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Mit Wezels Tode trat in der Tätigkeit der Partei der sächsischen Bischöfe ein Umschlag nicht ein. Wezel war kaum vermöge seines erzbischöflichen Ranges bedeutender gewesen als Burchard; an Mut, Energie und Gewalt über die Parteigenossen hatte ihn dieser immer übertroffen; und so schmerzlich immerhin der Verlust eines so angesehenen Führers sein mochte,— Burchard war noch da, er wurde durch den Tod seines Oheims nur zu neuem Eifer angetrieben. Er war nun zugleich der Senior und alleinige Patron der zahlreichen Mitglieder seiner Familie, die zuerst durch die Gunst des Kölner Anno, danach durch seine eigne Machtstellung und Verwendung all- mählich zu Reichtum und Einfluss in Norddeutschland gekommen waren. Er hatte sich auch schon längst einen tüchtigen Gehilfen unter seinen nächsten Angehörigen herangebildet; es war sein Neffe Herrand, später unter dem Namen Stephan auch auf dem Halberstädter Bischofsstuhl, den Burchard aus Würzburg, wo Herrand Abt zu St. Burchard gewesen, in seinen Sprengel sog, ihm eine der vornehmsten kirchlichen Stellen in seiner Diözese übergebend, das Amt eines Abtes zu Jlsenburg. Und wenn auch Herrand in seiner Stellung als Abt nicht unmittelbar bedeutenden Einfluss unter den Leitern der Bewegung in Sachsen ausüben konnte, so konnten doch die Mönche seines Klosters in seinem Auftrage um so tätiger sein im Volke; die von Herrand durchgeführte Reformation des verwilderten Klosters, das auf Burchards Veranlassung mit Benediktiner Mönchen der cluniacensischen Kongregation neu besetzt wurde, zeugt von seiner regen Tätigkeit; denn dass die Cluniacenser damals nicht blos Muster klösterlicher Zucht, dass sie vor allen Dingen Erreger religiöser Begeiste- rung, Apostel der gregorianischen Jdeen waren, ist bekannt. Herrand selber war bis an sein Lebensende ein ebenso eifriger Anhänger der päpstlichen Partei wie hartnäckiger Gegner Heinrichs. Ein noch erhaltener Brief Herrands,s) gerichtet an Heinrichs Verteidiger Waltram von Naumburg, voll der schmutzigsten und spitzfindigsten Angriffe auf den König— wie sie eben üblich waren—, legt Zeugniss ab, welch gute Schule Herrand bei seinem Oheim durchgemacht hatte.
Vielleicht schwerer als Wezels Verlust mochte die Partei und insbesondere Burchard den Heimgang eines andern Bischofs empfinden; am 5. Aug. 10798) starb zu Hildesheim Burchards Blutsverwandter und vertrautester Freund Hezil. Beide Prälaten hatten von jeher die innigsten Beziehungen unterhalten, nicht erst die Verschwörungsanschläge gegen den König, gemeinsame Ziele und gemeinsame Gefahren hatten sie zusammengeführt. Der greise Hezils?) genoss bei den Bi- schöfen seiner Nachbarschaft ein hohes Ansehn, eine gewisse Nestorautorität, 9°) und er hatte mit vielen nahe Verbindungen; keiner aber stand in einem so vertrauten Verhältniss zu ihm als Bur- chard, der„praecordialiter et unice dilectus“, welcher schon als Dompropst zu Goslar seiner Zu- neigung sich erfreute. Gleichartigkeit der Charaktere fesselte beide Männer dauernd an einander; Festigkeit des Willens, Rücksichtslosigkeit in der Wahl der Mittel, wo es galt auf ein vorgestecktes Ziel hinzuarbeiten oder eignen Ehrgeiz zu befriedigen, waren Burchard wie Hezil gemeinsam. Hezil war es gewesen, welcher am Pfingstfeste 1063 in der Kirche zu Goslar dem Abt Widerad von Fulda die plutige Schlacht lieferte, bei der der junge König selber in Lebensgefahr geriet und der auch Burchard als Augenzeuge beiwohnte. Wie Burchard einst ein Anhänger des Königs gewesen war, wenngleich keiner von den begeistertsten, so hatte es eine Zeit gegeben, wo Hezil als eine Stütze des Thrones angesehen wurde. Dann nahm Hezil an Burchards Verschwörung gegen den König Teil, und wenn er auch zeitweise den Mantel nach dem Winde drehte— ohne dass man ihm übrigens den Vorwurf der Schwäche oder Feigheit machen könnte—, so war er doch bis zuletzt einer der bedeutendsten Anhänger von Burchards Partei und er hatte an den geheimsten Plänen seines Freundes Teil. Auch jetzt als er sein Ende nahe fühlte, nahm er seine Zuflucht


