er es vorzog, den königlichen IIof zu meiden, standen Burchard von IIalberstadt und sein Oheim Wezel von Magdeburg auf Seiten der Feinde Heinrichs. Der König, der den Eifer und den Ehr- geiz Burchards hinlänglich kennen zu lernen Gelegenheit gehabt hatte, der auch seinen Einfluss unter den sächsischen Fürsten nicht unterschätzte, sah die Gefahr, die ihm von einem solchen Gegner drohte, und das nun seinerseits dem Bischof entgegengebrachte entfremdende Misstrauen erweiterte den Riss,— von Stund an erblickte Heinrich in Burchard seinen erbittersten, gefähr- lichsten Gegner, wie dieser den König mit unauslöschlichem, stets wachsendem Iasse verfolgte.
Aus der bisherigen Darlegung ergibt sich, dass Burchard keineswegs mit einem plötzlichen Umschlage aus dem wenigstens äusserlich guten Verhältniss zu Ieinrich heraustrat, dass er nach und nach durch die Interessen, denen er sich angeschlossen, wie durch seine Pläne auf die Seite von Heinrichs Feinden gedrängt wurde; dass er je ein aufrichtiger, begeisterter Anhänger des Königs gewesen sei, davon zeigt sich ohnehin keine Spur. Denn wenn man auch die Angabe Lam- berts ¹³) über Burchards Beweggrund, welchen der Mönch bei einem Manne von so„ausnehmender Ileiligkeit“ in nichts anderem sucht als in dem Eifer für die Kirche Gottes und der Rücksicht auf das gemeine Beste, füglich zurückweisen darf, so kann man doch ebenso wenig die von Burchard selbst den Sachsen gegenüber vorgebrachte Tatsache, ¹⁴¹) dass Heinrich eine Besitzung der Halber- städter Kirche ihm vorenthalte, als ausreichend betrachten, um Burchards Abfall vom Könige und seinen unversöhnlichen Hass zu erklären. Den Eindruck so wilder Leidenschaftlichkeit macht Burchard keineswegs, er handelt nach tieferen Plänen. Wenn Burchard in der Volksversammlung, welche die Sachsen vor Ausbruch des Krieges 1073 bei Haldensleben¹⁵) abhalten und in welcher jeder einzelne seine Beschwerden über den König anbringt, sich beklagt,„dass der König ihm das Erbgut eines Edelmannes namens Bodo, welches von Rechts wegen seiner Kirche zukomme, entrissen habe,“ so handelte es sich darum, die gereizte Stimmung des Volkes zu erhöhen durch eine Häu- fung von Tatsachen, in denen des Königs Härte und Ungerechtigkeit recht augenfällig hervortrat. Burchard wollte ja gar nicht seinen Abfall vom Könige begründen oder rechtfertigen, sondern er wollte einen einzelnen bestimmten Fall berichten, aus welchem hervorgieng, dass auch ihn des Königs Willkür nicht verschont hatte. Wenn auf dieses Factum wirklich ein Brief Burchards aus jener Zeit sich bezieht, wie Sudendorf, der den Brief in sein Registrum*⁰) aufgenommen hat, andeutet, Sellin für gewiss annimmt, so zeugt der gereizte Ton, den man in dem Briefe finden könnte, wenigstens nicht von allzu bittrer Stimmung; denn wenn auch Burchard darin den König warnt, ein Privilegium seiner Vorfahren zu brechen, so klingt doch der Schluss recht versöhnlich:„De me iterum loquar, licet vestra tanta in me sint merita, ut ad singula respondere non sufficiam. Iloc quod pie tacere non possum, quaecunque in amicum meum dominum B. humanius exhibuistis, quasi in me ipsum collata fuerint, gratiosa habeo. Gratias ago vobis, gratias vobis.“
Im Anfange des Jahres 1073 war es, wo Heinrich, der im Norden und im Süden die Fürsten in Unzufriedenheit sah, jenen allgemeinen Kriegszug plante, welcher, gegen den übermütigen und unruhigen Polenherzog gerichtet, sowohl das Reich von beständigen Befürchtungen von aussen mit einem Schlage befreien, als auch den Fürsten ein reiches Feld kriegerischer Tätigkeit eröffnen sollte, wo sie Befriedigung ihres Ehrgeizes finden konuten. Das ganze Reich wurde zu dem Kriege aufgeboten, am 22. August sollte der Feldzug mit dem Uebergange über die Elbe eröffnet werden. Vorher blieb dem Könige noch die Aufgabe, die mächtigsten Fürsten des Reichs möglichst eng mit sich zu verbinden. Von Erfurt, wo er in der Synode am 10. März den habsüchtigen Erz- bischof Siegfried von Mainz durch die Zusicherung der Thüringer Zehnten von neuem an sich


