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Die schriftliche Abiturienten-Prüfung fand am 6.— 10. Febr. statt. Von der vorgesetzten Behörde waren folgende Aufgaben gestellt:
1) Im Deutschen ein Aufsatz über das Thema: Die Stürme in der Natur vergli- chen mit den Leiden im menschlichen Leben;
2) im Lateinischen
3) im Französischen)] ein Exercitium;
4) im Englischen
5) in der Mathematik und zwar
a. in der Planimetrie: Legt man an einen Kreis eine Tangente, welche gleich dem Durchmesser ist und zieht vom Endpunkte derselben eine Secante durch den Mittel-
unkt des Kreises, so ist der äussere Abschnitt derselben die Seite des regulären ehnecks desjenigen Kreises, zu welchem die Tangente der Radius ist;
b. in der Stereometrie: Es sind zwei sich von aussen berührende Kugeln mit den Radien r und e gegeben, um welche ein gerader Kegel so beschrieben ist, dass seine Achse mit der Centralen zusammenfällt. Es soll das Verhältniss der Oberfläche dieses Kegels zu der Summe der Oberflächen beider Kugeln ausgedrückt und der constante Faktor logarithmiseh berechnet werden;
c. in der Algebra:
X2 y— Xy2= 30; X 2— XZyS= 450;
d. im Rechnen: Eine Gemeinde wünscht für ihre Kirche eine Orgel zu beschaffen, deren Kosten auf 12000 M. veranschlagt sind. Ueberdiess soll 2uslejoh ein Kapital beschafft werden, von dessen Zinsen der Organist eine jährliche Remuneration von 180 M. erhalten kann. Wenn nun die Gemeinde jedes Jahr 1600 M. zu 4 ½%ℳ Üauf Zinseszins zurücklegt, wie bald wird die Summe erreicht sein.
Auf Grund der schriftlichen Arbeiten wurden dann die Abiturionten zur mündlichen Prü- fung zugelassen, welche am 6. März unter dem Vorsitz des Herrn Provinzial-Schulrath Kret- schel und in Anwesenheit des Herrn Pfarrer Schmidt, als Commissar des Curatoriums, statt- fand; auch die Herrn Oberbürgermeister Rudolph und Professor Dr. Dohrn wohnten als Mit- glieder des Curatoriums dem Examen bei.
Die Abiturienten waren:
22. A. Malsch aus Fronhausen, geht in die Prima einer Realschule I. Ordnung. 23. L. Heuser aus Marburg, widmet sich der Pharmacie.
24. G. F. Gleim aus Melsungen, geht auf eine Realschule I. Ordnung.
25. G. Weintraut aus Marburg widmet sich dem Baugewerke.
Drei Abiturienten erhielten das Prädicat„gut“, einer„genügend“ bestanden.
Nach öfters an den Unterzeichneten gerichteten Fragen zu urtheilen, besteht noch immer unter dem Publicum eine kaum zu erklärende Unkenntnis Bezüglich der Berechtigungen, welche mit der Absolvirung des Cursus auf der hies. höheren Bürgerschule verbunden sind. Es wird daher im Interesse der Betheiligten sein, wenn hier noch einmal die resp. Berechtigungen mit- getheilt werden. Mit der Absolvirung der Abgangs-Prifung sind ausser der Berechtigung zum Einjährigfreiwilligen Militärdienst noch folgende verbunden: Ein Abgangszeugnis berechtigt 2um Civil-Supermumeriat, 2um Justiz-Subalterndienst, zum Eutritt als Postexpedlienten- Amwärter, sowie auch als Posteleve, als Sapernumerar im Steuerfach, als Apothekerlehrling, zum Stadium der Zahnheillcunde und der Thierheillcunde, zum Bureaudienst bei der Berg-, Hütten- und Salinen- Verwaltung, zum Staats-Eisenbahndienst und zur Staats-Eisenbahn- Verwaltung, zum Zeichenlehrer-Beruf, desgl. zur Markscheider- und Geometer-Prüfung. Ferner ist der Abiturient ohne weiteres Eramen zum Eintritt in die Prima einer Realschale I. Ordnung berechtigt. Mit dem erfolgreichen zweijährigen Besuch dieser Klasse erwirbt sich der Abiturient die Zulassung zu allen Stellen im Bau-, Berg-, Forst-, Steuer-, Post- und Militärfach, sowie zum Studitem der
Mathematilc, Naturwissenschaften und der neueren Sprachen auf der Universilät.


