Aufsatz 
Burchard II. von Halberstadt, der Führer der Sachsen in den Kriegen gegen Heinrich IV
Entstehung
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sammelnden Aufgebote der oberdeutschen und rheinischen Fürsten durch sein Ausbleiben wieder zweifelhaft werden lassen? dann war alles verloren. Das einzige Rettungsmittel blieb wieder schleu- nige Flucht, um zu den Seinen zu gelangen. Und wie durch ein Wunder entkam er mitten durch die unwegsamen Wälder auf geheimen Pfaden seinen Spähern. Erst in Eschwege gönnte er sich und seinen Begleitern eine kurze Rast und setzte dann seine Reise ungestörter fort bis nach Hersfeld. Selbst einige der Fürsten, die vorher dem Könige nicht sonderlich zugetan waren, waren entrüstet über den Uebermut der Sachsen. Nach mannigfachen Verhandlungen wurde festgesetzt, dass das Reichsheer bei Breitungen im Sachsen-Meiningischen sich sammeln sollte; der Zug gegen Polen muste einstweilen vor näher liegenden Gefahren zurücktreten. Die Sachsen waren wütend, dass ihnen der König, dessen sie sich dies Mal ganz gewiss versichert zu haben geglaubt, wiederum entwischt war; aber sie musten nun auch besorgen, dass er die ihm angetane Schmach nicht un- gerächt lassen werde. Doch liessen sie den Mut nicht sinken und setzten, nachdem sie noch die nicht minder missvergnügten Thüringer als Bundesgenossen geworben, mit Eifer ihre Rüstungen fort. Und einen ihnen schr schwer wiegenden Erfolg hatten sie gleich jetzt: ihr junger Herzog Magnus erhielt seine Freiheit wieder. Durch den Fall der von Heinrichs Leuten besetzt gehaltenen Billingschen Feste Lüneburg geriet cine Anzahl tüchtiger und zum Teil angesehner Krieger Ilein- richs in die Hände seiner Feinde, denen sie nun als Geiseln dienen konnten; am 15. August liess Heinrich, mit Widerstreben dem Rate der Fürsten Folge gebend, den jungen Billinger in Freiheit setzen und von der Harzburg, seinem Gefängnisse, zu seinen Landsleuten hinabsteigen. So grosses Gewicht aber von den Sachsen dem Könige gegenüber früher auf die Freilassung ihres Herzogs gelegt war, so fiel es ihnen jetzt doch nicht ein eine Versöhnung anzubieten.

In welcher Weise bei allen diesen und den folgenden Kriegsereignissen Burchards Tätig- keit sich geltend machte, lässt sich aus der oben angeführten allgemeinen Bemerkung Waltrams nicht ersehen. Als Oberanführer bei den kriegerischen Unternehmungen erscheint fast durchweg Otto von Nordheim, der zu dieser Stellung wohl am meisten berufen war. Dass aber Burchard keinen Augenblick rastete, dass er unermüdlich das Feuer schürte, Mutlose aufrichtete, Wankel- mütige kräftigte, mit einem Wort dass er die bewegende Seele war, das können wir schon daraus abnehmen, wie wir ihn bis jetzt kennen gelernt haben, namentlich aber aus dem Umstande, dass er dem Könige selber von Anfang des Krieges an als der gefährlichste Gegner galt, welchen un- schädlich zu machen ihm vor allem angelegen war. Und auch bei dem Brechen der königlichen Burgen, welches sich Sachsen und Thüringer für das Ende des Jahres 1073 als nächste Aufgabe stellten, war er nicht unbeteiligt. Besonders wird ihm die den Grenzen seines Bistums allzu nahe gelegene Heimburg ein Dorn im Auge gewesen sein, und er hatte die Genugtuung, sie zuerst in Schutt und Asche zu sechen. 5?) Länger hielt die Harzburg Stand. Inzwischen nahte der Winter heran unter Verhandlungen, ohne dass irgend etwas von Bedeutung ausgeführt wurde. Ieinrich war bemüht, sich der Hülfe der süddeutschen Fürsten auch gegen Reichsangehörige zu versichern, während die Sachsen einer Reichsexekution zuvorzukommen ücten indem sie sich bereit GrKlär- ten, auf einem Fürstentage zu Gerstungen ihre Beschwerde vorzubringen. Sie erschienen zu dem verabredeten Termin am 20. Oktober, aber wieder mit einem nicht unbeträchtlichen Heere. Es war Heinrichs Unglück, dass er so wenig aufrichtige Anhänger hatte und dass so oft die Vollführer seiner Geschäfte seine geheimen Widersacher waren. Unter den Abgesandten des Königs waren als die vornehmsten zugegen Anno von Köln, dessen zweifelhafte Stellung in dem Sachsenaufstande wir schon kennen, Siegfried von Mainz, ein durch Selbstsucht geleiteter, charakterloser Mann,