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Rudolf von Schwaben und Berthold von Kärnthen, deren eigennützige und unzuverlässige Politik den König gleichfalls stets in Sorge hielten; nur Herzog Gottfried von Lothringen, den Heinrich auch mitschickte, war dem Könige stets treu ergeben. Das Resultat der dreitägigen Verhandlungen ist nicht recht klar; jedesfalls ist Lamberts Bericht von einem geheimen Beschlusse wegen Ab- setzung des Königs sehr wenig glaubhaft.5s) Doch wurde einstweilen eine neue Zusammenkunft verabredet: zu Köln wollten die Sachsen sich Weihnachten gegen Zusicherung völliger Straflosig- keit und gegen das Versprechen, vor ferneren Uebergriffen sicher zu sein, dem Könige unterwerfen. Das Ende des Jahres nahte herbei, ohne dass es Heinrich möglich gewesen war, seine hohen Pläne, die er am Anfange gehegt, zur Vollendung zu bringen, ohne dass er selbst die Empörer, deren Uebermut seine Pläne durchkreuzt, ihn aufs schwerste beleidigt, sein königliches Ansehn hatte fühlen lassen können. Statt hoher Macht und glänzender Erfolge hatte das Jahr ihm Enttäuschungen und Kränkungen gebracht. Zwar empfieng er manche Beweise der Liebe seiner Untertanen; die treuen rheinischen Städte standen zu ihm, Worms, die mächtige Bischofsstadt, empfieng ihn mit Jubel. Aber das Ende des Jahres brachte noch eine neue demütigende Kränkung. In den ersten Tagen des November war es, wo zu Nürnberg jener Reginger, ein königlicher Höfling, auftrat, den König eines furchtbaren Mordplanes gegen alle ihm nicht ganz zuverlässigen Fürsten beschuldigend. Es war ein zwiefach plump angelegtes Gaukelspiel; denn einmal war es nichts als eine Nachahmung des im Jahre 1070 gegen Otto von Nordheim geführten Streiches, und dann war die Denunziation an sich schwer glaublich, da ein derartiger Plan eine gar bedenkliche Zahl von Mitwissern erforderte. Es ist nun keineswegs erwiesen, ob und von wem Reginger zu diesem Schritte angestiftet sei. Denn während unsre Quellen bei dem ähnlichen Falle des Egino das Benehmen des Königs mög- lichst gehässig erscheinen lassen, ja ihn sogar als den Urheber der Jntrigue bezeichnen, auch dic Teilnehmer und Mitwisser uns nicht vorenthalten, ist bei Regingers Denunziation von einem An- stifter keine Rede.5?*) Ein denkbarer Grund indessen, dass er aus eignem Antriebe gehandelt habe, lässt sich kaum finden. Heinrich selbst sah den Herzog Rudolf für den Urheber an. Wahrschein- licher bleibt es immer, dass der Plan ursprünglich von den sächsischen Fürsten ausgieng; ⁰) sie hatten zunächst Jnteresse, die süddeutschen Fürsten auf ihre Seite zu ziehn; das geschah am sicher- sten, wenn diesen der König verdächtigt wurde, dass auf seiner Seite keinen Augenblick mehr Treue und Sicherheit zu erwarten sei. Die Erbitterung der Fürsten war gross, mochten sie nun den dem König zur Last gelegten verräterischen Plan für tatsächlich bestehend halten oder mochten sie die Gelegenheit ergreifen, ihm mit einem neuen schweren Vorwurf entgegenzutreten. Sie be- standen darauf, Heinrich solle sich von dem ihm vorgeworfenen Verbrechen reinigen, bevor sie sich auf weitere Unterhandlungen einliessen. Das Gottesurteil, dem man die Entscheidung anheimge- stellt, kam indessen nicht zu Stande, denn der Angeber Reginger starb kurz vor dem für dasselbe festgesetzten Termine.— Weihnachten vergieng, während der Krieg um die Burgen in Sachsen weiter wütete; es scheint fast, als hätten die sächsischen Führer, von vorn herein ja nicht willens sich mit Heinrich zu vertragen, durch das Vorschieben Regingers wenn nicht Bundesgenossen, doch wenigstens Zeit gewinnen wollen, um die Verhandlungen des Königs mit den übrigen Fürsten zu verzögern. Und von Unterwerfung war ferner keine Rede: sie erklärten den zu Korvei mit ihnen in Heinrichs Auftrage noch einmal verhandelnden Erzbischöfen von Köln und Mainz ihre nun- mehrige Absicht,„in der nächsten Woche nach Mariä Reinigung(9.—15. Februar) zu Fritzlar zusammenzukommen und hier nach gemeinschaftlicher Beratung mit den übrigen Fürsten des Reichs denjenigen zur Leitung des gefährdeten Staates zu berufen, welcher den Beifall Aller hätte.“¹⁰²)


