Aufsatz 
Die politischen Beziehungen zwischen den Fürsten von Brandenburg und Hessen-Kassel bis zum Anfange des dreissigjährigen Krieges nach archivalischen Quellen dargestellt / von Gustav Wachenfeld
Entstehung
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Unionstage zu Heilbronn(14. September 1614), Sachsen noch einmal zum Eintritte in die Union einzuladen; aber wieder vergeblich.

Der körperlich und geistig entnervte Kaiser Matthias wurde immer mehr das Werk- zeug der das ganze österreichische Haus beherrschenden Jesuitenpartei und willigte ein, daß sein von Jesuiten erzogener und geleiteter Vetter Ferdinand von Steiermark sein Nachfolger in Böhmen und Ungarn, sowie auf dem Kaiserthrone wurde. Selbst protestantische Fürsten, wie der Kurfürst von Sachsen und der Landgraf Ludwig von Hessen-Darmstadt, wurden für diesen Plan gewonnen.

Kurbrandenburg trat zwar, da es den immerwährenden Geldforderungen zur Zeit seiner eigenen Not und Verlegenheit nicht gerecht werden konnte, von der Union zurück(1617), blieb aber in vertrauter Korrespondenz mit den Mitgliedern derselben, namentlich mit dem Landgrafen Moritz, der den Kurfürsten nicht nur mit seinem Rate zu unterstützen fortfuhr, sondern ihn auch in ein engeres Bündnis mit dem durch seine Kriegsthaten gegen Dänemark, Polen und Rußland schon berühmt gewordenen Könige Gustav Adolf von Schweden brachte und des letzteren Vermählung mit der brandenburgischen Prinzessin Marie Eleonore vermittelte. An eine thätige Hülfe konnte der damals von seinen eigenen Ständen und von Darmstadt be- drängte Landgraf gar nicht denken, aber er förderte durch seinen Rat und seinen Einfluß doch das brandenburgische Interesse, wie und wo er nur konnte.

Am Rheine standen die Truppen der Spanier und der Niederländer noch unthätig einander gegenüber, da der Kaiser die Thronprätendenten nach Wien beschieden hatte und die Staaten den Waffenstillstand mit Spanien nicht brechen wollten. So blieb es vorerst bei dem Vertrage zu Xanten, bis die unausbleiblichen Kriegswirren zwischen Spaniern und Holländern die Jülichschen Stände veranlaßten, sich an den Kaiser zu wenden, der durch Tilly die rheinischen Lande sequestrieren ließ¹).

Im fernen Böhmen waren inzwischen Unruhen ausgebrochen, welche nach und nach ganz Deutschland, ja ganz Europa in Aufregung brachten und das Signal zum Ausbruche des greulichsten aller Religionskriege wurden.

Kurz nachher(23. Dez. 1619) starb Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg, mit welchem Landgraf Moritz stets in dem engsten und herzlichsten Verhältnisse gestanden hatte. Wie über unser ganzes deutsches Vaterland, so kamen auch über Brandenburg und Hessen durch den dreißigjährigen Krieg gar trübe und traurige Zeiten, welche alles, was die Vorfahren mit Mühe aufgebaut hatten, wieder vollständig vernichtet haben würden, wenn dem Kurstaate nicht im großen Kurfürsten und der Landgrafschaft Hessen-Kassel nicht in der ihm

nahe verwandten großen Landgräfin Amalie Elisabeth die rechten Retter in der Not er- schienen wären.

Resultat.

Die politischen Beziehungen zwischen den Staaten Brandenburg und Hessen-Kassel bis zum Jahre 1618, welche in jenen Zeiten noch ganz mit denen ihrer Fürsten zusammen-

¹) Droysen II, 2 S. 640 und 641.