Aufsatz 
Isokrates und der am Schluss von Platon's Euthydem gezeichnete Rhetor / von Leopold Waber
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Schrift eines Schülers des Isokrates, nämlich den τ‿ς Aptororsxn, 2vtrpaρα des Kephisodoros, während nach dem Zeugnisse des Aphareus in der Rede τρος Meſaneioy keine Gerichtsreden von unserem Redner verfasst worden sein sollen. Dionysius lässt das Zeugnis des Kephisodoros gelten und mit Recht; denn Isokrates selbst blickt später auf seine ge- richtlichen Reden als auf eine untergeordnete Thätigkeit herab und er suchte sich Ruhm in einem Fache, das seinem Talente und Sinne mehr zusagte, nämlich als Lehrer und als Epideiktiker.

In der Rede εορε υνι⁶εαιςα cap. 18. werden die Verfasser rheto- rischer Lehrbücher getadelt, weil sie ihre Theorie nur für das duαασον Tevos einrichten und Unterricht im Processieren(druεeat) zu geben versprechen, dem Schlimmsten, was man sich denken könne; es müsse aber dieselbe Theorie auch das höhere, das bp Bobxebthov[svos um- fassen.

Uebrigens muss auch seine Lehre nicht viel über das, was frühere geleistet haben, hinausgegangen sein, da Aristoteles denselben Vorwurf auch seinen Vorgängern macht, also den Isokrates, jedenfalls den be- deutendsten unter ihnen, mit einschließzt. Das eigentliche Verdienst des Isokrates beruht in der Lehre des Stils, er hatte ein entschiedenes Genie für die Kunst der menschlichen Rede, und man kann ihm, wenn man seine Perioden liest, glauben, dass diese bei dem für solche Schönheiten höchst empfänglichen athenischen Publicum eine wahre Begeisterung hervorriefen und Freunde, wie auch Feinde zur Nachahmung anregten.

Im Eingange des Panathenaicus, welche Rede er, wie schon oben erwähnt, im höchsten Alter vollendete, äußerte er sich über die Ver- änderungen in seiner Schreibweise,«er habe», sagt er,«in jüngeren Jahren nicht Darstellungen nach Art der Sophisten, aber auch nicht schmuck- lose Gerichtsreden nach Art der Logographen zu verfassen geliebt, sondern ernste Reden praktischen Inhalts, voll Gedanken und nicht mit wenigen Antithesen und anderen Figuren geschmückt, jetzt aber habe er das aufgegeben. In seinen Jugendarbeiten mag er als Schüler des bewunderten Gorgias diese und andere dem Meister beliebte Figuren noch fleißiger angewendet haben; man trifft sie auch noch häufiger in den Arbeiten seines reiferen Alters, im Panegyricus, im Euagoras(cap. 44 46), und in den Paraenesen, wie Rede 2 und 3, immer jedoch dort, wo die Figuren der Natur des Gedankens und dem gehobenen Tone dienen. In späteren Reden ermäßigt er diesen Schmuck noch mehr. Wenn nun Isokrates mit Vermeidung des bloßen Spielwerkes dem Ernste der höheren Geschäftsrede nahe kam, so blieb er doch auch da, wo er als Rathgeber spricht, also im symbuleutischen Gewande auftritt, streng im Charakter der epideiktischen Rede.

2 G