Aufsatz 
Burchard II. von Halberstadt, der Führer der Sachsen in den Kriegen gegen Heinrich IV
Entstehung
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zu dem treuen Genossen; Burchard eilte an das Sterbebette seines Freundes und konnte ihm noch einen letzten Liebesdienst erweisen, indem er die Einweihung einer geistlichen Stiftung zu Hlildes- heim für den kranken ezil vollzog und dann nach Anhörung der letzten Beichte demselben die Absolution erteilte. Gewiss war es ein harter Schlag, der den unentwegten Kämpfer traf, den zuverlässigsten Freund, den treuesten Genossen seiner Pläne und seiner Taten zu verlieren; den- noch wurde er nicht entmutigt, dennoch erlahmte er nicht im Widerstande. Ein andrer rüstiger Helfer erstand ihm um dieselbe Zeit: zwei Tage nach Hezils Tode, am 7. Aug. 1079, wurde das Erzbistum Magdeburg von Rudolf neu besetzt durch Hartwig, den früheren Erzkaplan des Mainzer Erzbischofs es war genau ein Jahr, nachdem Wezel in Thüringen erschlagen. Dieser erscheint seitdem mit Burchard stets an der Spitze der päpstlichen Partei in Sachsen, wie Burchard ein heftiger Gegner Heinrichs und jedesfalls mutiger und zuverlässiger als sein Vorgänger; er wurde fortan Burchards Mitstreiter,?*) und im Verein mit ihm setzte der Unversöhnliche das Werk des Kampfes gegen den König fort, auch fernerhin den selbstbewusten Partikularisten und den fana- tischen Gregorianer in sich vereinigend und die Sachsen zum Widerstande gegen den Freiheits- räuber und Kirchenfrevler anfeuernd.

Inzwischen war es nicht eigentlich zu neuen Kämpfen zwischen den Sachsen und Heinrich gekommen. Der Papst, der ein selbständiges, durchgreifendes Verfahren der Fürsten unter allen Umständen verhüten und sich den Weg zu persönlicher Entscheidung in dem Streit beider Könige offen halten wollte, weigerte sich noch immer, den von seinem Legaten schon am 12. Nov. 1077 zu Goslar gegen Heinrich feierlich erneuten Bann anzuerkennen, und vergeblich erklang aus Sachsen derIHahnenschrei zum Stuhle Petri. Dem Könige Heinrich war es gelungen, seine Feinde in Schwaben soweit zu schwächen, dass er seinen Getreuen, den Grafen Friedrich von Staufen, am Osterfeste 1079 an Rudolfs Statt mit dem Herzogtum Schwaben belehnen konnte; und um die Mitte dieses Jahres stand Heinrichs Autorität in Oberdeutschland nicht minder gesichert da, als die des Gegenkönigs in Sachsen unbestritten war. Dieser aber schmiedete Pläne mit Burchard und den übrigen sächsischen Fürsten. Damals war es auch, wo Altmann von Passau, der begeisterte Gregorianer, von Rom mit Aufträgen des Papstes zurückgekehrt, in den Mauern von Burchards Bischofsstadt weilte. Zu derselben Zeit, wo Rudolfs Herzogtum an Friedrich von Staufen ver- geben wurde, hielt sich der König der Sachsen in Burchards Nähe auf; am 25. März 1079 stellte er in Quedlinburg eine Schenkungsurkunde aus.?²) Für Burchards nahe Beziehungen zu Rudolf, die er im Interesse seines Bistums und seiner geistlichen Stiftungen auszubeuten verstand, haben wir neuerdings ein beredtes Zeugniss erhalten in dem aufgefundenen Todtenbuche von dem Kloster Huisburg,*³) welches letztere Burchard auf Anregung einer sich nach Einsamkeit sehnenden frommen Nonne des Marienklosters zu Quedlinburg(auf dem Münzenberge) gegründet und von seinem Neffen Herrand nach der Benediktinerregel hatte einrichten lassen. In diesem Morilogium (so heisst die ungewöhnliche Bezeichnung) werden nicht nur fast alle bedeutenderen Parteigenossen Burchards namhaft gemacht, sondern insbesondere wird König Rudolf als Wohltäter des Klosters aufgeführt, der eine der bedeutendsten Schöpfungen Burchards mit einer beträchtlichen Schenkung bedachte. Rudolfs Name steht unter dem 15. Oktober verzeichnet, dem Tage, wo er seine tödtliche Verwundung empfieng; daneben stehen die Namen einiger edlen Sachsen,qui in eodem bello succubuerunt. Die dankbaren Mönche feierten den Todestag jener Männer, welche Freunde und Anhänger ihres Bischofs waren und für die von diesem verfochtene Sache das Leben liessen.*) Doch fahren wir fort in dem unterbrochenen Gange der Ereignisse.