Aufsatz 
Burchard II. von Halberstadt, der Führer der Sachsen in den Kriegen gegen Heinrich IV
Entstehung
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verschonte selbst nicht die heiligen Stätten; nur mit Mühe wurden von einem benachbarten Abte die ausgegrabenen Gebeine der Verstorbenen und die Reliquien gerettet; nach anderen Berichten seien auch diese der tobenden Rotte zum Opfer gefallen, die mit den Heiligtümern ihren Spott trieb. Des Königs gerechte Entrüstung über den ruchlosen Frevel, der seine heiligsten Gefühle traf, war gross; sie wurde nicht beschwichtigt durch die Versicherung der sächsischen Fürsten, der wir übrigens völlig Glauben schenken dürfen, dass sie an dieser Untat sowohl als Anstifter wie als Mitwisser unschuldig seien. Heinrich hat seitdem Sachsen in Frieden nicht wieder betreten.

Wenn Heinrich jetzt glaubte, die Hilfe des Papstes gegen Kirchenschänder in Anspruch nehmen zu dürfen, ²) so waren die Sachsen ihm längst zuvorgekommen, die den Papst bereits zum Bundesgenossen hatten. Wir müssen hier etwas zurückgreifen, um Burchards Tätigkeit auch noch an einem andern Platze kennen zu lernen, als wo wir sie bisher sich entwickeln sahen, freilich auf dasselbe Ziel hingehend: den König zu bekäümpfen.

Am 22. April 1073 war zu Rom unmittelbar nach Alexanders Tode der Mann auf den Stuhl Petri gestiegen, welecher schon unter fünf Päpsten mit wachsendem Einfluss die Leitung der Kirche gehabt hatte, der Archidiakon Hildebrand. Seine Wahl war keineswegs eine regel- mässige gewesen, der König bekam erst nach vollzogener Wahl Mitteilung. Dass er schon als Archidiakon dem selbständigen Regiment Heinrichs nicht gewogen war, wusten mehr als einer von den deutschen Fürsten, mit denen er in naher Beziehung stand. Und welchen Standpunkt Gregor als Papst gegen den König einzunehmen gedachte, davon machte er in seinen Briefen schon in den ersten Monaten nach seiner Wahl kein Geheimniss. In einem seiner Briefe vom Ende Juni 1073 ³) heisst es:De rege haec est voluntas nostra, ut ad eum religiosos viros mittamus, quorum am- monitionibus inspirante Deo ad amorem sanctae Romanaec ecclesiae eum revocare et ad condignam formam suscipiendi imperii instruere et espolire valeamus. Certe tutius nobis est defendendo veritatem pro sui ipsius salute ad usque sanguinem nostrum sibi resistere, quam ad explendam eius voluntatem iniquitati consentiendo secum quod absit ad interitum ruere. Freilich vermied es Gregor klüglich, gleich anfangs mit Heinrich vollständig zu brechen; er hatte die Stimmung der meisten deutschen Bischöfe gegen sich und muste versuchen, ob er nicht den König zu einem gefügigen Bundesgenossen machen könne. Ein Brief Heinrichs aus den Tagen, wo ein Feldzug gegen Polen geplant wurde und nachher ein Feldzug gegen Sachsen zu Stande kam, enthielt in auffallend unterwürfigem Tone, so unterwürfigem, dass Gregor selber sein freudiges Staunen nicht unterdrücken konnte,) die Versicherung, dass der König sich des Papstes weisen und gerechten Wünschen fügen werde, und war wohl geeignet, bei Gregor gute Hoffnungen auf Heinrich zu er- wecken. Keineswegs aber zeigte Gregor seinerseits dem Könige ein bereitwilliges Entgegenkommen; er suchte nach allen Seiten hin im Reiche Verbindungen, und Rudolf von Schwaben war einer von denjenigen deutschen Fürsten, mit denen er in innigem Verkehre blieb. Die Empörung der Sachsen war eine willkommene Gelegenheit, sich in die Angelegenheiten des Reiches zu mischen. Und am Ende des Jahres 1073, in der Zeit, wo dem Könige die schwersten Kränkungen bereitet wurden, suchte er nicht etwa durch die Autorität der Kirche die Rebellen zum Gehorsam gegen ihren Herrscher zu verweisen, sondern forderte den König auf, die Feindseligkeiten einzustellen, bis durch Gesandte des apostolischen Stuhles die Veranlassungen des Bürgerkrieges untersucht und Friede und Eintracht nach ihrer gerechten Entscheidung wieder hergestellt sei. Ein Sendschreiben an die Führer der sächsischen Rebellen, Wezel, Burchard und den Markgrafen Teti, teilte ihnen den Schritt des Papstes mit, sie gleichzeitig ermahnend, ihrerseits den römischen Friedensvermittlern