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Für die Geschichte dieses merkwürdigen Mannes, dessen Bedeutung von den Zeitgenossen und namentlich von Heinrich selbst nicht verkannt worden ist, und damit in weiterem Sinne für die Reichsgeschichte wollen die folgenden Zeilen einen bescheidenen Beitrag liefern. Es ist nicht unsre Absicht, ein eingehendes, zusammenhängendes Bild von dem Leben des Bischofs Burchard II. von Halberstadt zu entwerfen. Nur seine Teilnahme an den Ereignissen in den Kriegen gegen den Kaiser, worin sich vornehmlich die Bedeutung dieses Kirchenfürsten zeigt— allerdings eine Tätigkeit, oft wesentlich verschieden von der eines Bischofs und Priesters der Kirche—, werden wir in den Kreis unsrer Betrachtung ziehn. Doch wird es nötig sein, zum Verständniss der Stel- lung, welche Burchard einnahm, einige Worte über seine Lebensumstände vorauszuschicken bis zu dem Zeitpunkte, wo er, selbst tätig eingreifend, auf den Schauplatz der Geschichte tritt, sowie über die Lage des Reiches, speziell desjenigen Teiles des Reiches, in welchem Burchard seine rege und weitgehende Tätigkeit entwickelte.
Burchard, der den Namen, den er in der Reihe der Halberstädter Bischöfe führt, erst mit seiner Erhebung auf den Bischofssitz annahm— vorher hiess er Bucco, und seine Zeitgenossen nannten ihn meist auch später so, wie er denn in der Tradition des Volksmundes sich als Buke von Halverstadt erhalten hat— stammte mütterlicherseits aus dem nicht sehr angesehnen aleman- nischen Geschlechte derer von Steusslingen*); seine Mutter war eine Schwester des grossen Kölner Erabischofs Anno und des Magdeburgers Wezel; auch sein Vater war allem Anschein nach ein Schwabe von untergeordneter Herkunft, wenngleich bestimmte Angaben hierüber fehlen. Wenn sonach sein Geschlecht keineswegs zu den bedeutenderen, gräflichen oder fürstlichen, zählte, so geht doch aus allem, was wir über seine Herkunft wissen, hervor, dass er von vollfreier Geburt war, und die Worte seines Gegners Waltram von Naumburg,s) er sei von Heinrich IV.„de in- fimo loco exaltatus“, wollen nichts anderes sagen, als dass er aus untergeordneter Stellung hervor- gegangen ist. Geboren in Schwaben um das Jahr 1028,) tritt er in der Geschichte nicht hervor, bis er, kurz nachdem sein Oheim Anno 1056 auf den erzbischöflichen Stuhl erhoben war, in die kaiserliche Residenz nach Goslar berufen wurde und an der Kirche Simon und Judae, der capella imperii, die zugleich unter besonderem päpstlichen Schutze stand, ¹⁹) die Stelle des Propstes erhielt. Burchard war also in Sachsen ein Eingewanderter, und das ist von Wichtigkeit für Beurteilung seiner späteren Stellung unter den Sachsen. Die Geistlichen an den Kirchen zu Goslar nahmen eine einflussreiche Stellung ein durch ihre Verbindung mit dem kaiserlichen Hofe, der sich Goslar als Lieblingssitz erwählt hatte; und unter Heinrich III. wie namentlich Heinrich IV. giengen aus ihnen eine grosse Anzahl der mächtigsten Prälaten im Reiche hervor. Anno selbst hatte bis zu seiner Berufung nach Köln dieselbe Stelle innegehabt, welche nachher sein Neffe Burchard beklei- dete; Hezil von Hildesheim(1054— 79) war vor seiner Bischofswürde Canonicus in Goslar und als solcher königlicher Kaplan;“**) der körperlich wie geistig hochbegabte Bischof Günther von Bamberg(1057— 65) begann seine Laufbahn als Kleriker am salischen Familienstift zu Goslar, dessen Propstei er erlangte; ¹²) die Bischöfe Kraft und Benno von Meissen waren der eine. Propst, der andere Canonicus an der Kirche der kaiserlichen Residenz gewesen, ¹³) ebenso Heinrich von Speier; ¹¹) das Bistum Constanz erhielt im Jahre 1071 der Canonicus Otto von derselben Kirche; ¹⁵) Propst Robert, der Vertraute und Ratgeber Heinrichs, wurde 1075 Bischof von Bamber;¹⁶) der Canonicus Hildolf wurde, selbst mit Widerstreben der Kölner Geistlichkeit, Annos Nachfolger. ¹*) Aus so angesehener, natürlich viel begehrter Stellung gieng Burchard als Bischof hervor, und nicht unwahrscheinlich ist die Nachricht, dass seine Erhebung auf Verwendung seines mächtigen Oheims


