Aufsatz 
Burchard II. von Halberstadt, der Führer der Sachsen in den Kriegen gegen Heinrich IV
Entstehung
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allgemein der Frankenkönig, das Reich das fränkische von den ersten Begründern der Monarchie. Das Stammesbewustsein des sächsischen Volkes war so lebhaft, dass es zu einer Beteiligung an Reichsinteressen stets der zwingenden Autorität des Kaisers oder des Einflusses der Fürsten be- durfte. Es war ein schlauer Zug der gregorianischen Politik, dieser Sonderstellung gewissermassen eine Anerkennung und Weihe zu geben: in den päpstlichen Bullen aus der Zeit des Gegenkönigs Rudolf ist von einem Saxonicum regnum neben einem Teutonicum die Rede; die Sachsen gewöhn- ten sich auch bald daran, nur vonihrem Reiche zu sprechen.¹¹) Den Fürsten eines solchen Volkes war jede Gelegenheit zur Empörung willkommen, und Heinrich hatte wohl Ursache, sich vor ihnen zu hüten. Schon im Jahre 1057, ganz kurz nach Heinrichs III. Tode, hatten die säch- sischen Grossen eine gefährliche Verschwörung angezettelt, um sich der verhassten Fremdherrschaft des salischen Regiments, und sei es selbst durch Ermordung des jungen Königs, zu ent- ledigen. ¹²) Nur vorübergehend wurden die Interessen einiger der mächtigsten der sächsischen Fürsten, wie Ottos von Nordheim, an die des Kaiserhauses gefesselt. Jetzt, nachdem Ieinrich auch die Bevölkerung des platten Landes gegen sich aufgebracht hatte, schien der Zeitpunkt ge- kommen, mit vereinten Kräften und mit guter Rüstung gegen den König aufzustehn.

Am 28. März 1072 war der alte Herzog Ordulf gestorben. Der Erbfolge nach muste sein Sohn Magnus das Herzogtum übernehmen; allein der war in Haft wegen Hochverrats, und stand- haft weigerte er sich, die Freiheit mit dem Verzicht auf sein Herzogtum zu erkaufen. Das Her- zogtum Sachsen war tatsächlich ein eröffnetes Reichslehen geworden, dem König stand die Ein- ziehung desselben unzweifelhaft zu; wenn je, so hatte er jetzt Gelegenheit das Stammesherzogtum in Sachsen für immer zu vernichten. Hass und Furcht liessen den Sachsen Heinrichs Absichten weit schlimmer erscheinen, als sie in Wirklichkeit waren: so gab Ordulfs Tod das Signal, die auf günstigen Vorbedingungen beruhende Verschwörung ins Werk zu setzen.

Jch habe es, auch mit Rücksicht auf unser spezielles Thema, nicht für überflüssig gehalten, einen Augenblick zu verweilen bei dem Hinweis auf die Gesichtspunkte, welche bei Beurteilung des Sachsenaufstandes meiner Ansicht nach festzuhalten sind; wir können nunmehr zu Burchard zurückkehren. Dass Burchards Bestrebungen und Hoffnungen mit den Interessen der Sachsen aufs innigste verwachsen waren, haben wir schon früher geschn; er verschloss sich auch von Anfang an nicht der Teilnahme an den gegen Heinrich von der Gesammtheit entworfenen Plänen. Für ihn kamen aber noch besondere Umstände hinzu, die ihn der Sache des Königs, der er bisher an- gehangen, entfremdeten. Wenige Tage vor Ordulf, am 17. März 1072, war ein andrer Mann aus dem Leben geschieden, der für das Reich von ungleich grösserer Bedeutung war: Adalbert von Bremen, der Mann, der die höchsten Pläne gehegt und der so wenig erreicht hatte. Heinrich sah sich genötigt, dem Drängen der Fürsten nachzugeben und den Erzbischof Anno wieder an seinen Hof zu ziehn. Allein wenn einrich schon früher aus seiner Abneigung gegen den Frevler an seiner Jugend kein Hehl gemacht hatte, so steigerte sich dieselbe jetzt zu dem glühendsten Hasse gegen den Mann, der ihm von neuem als Aufseher und Vormund sollte aufgedrängt werden. Hein- rich war nicht mehr der wenn auch nur aus Furcht fügsame Knabe, als welchen ihn Anno noch nach Tribur gekannt hatte, er war zum selbständigen Manne herangereift. Der Unmut, dass Hein- rich von seinen Lieblingsplänen gegen Sachsen nicht abzubringen war, dass er überhaupt dem Einflusse seines früheren Meisters sich nicht mehr fügte, verleidete dem stolzen Erzbischof den Aufenthalt bei Hofe; das gespannte Verhältniss Annos zum Könige war stets einem Zerwürfniss nahe. Von dem Augenblicke an, wo Anno sich in völligem Zwiespalt mit dem Könige sah, wo