Aufsatz 
Burchard II. von Halberstadt, der Führer der Sachsen in den Kriegen gegen Heinrich IV
Entstehung
Einzelbild herunterladen

20

So zuversichtlich war schon ihre Sprache, so sicher rechneten sie auf die Zustimmung der Ober- deutschen. Sie muteten sogar dem Könige zu, an dem bestimmten Tage auch zu erscheinen, wenn er glaube, dass es für ihn von Nutzen sein werde. Wenn diese Vereinigung der sächsischen Fürsten mit den übrigen missvergnügten zu Fritzlar zu Stande kam, so war in der Tat für Heinrich das Schlimmste zu befürchten: es würde ihm die Macht gefehlt haben, den vereinten Widerstand dann noch zu brechen. Ein Glück war es für den König, dass er, da die grossen Reichsfürsten fast ausnahmslos sich weigerten, jetzt an dem Feldzuge gegen Sachsen teilzunehmen, eine geringere politische Niederlage einer grossen Niederlage auf dem Schlachtfelde vorzog: der Tag zu Fritz- lar wurde durch den Vertrag zu Gerstungen am 2. Februar vereitelt. Allerdings waren die Be- dingungen, welche die Sachsen stellten, hart genug: Schleifung sämmtlicher Burgen, Wiederein- setzung Ottos in Baiern, Straflosigkeit aller in den Aufstand verwickelten Fürsten. Aber Heinrich erreichte durch den Separatfrieden mehr, als er je erwarten konnte. Er hatte sich von dem ge- fährlichsten Feinde befreit, konnte somit jetzt um so sicherer gegen die zweifelhaften oberdeutschen Fürsten sich wenden, namentlich gegen Rudolf von Schwaben. Aber aus dem ganz offenen Feinde wurde mit einem Male der eifrigste Anhänger: Rudolf konnte es den Sachsen nicht vergeben, dass sie ohne ihn ihren Frieden mit Heinrich gemacht hatten, und sein ganzer Hass wandte sich nun plötzlich gegen jene, die ihn im Stich gelassen. Heinrich hatte sich also des einen Feindes durch rechtzeitige Nachgiebigkeit entledigt und zugleich in dem anderen den stärksten und tätigsten Ver- bündeten gewonnen. Dass Bischof Burchard an diesem Feldzuge gegen Heinrich Teil nahm und bei den Verhandlungen zu Gerstungen zugegen war, ist so gut wie sicher bei einem Manne, der seit Ausbruch der Empörung, die sein eignes Werk war, keiner gemeinsamen Unternehmung seines Volkes fern stand; Lambert selber erzählt, dass die sächsischen Bischöfe im Lager sich be- fanden zur Zeit des Abschlusses des Gerstunger Friedens.

Die Eifersucht und der Unwille der Fürsten über den Frieden, der ohne ihre Zuziehung geschlossen war, trat recht zu Tage, als Heinrich auf den 10. März einen Reichstag zu Goslar ansetzte: ausser den Sachsen und Thüringern erschien kein einziger Fürst des Reichs. Diesen aber, die wieder mit grossem Heeresgefolge gekommen waren, bestätigte Heinrich nochmals die zu Gerstungen gegebenen Versprechungen: der Nordheimer sollte binnen Jahresfrist durch Richterspruch der Fürsten Genugtuung erhalten, die Burgen sofort völlig zerstört werden. Der Befehl hierzu wurde alsbald erlassen und ausgeführt; von der Harzburg jedoch, seiner Lieblingsschöpfung, liess Heinrich nur die äusseren Festungsmauern schleifen; damit verlor sie ja die Bedeutung einer Zwingburg. Es war des Königs liebster Aufenthalt; stolz schaute die Feste von dem Rande des Gebirges in das Land hinab; mit den herrlichsten Gebäuden geistlicher wie weltlicher Bestimmung war sie zum Teil bereits ausgestattet, zum Teil sollte sie noch weiter ausgestattet werden; die Leichen seines Bruders und seines in zartester Kindheit verstorbenen ersten Sohnes hatte er dort beisetzen lassen, das Münster durch eine Anzahl kostbarer Reliquien bereichert. Die Harzburg hatte, wie sie die ausgedehnteste von den Bergfestungen war, die Heinrich angelegt, auch die stärkste Besatzung gehabt; die Unterhaltung derselben muste den umwohnenden Bauern besonders drückend gewesen sein; auch nach dem Falle der Festungsmauern mahmte die stolz in das Land blickende ausgedehnte Anlage an den früheren Druck, an so manche unmutsvoll getragene Bürde, der die Bewolmer der Umgegend sich hatten unterziehen müssen. Und kaum hatte der König Sachsen den Rücken gekehrt, so überfiel ein wilder, tobender Haufe aufgeregter Bauern die wehrlose Harzburg, wütete mit Mord und Brand umher, so dass buchstäblich kein Stein auf dem andern blieb, und