Aufsatz 
Burchard II. von Halberstadt, der Führer der Sachsen in den Kriegen gegen Heinrich IV
Entstehung
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gefesselt hatte, eilte er nach dem Süden, wo er die den Aufruhr drohenden Herzöge Rudolf von Schwaben und Berthold von Kärnthen am Palmsonntage(24. März) mit sich aussöhnte. Als der König das Pfingstfest in Augsburg inmitten einer grossen Schaar der Fürsten feierte, war die Ruhe in Oberdeutschland wiederhergestellt. Aber wie sah es in Sachsen aus, als der König im Juni dahin zurückkehrte, um auch hier die Rüstungen zu betreiben! Die Bischöfe und Fürsten, die er noch vor wenigen Monaten für seine eifrigen Anhänger gehalten hatte, standen an der Spitze des zur Empörung bereiten Volkes ihm gegenüber. Das Misstrauen gegen die Kriegsrüstungen, die, weil Sachsen die Operationsbasis sein sollte, gegen dieses selber gerichtet schienen, hatte den auf fruchtbarem Boden erwachsenen Aufstand gezeitigt. Lambert von Hersfeld nennt als Urheber und Anführer der Verschwörung in erster Linie Burchard von Halberstadt, der mit Hermann dem Billinger, dem Oheim des noch immer in Haft gehaltenen Herzogs Magnus, und Otto von Nord- heim sich verbunden hatte. Burchard war die Seele und die Triebfeder der ganzen Unternehmung, der nach allen Seiten hin arbeitende, beredte Agitator. Sowohl aus verschiedenen Zeugnissen der gleichzeitigen Schriftsteller geht dies hervor, wie auch der Inhalt mehrerer Briefe von Burchard nahestehenden Personen die unermüdliche, schürende Tätigkeit unsers Bischofs erkennen lässt. Einen eifrigen Bundesgenossen hatte er an Bischof Hezil von Hildesheim. ¹⁷) Die oft überschweng- lich klingenden Freundschaftsversicherungen, welche Hezil in seinem blütenreichen Briefstil Bur- chard gibt, sind keineswegs grundlos; und an mehr als einer Stelle deutet Hezil auf ein bestimmtes Vorhaben hin, das für sie beide gleiche Gefahren und gleiche Erfolge mit sich bringe. Burchard hielt sich in dieser Zeit bald bei seinem Oheim Anno in Köln auf, der dem Komplott sicherlich nicht fern stand;4¹s) bald betrieb er in der Heimat seine Wühlereien mit einem so rücksichtslosen Eifer, dass Hezil ihn auffordern muste, sich einige Zeit zur Betreibung geistlicher Uebungen zu ihm zu begeben, um allzu dringenden Verdacht von sich abzulenken;¹⁹⁵) bald lässt er seine ein- flussreichen Freunde andere Grosse mit in die Verschwörung ziehen, und Otto von Nordheim scheint durch ihn erst für die Verschwörung gewonnen zu sein, 5°) wenngleich es ihm gerade bei diesem keine grossen Schwierigkeiten gemacht haben wird(auch hier war Hezil der Vermittler, der den Nordheimer mit aller Entschiedenheit an Burchards Autorität verwies); ja es ist nicht unwahr- scheinlich, dass er in seiner alten schwübischen Heimat frühere Verbindungen wieder anknüpfte, wenn Waltram ¹) Recht hat mit seiner Angabe:(regi) suscitavit diuturnum et grave bellum Sa- xonum, Thuringorum atque Suevorum. Dabei fand er immer noch Zeit genug, den treuen An- hängern Heinrichs Schwierigkeiten in den Weg zu legen, wo er konnte, sei es auch nur, um ihnen überhaupt Ungelegenheiten zu bereiten. Wer Heinrichs Freund war, war eben sein Feind. So erfuhr sein feindseliges Benehmen der edle Erzbischof Liemar von Bremen, der in eine Streitigkeit mit dem benachbarten Bischof Ricbert von Verden verwickelt war. In einem Schreiben an die beiden Bischöfe Hezil und Burchard,5⁵²) deren Schiedsspruche er sich zu unterwerfen bereit ist, beklagt er sich speziell Burchard gegenüber mit scharfen Worten wegen der Unterstützung, die er seinen Feinden zu ihnen gehört Hermann der Billinger, Burchards engerer Bundesgenosse und sogar den von ihm Gebannten hat angedeihen lassen, und verwahrt sich gegen unbillige Zu- mutungen, wie gegen das wiederholt gestellte Ansinnen, in Goslar oder Quedlinburg5³⁴) oder Oster- wiek⁵⁴) zu erscheinen, wohin jene eine Tagereise, er wenigstens fünf hat, während er sich bereits vor Monatsfrist bereit erklärt hat, nach Hildesheim kommen zu wollen, wenn Burchard zufällig sich dort einfünde und das geschah ja in jener Zeit oft genug. Man sieht hieraus, wie es Bur- chard nur darum zu tun war, einen Mann, den er nicht zum Treubruch gegen den König vermocht hatte, mit kleinlichen, ja zwecklosen Plackereien zu verfolgen.5⁵)