Aufsatz 
Burchard II. von Halberstadt, der Führer der Sachsen in den Kriegen gegen Heinrich IV
Entstehung
Einzelbild herunterladen

33

sein neuer König waren genötigt, die Metropole Deutschlands zu verlassen. Vergeblich erwartete Rudolf in seinem Herzogtum Hilfe; weder in Augsburg noch in Zürich, wohin er sich in Beglei- tung der päpstlichen Legaten begab, fand er die Stimmung günstig; als er dem über die Alpen zurückkehrenden Heinrich entgegeneilen wollte, verweigerte sein Heer ihm sogar den Dienst. Kurz nach Pfingsten verliess Rudolf den schwäbischen Boden, den er nie mehr betreten sollte, sowie sein Genosse und Helfer Siegfried in seinen Bischofssitz nicht wiederkehrte. Um so freudiger nahmen ihn Burchard und die Sachsen auf. Unter den Verhältnissen, wie wir sie am Ende des Jahres 1076 in Sachsen obwalten sahen, fiel es den bischöflichen Oberhäuptern des Volks, Burchard von Halberstadt, Wezel von Magdeburg und Hezil von IHildesheim, nicht schwer, das Volk für den von ihnen ausersehenen König zu begeistern, um so mehr, da auch der mächtigste unter den welt- lichen Fürsten, Otto von Nordheim, schon in Forchheim am tätigsten für Rudolf eingetreten war. Trotz des verhassten süddeutschen Blutes fand der Gegenkönig, der ja in Gegenwart der Legaten des heiligen Stuhles gewählt war, in Sachsen eine sichere Zuflucht, er fand einen Thron, ein Volk, das ihn anerkannte. Von dem Augenblicke, wo Rudolf die Grenzen Sachsens überschritt, fand der Partikularismus seine höchste Betätigung. Wenn die Sachsen sich von nun an als die Vor- kümpfer unter denSt. Peters Getreuen betrachteten, so war das nichts als ein Zugeständniss, das sie ihrem Verbündeten in Rom als solchen betrachteten sie ja den Papst glaubten machen zu müssen, freilich nur um neue Ansprüche auf Unterstützung ihrer Wünsche danach zu erheben.

Wir müssen es uns versagen, eine eingehende Darstellung der ferneren Kämpfe der Sachsen gegen Heinrich zu geben, da in unsern Quellen, deren wichtigste und reichste versiegt, ⁸⁶) Burchard von jetzt an weniger häufig hervortritt. Dennoch finden wir hinlänglich Spuren, welche seine- tigkeit in dem ferneren Verlaufe jener Kümpfe als nicht minder bedeutungsvoll und bestimmend erkennen lassen wie früher. Namentlich ist seine Stellung zu den beiden Gegenkönigen völlig klar.

Die in Sachsen herrschende Stimmung erkaltete nicht, trotz eines misslungenen Zuges gegen Würzburg und an den Neckar konnte Rudolf im folgenden Jahre 1078 den Feldzug als Angreifer wieder beginnen. Die meisten und vornehmsten der sächsischen Fürsten nahmen daran Teil, die Mehrzahl der Bischöfe, unter ihnen Burchard, ergriffen das Schwert und folgten ihrem Könige. Es war auf eine Vereinigung des sächsischen Heeres mit einem aus Süddeutschland heranrückenden schwäbischen abgesehn; Heinrichs Aufgabe war es, diese Vereinigung zu verhindern. Eiligst rückte er dem gefährlichsten Feinde entgegen: den treulosen Rudolf unschädlich zu machen und ihm die angemasste Krone zu entreissen, lag ihm zunächst am Herzen. Bei Mellrichstadt an der Streu, zwischen Meiningen und Kissingen, traf er auf die Sachsen, am 7. August kam es zur Schlacht. Gleich nach Beginn des Gefechtes ergriff ein Teil der Sachsen die Flucht, unter ihnen die Bischöfe Wezel von Magdeburg und Werner von Merseburg mit ihren Heerhaufen; die un- mittelbare Nähe der Gefahr mochte sie ein zweites Hohenburg und seine Folgen erblicken lassen, und jene beiden hatten ja vor allen andern Ursache des Königs Zorn zu fürchten, wenn sie in seine Gewalt fielen, denn ihnen war die Freiheit geschenkt worden für die eidlich gegebene Ver- sicherung, sich jeder Feindschaft gegen Heinrich enthalten zu wollen. Auf einer andern Stelle jedoch wurden die Königlichen geworfen. Die Sachsen behielten das Schlachtfeld, wenngleich von einer entscheidenden Niederlage Heinrichs nicht die Rede sein konnte. Aber ein harter Schlag war es für sie und insbesondere für Burchards Partei, dass einer ihrer tätigsten und einflussreichsten Bischöfe das Leben verlor; Burchards Oheim Wezel wurde auf der Flucht von den thüringischen Bauern erschlagen. Mit genauer Not entgieng Werner von Merseburg einem gleichen Schicksal; entblösst und geplündert kam er in seinem Bischofssitz an.