannt sein: Graf Hermann von Luxemburg wurde in den ersten Tagen des August 1081 zu Ochsenfurt am Main zum deutschen Könige gewählt, nachdem, wie es scheint, die sächsischen Fürsten in einer Vorwahl zu Eisleben, einer Stadt in Burchards Diözese, sich verständigt hatten.s) So wenig der neue Gegenkönig die allgemeine Zu- stimmung der Fürsten erhalten hatte, so wenig Hoffnung auf allgemeine Anerkennung er sich machen durfte, dennoch wurde er von den Sachsen mit Freuden aufgenommen, deren Land bald, wie einst für Rudolf, seine Zuflucht, sein Reich war. Selbst Ekbert von Meissen trat auf seine Seite; wir werden noch später sehen, wie der wankelmütige Mann sich von Burchard beein- flussen liess. Hermann hatte das Glück, unmittelbar nach seiner Wahl einige Waffenerfolge zu erzielen gegen Heinrichs Anhänger in Schwaben; das gewann ihm in Sachsen die Herzen derer, die anfangs vielleicht nicht für ihn waren; und am zweiten Weihnachtstage wurde in Goslar gegen alles Herkommen auf sächsischer Erde seine Krönung durch Erzbischof Siegfried vollzogen; Burchard war als Zeuge gegenwärtig. So lange Otto von Nordheim lebte, scheint Hermann noch einige selbständige Macht gehabt zu haben, indem der erfahrene Feldherr und angesehne Fürst dem neuen Könige, in welchem er selbst den tapfern Krieger schätzte, sich anschloss und unterordnete. Aber nach dem Tode Ottos er starb am 11. Jan. 1083 übten Burchard und seine Partei, auf deren Unterstützung Hermann nunmehr ausschliesslich angewiesen war, einen unumschränkten Einfluss aus. Einen solchen König wollte der herrschsüchtige Bischof gerade, einen Schattenkönig, der ihm als Werkzeug diente bei seinen Plänen in fernerem Kampfe gegen Heinrich. Wir finden