Aufsatz 
Burchard II. von Halberstadt, der Führer der Sachsen in den Kriegen gegen Heinrich IV
Entstehung
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So stand Burchard in jener Zeit in Ansehn bei Hofe. Oder sollte Heinrich dem mäch- tigen Bischof diese Ehre angetan haben, um ihn bei den Gährungen im Reiche, bei den an den verschiedensten Stellen, namentlich auch in Sachsen auftauchenden vereinzelten Versuchen des Auf- ruhrs an sich zu fesseln und ihn sich zu verpflichten? Unsre Ueberlieferung gibt uns nirgends zwingenden Grund zu der Annahme, dass Heinrich Veranlassung hatte dem Bischof zu misstrauen, dass Burchard an den einzelnen Fürstenempörungen in jener Zeit, dem missglückten Aufstande des Markgrafen Teti von der Lausitz und des Grafen Adalbert von Ballenstedt im Jahre 1069,3³) an den verräterischen Umtrieben Ottos von Nordheim gegen Heinrich, die jenem im folgenden Jahre sein Herzogtum Baiern kosteten, den geringsten Anteil hatte. Noch Ende 1071 finden wir Burchard zu Goslar im Gefolge des Königs, wie aus einer am 11. Dezember jenes Jahres ausge- stellten Schenkungsurkunde hervorgeht. Und schon aus früherer Zeit her war der König dem Bischof sogar zu Danke verpflichtet für Wahrnehmung der Interessen des Reichs; war doch Bur- chard es gewesen, welcher die von Osten her beständig drohenden Wenden, namentlich den mäch- tigen Bund der Liutizen,³⁴) nach mannigfachen verunglückten Heereszügen, nach der Niederlage des sächsischen Aufgebotes, deren Nachricht den Kaiser Heinrich III. wenige Tage vor seinem Tode in der Pfalz Bodfeld traf, ¹³) nach jahrelangen vergeblichen Kämpfen des Herzogs Orqulf,³⁰⁶) nach dem grossen Wendenaufstande gegen Ende des Jahres 1066, dem Mecklenburg und sogar Ham- burg zum Opfer fielen, ³⁷) in siegreichem Winterfeldzuge 1067 auf 68 zuerst wieder in ihrem eignen Landemännlich heimsuchte, wie Bernold sagt, und so kräftig aufs Haupt schlug, dass er die Bundesstadt Rethra am Tollenser See erstürmte und das heilige Pferd des Gottes Radegast in seine Bischofsstadt zurückbrachte.¹²⁸) Freilich ob es dem kühnen Heerführer dabei ausschliesslich um das Wohl des Reiches zu tun war, ob nicht Ehrgeiz und Tatenlust die ersten Beweggründe waren, ist schwer zu behaupten; Burchards spätere Tätigkeit zeigt eben nicht viel Wärme für die wahren Interessen des Reichs; und die in Aufruhr stehenden wendischen Lande lagen ja seiner Diözese nicht gar zu fern. Die Unternehmung lässt übrigens nebenbei einen Schluss ziehen auf Burchards Stellung unter den Fürsten Sachsens. Mit den Ministerialen und Vasallen seines eignen Bistums allein konnte er unmöglich, so ausgedehnt dieses auch war, einen so gefährlichen Kriegszug wagen gegen Feinde, die wie in wildem Wogendrange sich über die ihnen mit Gewalt gezogenen Grenzen ergossen; es ist klar, dass die Fürsten des östlichen Sachsens, deren Gebiete gleich den seinigen bedroht waren, ihren Heerbann dem Bischof zur Verfügung stellen musten, dem sie die Führer- schaft überliessen. Es setzt das einen hohen Grad von Vertrauen auf der einen, von Ansehn und Einfluss auf der andern Seite voraus schon im Jahre 1067, also lange bevor Burchard die Führung gegen den König übernahm. Auch darauf mag hier kurz hingewiesen werden, dass im elften Jahrhundert kriegerische Tätigkeit der Kirchenfürsten keineswegs etwas unerhörtes war und auch in den Augen des Volks bei weitem nicht so verwerflich erschien, als man vielleicht nach der sonst gern zur Schau getragenen religiösen Gesinnung des Zeitalters annehmen sollte. Nicht nur dass die Bischöfe, seit sie durch Uebertragung von Reichslehen zugleich weltliche Fürsten ge- worden waren, bei einem Aufgebot des Reichsheeres ihren Ileerbann gleich den übrigen Reichs- fürsten dem Könige persönlich zuführten und diesem in den Krieg folgten wobei sie denn nicht immer blos mit Gebeten die Unternehmungen des Heeres begleiteten; sondern auch eigne Fehden auszukämpfen galt nicht für eines Bischofs unwürdig.

Die Lage im Reiche hatte sich geändert, seitdem 1069 Adalbert, der besonders den säch- sischen Grossen so verhasste Erzbischof von Bremen, an den königlichen Hof zurückberufen war.