Aufsatz 
Burchard II. von Halberstadt, der Führer der Sachsen in den Kriegen gegen Heinrich IV
Entstehung
Einzelbild herunterladen

keine Schwierigkeiten in den Weg zu legen. 5⁵) Ohne alle Furcht, versprach Gregor, und ohne alle persönlichen Rücksichten wolle er derjenigen Partei den Schutz der apostolischen Macht zu- wenden, welche als die unterdrückte, die ungerecht leidende erkannt werden würde. Das zeigt wohl sehr wenig Abneigung gegen die sächsische Partei. Wer hatte Gregor aufgefordert zur Ver- mittlung und zum Schutze der bedrängten Unschuld? Heinrich hatte wahrlich keine Veranlassung, die Hilfe des Stuhles Petri anzurufen; war er doch nur von dem einen Wunsche beseelt, den Em- pörern die verdiente Züchtigung angedeihen zu lassen, konnte er sich doch selber hierzu stark genug fühlen. Dass aber Burchard wohl auf die Sympathien der Curie rechnen konnte, liegt auf der Hand; seit langer Zeit stand er zu Rom in dankbarem Andenken; er durfte hoffen, dass Gregor sein Ohr seinen Wünschen nicht ganz verschliessen werde. Jenen Brief Gregors müssen wir als eine Antwort des Papstes auf ein Hilfegesuch des Oberhauptes der Sachsen betrachten natürlich in Gregorianischer Weise, die nach beiden Seiten hin die Wahrung der eignen Autorität sich vor- behält. Den bischöflichen Lenkern des Aufstandes war Gregor der natürliche Bundesgenosse. Wir werden noch öfters Burchards eifrige Wirksamkeit für das Interesse des Papstes kennen lernen. ¹⁰⁴) Kehren wir jetzt zu dem Kriege in Deutschland zurück.

So lässig Heinrich bisher von den deutschen Fürsten unterstützt worden war, so eifrig zeigten sich dieselben jetzt für den Krieg, als Heinrich zum Rachezuge gegen Sachsen aufforderte nach dem Frevel zu Harzburg. Vielleicht hätte der König klüger getan, eine von den sächsischen Fürsten gebotene Busse anzunehmen. Aber schrien nicht die in der Grabesruhe gestörten Gebeine seiner geliebten Todten um Rache? war nicht seiner eignen Majestät der schwerste Schimpf ange- tan? Zu der ohnehin begreiflichen Befriedigung, einen triftigen Grund zu neuem Angriffe ge- funden zu haben, kam das Drängen der Fürsten, das ihm, wenn jemals, in diesem Augenblicke das Gefühl der Stärke gab und der Macht, seine Oberhoheit völlig wieder herzustellen. Auch durfte Heinrich nicht erwarten, vor den Sachsen und ihren unruhigen, widersetzlichen Fürsten je sicher zu sein, wenn ihnen nicht eine völlige Demütigung zu Teil wurde. Die Sachsen sahen denn auch mit jedem Tage des Königs Macht wachsen; mit des Königs Anhang wuchs die Zahl ihrer Feinde. Das machte sie stutzig; durch Furcht vor der Uebermacht des Gegners wurde ein grosser Teil der Rebellen der Sache des Aufstandes entfremdet. Bruno erzählt,*) dass der ganze Osten und der ganze Westen, das Meissener Land und Westfalen, entweder mutlos geworden sei oder offen dem Könige seine Unterwerfung kundgetan habe, dass sogar auf die Treue der Uebrigen nicht mehr sicher zu rechnen gewesen sei. Und die Bischöfe, die bisher mit wenigen Ausnahmen die eifrigsten Gegner Heinrichs gewesen waren, suchten ihren Frieden mit dem Könige zu machen. Nur vier verweigerten in hartnäckigem Trotze ihre Unterwerfung oder auch nur eine Annäherung an den König: an ihrer Spitze Burchard, ihm schlossen sich an Wezel von Magdeburg, Werner von Merseburg und Jmmet von Paderborn. Aber selbst Burchards Oheim scheint schwankend geworden zu sein; brieflich bat er den. Erzbischof von Mainz, Fürbitte für ihn und die Sachsen beim Könige einzulegen.⁰s⁸) Was die im Widerstande verharrenden Fürsten der Sachsen verlangten, war, vor ein Fürstengericht gestellt zu werden; Heinrich forderte bedingungslose Unterwerfung. So giengen die Boten der Sachsen hin und her, ohne dass die Verhandlungen Erfolg hatten. In- des wurde zum Troste für die Sachsen der Ausbruch des Kampfes noch verzögert durch Heinrichs Abberufung auf einen andern Schauplatz. Im Sommer 1074 wurde der König von seinem Schwa- ger, dem Könige Salomo von Ungarn, um Hilfe angegangen gegen den Usurpator Geisa, der ihn aus der Herrschaft verdrängt hatte; Salomo versprach, ohne Weigerung sein Reich aus Heinrichs