Aufsatz 
Burchard II. von Halberstadt, der Führer der Sachsen in den Kriegen gegen Heinrich IV
Entstehung
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schwäbischen Geschlechts, nach Sachsen einwanderten, für die die Macht und der Einfluss der hochgestellten Anverwandten Versorgung schaffen sollten. Das ist gewiss keineswegs ein wesentlich bestimmender Grund gewesen für Burchards spätere Parteinahme, aber es mag doch mit zur Er- klärung dienen, wie er gleich anfangs schon durch Privatinteressen auf die Seite der Sachsen ge- drängt wurde.

Bei allen Nebenrücksichten aber wuste sich Burchard stets Freiheit und Selbständigkeit in seiner Handlungsweise zu bewahren, wenn es galt einen höhern Zweck zu verfolgen. Und frei- lich, gleich bei seiner ersten Handlung, die er, von der Reichsregierung berufen, in öffentlichem Dienste auszuführen hatte, lieh er zu einer eigenmächtigen Tat, die von einem revolutionären Vorgehen nicht allzu weit entfernt ist, seine Hand.

Im Juli des Jahres 1061 war Papst Nicolaus II. gestorben und von derjenigen Partei zu Rom, deren geistiger Mittelpunkt Hildebrand war, der Bischof Anselm von Lucca gewählt, der, geweiht, den Namen Alexander II. annahm. Gegen diese einseitige und willkürliche Wahl erklär- ten sich, ausser einer Gegenpartei zu Rom selbst, mit Entschiedenheit die lombardischen Bischöfe, und auf ihren Betrieb wurde auf der von der Kaiserin zur Papstwahl angesetzten Synode zu Basel der: Bischof Cadalus von Parma gewählt, eine in vielfacher Beziehung nicht ungeeignete Persön- lichkeit. Mag nun Cadalus, der über grosse Reichtümer verfügte, von diesen bei den Ratgebern der Kaiserin und bei den Italienern vorher ausgedehnten Gebrauch gemacht haben, immerhin war er der von der Regentschaft bestätigte Papst. ²³) Während nun in Jtalien der Kampf zwischen den beiden Gegenpäpsten wütete, änderten sich plötzlich im Reiche die Dinge: die Tat von Kai- serswerth entwand mit rohem, nie zu rechtfertigendem Gewaltstreich der Kaiserin die Zügel der Regierung und legte sie in die Hände der Bischöfe. Zu Augsburg wurde am 28. Oktober 1062 die Synode abgehalten, in der über Beilegung des Schisma Beschlüsse gefasst werden sollten; Anno von Köln und Siegfried von Mainz waren die Lenker der Reichsregierung. Welche beson- dere Veranlassung der Kölner Erzbischof hatte, gegen Cadalus, der nach Adams von Bremen ²⁴) Zeugniss einst zu seinen Günstlingen gehörte, für die Partei Iildebrands, mit der er gerade da- mals in gespanntem Verhältniss stand, sich zu erklären, mag hier füglich unerörtert bleiben; dass er dies aber getan, ²⁵) scheint aus der Wahl der Persönlichkeit des königlichen Abgesandten her- vorzugehn, welcher an Ort und Stelle über die Berechtigung des Papstes der Römer aburteilen und mit königlicher Vollmacht eine Entscheidung treffen sollte, sowie aus der Art und Weise, in welcher derselbe die Entscheidung traf. Der Abgesandte des Königs und der Reichsversammlung war kein andrer als Bischof Burchard von Halberstadt, der Neffe Annos. Er begab sich nach Rom, unterrichtete sich, um der Form zu genügen, über den Hergang der Wahl Alexanders, und obwohl der Bischof, welcher jenen zum Papste geweiht, zu Augsburg selber erklärt hatte:sehet, hier stehe ich selbst, der ich ihn geweiht habe, aber ich rufe Gott zum Zeugen an, dass ich dies der Gewalt weichend und gezwungen getan habe! war er von Anfang an aufs eifrigste nur für Alexander bemüht, bestätigte ihn im Namen des Königs und kehrte, nachdem er sich so seines Auftrages im Sinne Annos, aber nicht im Interesse des Reiches entledigt hatte, nach Hause zurück. Burchards Eifer für Alexander muss in der Tat ein sehr grosser gewesen sein; denn dieser sah sich veranlasst, ihn zum Danke für seine guten Dienste mit den höchsten Ehren zu überhäufen und ihm wenige Wochen nach seiner Abreise von Rom den Titel eines geliebten Sohnes(et locum et nomen filii specialis), sowie ausser andern nicht gewöhnlichen Ehrenzeichen sogar erzbischöfliche Insignien, insbesondere das Pallium zu verleihen, eine Auszeichnung, welche selbst Erzbischöfen