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sein— und beides kommt ja hier insofern auf eins heraus, als die einen sich an die andern anlehnten, die einen bei den andern Ililfe suchten und fanden. Aufgabe einer unbefangenen Ge- schichtsforschung ist es nun, all den Schmutz, mit dem Hass und Bosheit oder Unwissenheit und Beschränktheit die Person Heinrichs IV. und seine Taten besudelt haben, zu erkennen und loszu- lösen und eine historische Figur— nicht rein und strahlend, aber doch wahr und unverfälscht der Welt vor Augen zu stellen. Unbegreiflich erscheint es daher, wenn in neueren historischen Wer- ken, die, mögen sie auch nach ihrer Anlage für einen weiteren Kreis von Lesern bestimmt sein, doch darauf Anspruch machen auf der Höhe der Wissenschaft zu stehn, wie Menzels Geschichte der Deutschen, immer noch die ans unglaubliche streifenden skandalösen Geschichten, die über Heinrich IV. ausgesprengt wurden, kritiklos in die Erzählung aufgenommen werden. Es ist das ebenso verkehrt und verwerflich, als wollte man bei der Beurteilung IIildebrands sich ohne weitere Umschau auf einen Benzo von Alba beziehen, der uns ein etwas anderes Bild von dem Heiligen entrollt, als was die Patarener in ihm erblickten und die Bollandisten gezeichnet haben.— Hein- rich IV. war gewiss nicht vorwurfsfrei; sein begeistertster Lobredner, der Verfasser der Lebensbe- schreibung Heinrichs IV., weiss zu seiner Rechtfertigung nur zu sagen:„man mischte Wahres und Falsches durch einander;“ und dass namentlich seine Sinneslust— die indessen wahrlich weit ge- nug entfernt war von der Versumpftheit seines Zeitgenossen, Philipps I. von Frankreich— den Gegnern eine willkommene Blösse bot zum Angriff auf seinen Charakter, ist nicht zu leugnen. Aber das steht nicht minder fest, dass Parteifanatismus ihn und seine Anhänger nach jeder Rich- tung ins bodenlose verketzert hat.
Wie nun aber das Bild derjenigen Person, welche den Mittelpunkt der Ereignisse jener Epoche bildet, des Kaisers Heinrich IV., durch die Erzühlungen und Schilderungen zeitgenössischer wie späterer mittelalterlicher Schriftsteller vielfach getrübt und entstellt ist, wie von gleicher Vor- aussetzung aus die auf Seiten des Kaisers stehenden Männer beurteilt werden müssen, so treten uns auch die Gegner des Kaisers in der Ucberlieferung in gar verschiedenem Lichte entgegen. Während sie, je nach dem Parteistandpunkte des berichtenden Chronisten, von den einen als die edelsten, überzeugungstreuesten, von den reinsten Beweggründen getriebenen Vorkämpfer der Kirche dargestellt werden, als die rechten Gottesstreiter, die in dem Vorgehen des Papstes das wahre Heil der Kirche und in der Macht und Herrschaft der Kirche das Heil der Menschheit erblickten: sehen die andern in ihren Handlungen nichts als den Ausfluss von Hass, Selbstsucht und anderen un- lauteren Motiven. Und so sind es besonders jene drei einander nahe stehenden grossen Kirchen- fürsten, die von so weitgehender, verhängnissvoller Bedeutung für die Zeit der Kämpfe unter Heinrich IV., von so ungcheurem Einfluss auf den Gang dieser Kümpfe waren, welche schon von ihren Zeitgenossen eine sehr verschiedene Beurteilung erfuhren: ich meine Erzbischof Anno von Köln, Erzbischof Wezel von Magdeburg und Bischof Burchard von IIalberstadt. Alle drei, aus demselben Geschlechte entsprossen, stehen auf Seiten der Gegner Ileinrichs; alle drei haben durch
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ihre tätige Beteiligung an den Unruhen jener Zeit— sei es mit Waffen des Geistes oder des „.... 7 34 5„
Armes— folgenschwer eingewirkt auf die Geschicke Deutschlands, man kann sagen Europas.
Aber keiner ist unbeirrter, hartnäckiger, unversöhnlicher in der Feindschaft gegen den Kaiser ge- wesen als Burchard von Halberstadt; keiner unter den Vorkämpfern der Gegner Heinrichs hat grösseren Mut, Kühnheit und Ausdauer gehabt und dadurch bei seinen Parteigenossen grösseres Vertrauen erweckt als er:„den Zunder und die Nahrung der Zwietracht“ nennen ihn seine Feinde,⁵) „in der Sache des heil. Petrus den zuverlässigsten Mann“ seine Anhänger.⁰)


