— 32—
Stimmung im Reiche eine so gar andere geworden war, mit Gewissheit voraussetzen, dass ihre Bestrebungen den Wünschen jener entgegenkamen. Gegen den gemeinsamen Feind schlossen sie mit Rudolf von Schwaben und seinem Anhange ein inniges Bündniss, Otto von Nordheim und Herzog Welf, die beiden Nebenbuhler um das Herzogtum Baiern gaben sich den Kuss des Friedens. Zu Tribur, auf dem alten Wahlfelde, sagten die Fürsten dem Könige die Treue auf; unter Be- dingungen wollten sie ihn wieder als ihr Oberhaupt anerkennen, wenn er am Jahrestage seines Bannes sich gelöst habe. Vergeblich sah sich Heinrich nach seinen Anhängern um, er stand allein; zwar hielten noch immer die mächtigsten Städte treu zu ihm; aber wo war da ein kräftiges Zu- sammenwirken möglich, das allein Aussicht auf Erfolg bot?— es blieb ihm nichts übrig als sich der Forderung der Fürsten zu fügen und ihnen erzwungene Versicherungen zu geben. Es war dem Könige Ernst mit dem den Fürsten geleisteten Versprechen, um jeden Preis wollte er das Reich behalten; Kanossa ist des Zeuge. Aber die einmal erschütterte Treue war nicht so bald wiederherzustellen.— Vom Banne hatte sich Heinrich gelöst und damit die Bedingungen der Fürsten erfüllt. Dennoch koren diese, während er noch jenseits der Alpen weilte, einen neuen König, einen solchen, der ihnen gefügiger schien, der gleich bei seiner Wahl der Fürstenselbständigkeit die weitgehendsten Zugeständnisse machte: am 15. März 1077 wurde zu Forchheim an der Regnitz Heinrichs Schwager Rudolf von den unzufriedenen Fürsten, vorab den sächsischen, zum deutschen Könige gewählt, am 26. März in Mainz von Erzbischof Siegfried, dem von Heinrich abgefallenen, geweiht.
Welche Rolle Burchard bei den Vorbereitungen zur Wahl Rudolfs und bei dieser selber gespielt haben wird, ist nach seiner Stellung unter den sächsischen Fürsten und nach seiner Stel- lung zu Heinrich leicht abzusehen; selbst bei dem Mangel jedes direkten Zeugnisses müsten wir seine eifrigste Verwendung für den Gegenkönig als gewiss annehmen. Aber wir besitzen auch eine gleichzeitige Nachricht, aus der wir einen sicheren Schluss ziehen können. Marianus Scotus ⁵⁴)
sagt, dass ausser sechs andern Bischöfen im Reiche— von denen er übrigens nur fünf namhaft macht— sieben Bischöfe der Sachsen in Forchheim zugegen gewesen seien. Welches waren diese sieben?— Von den 12 sächsischen Bischöfen standen die von Bremen, Zeitz und Osnabrück treu
zum Könige. Ricbert von Verden wird während der Kämpfe gegen Heinrich nicht ein Mal ge- nannt; seine oben bei andrer Gelegenheit erwähnte Streitigkeit mit dem Erzbischof Liemar war rein privater Natur. Auch von Bischof Friedrich von Münster ist es mir wahrscheinlicher als von andern, dass er der Empörung gegen Heinrich nicht mehr tätig nahe stand; vielleicht dass er sich seit dem Tode seines Bruders, des Markgrafen Teti,— 1075— von der Verschwörung, der er erst angehört, zurückzog; wenigstens um dieselbe Zeit war es, wo er, nach der Niederlage der Sachsen bei Hohenburg, dem Erzbischof Wezel von Magdeburg den dringenden Rat erteilte, seinen Frieden zu machen mit dem Könige. 8⁵) Bischof Friedrich befand sich übrigens auch, wie wir wissen, in der Begleitung des Königs Heinrich, als dieser beim Ausbruche des Sachsenaufstandes in der Harzburg eingeschlossen war, und wurde vom Könige als Bote an die Rebellen benutzt; der Verschwörung trat er also erst in letzter Stunde bei.— Die sieben sächsischen Bischöfe, welche dem Könige Rudolf zu Forchheim ihre Stimme gaben, waren demnach: Wezel von Magdeburg, Werner von Merseburg, Benno von Meissen, Hezil von Hildesheim, Eilbert von Minden, Poppo von Paderborn, der Nachfolger Jmmets, und jedesfalls Burchard von Halberstadt.
Die Wahl Rudolfs war von bösen Vorbedeutungen begleitet. Aus seinem eignen Herzog- tum war kein einziger Bischof zugegen; ein am Krönungstage von den Mainzer Bürgern gegen sein Gefolge erregter Tumult tat ihm die Stimmung des Volkes in den Städten kund. Siegfried wie


