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lich befangen ist. Zwar will er über dem, was ihm Wissen und wissen- schaftliches Streben ist, die Bildung des Charakters nicht vernachlässigt wissen. Gleichfalls in der Rede an Demonikos sagt er cap. 2.:«Diejenigen aber, welche den Jüngeren Anleitung geben, nicht wodurch sie die Stärke im Reden üben, sondern wie sie in Rücksicht auf die Beschaffen- heit ihres Charakters als brave Menschen erscheinen werden, nützen ihren Zuhörern um so viel mehr als jene, als die einen sie zur Bered- samkeit auffordern, die andern ihren Charakter verbessern.
Wiederholt legt er als Cardinaltugenden bald Bescheidenheit, Ge- rechtigkeit und Mäßigung, bald Tapferkeit, Weisheit und Gerechtigkeit ans Herz; dass aber nach Platon erst durch die Erkenntnis des Guten auch die wahre Erkenntnis und der wahre Besitz jener Charaktertugenden bedingt wird, davon hat Isokrates, wie es scheint, kaum eine Ahnung; denn von allen speculativen Wahrheiten gibt es für ihn überhaupt kein Wissen, sondern nur Vermuthungen(568), allein schon Stärke im rOeedat und zwar bloß τοο 9OS sei ein Zeichen der Bildung (Panathen. cap. I1. und xspi sipihvn« cap. I1.)
Die Gestaltung der Rede und die Wahl der je nach dem Inhalt wechselnden Formen(155 1), auf deren Beachtung er viel Gewicht legt, setzt ein vielfältiges Nachdenken und Durcharbeiten des Stoffes bei seinen Schülern voraus, durch welches das Wissen erweitert, wohl auch vertieft wird. Von seiner Methode und seinem Zwecke dabei gibt er einen Begriff in der Rede xενò ie yriso- cap. 180—194. Der Ein- wirkung solcher Uebungen auf die sittliche Bildung war er sich wohl bewusst; da, wer Reden verfertigen wolle, die des Lobes wert seien, sich mit großen und würdigen Gedanken befassen und an ihre Be- trachtung sich gewöhnen müsse. Wohlredenheit und Weisheit werde er dann für alle Gegenstände gewinnen und sich gegenwärtig halten, wie viel der Ruf und die Tretflichkeit des Charakters zur Hervorbringung der Ueberzeugung vermögen(xspt rs dvriεοαειαιςα cap. 276. ff.)
Durch die Festhaltung eines würdigen Zieles allgemeiner und viel- seitiger Ausbildung sucht er sich von den Nντμ⁴αρι zu unterscheiden, die nur advocatische Geschäftsrednerei— zu jeglicher Zeit bestens ge- hasst— im Auge hatten. Bei Cicero(Brut. p. 48.) findet sich eine Notiz des Aristoteles, nach welcher Isokrates zuerst ebenfalls als Logo- graph gerichtliche Reden für andere schrieb, als er aber infolge dessen Verdruss hatte, es aufgab und sich ganz aufs Lehren und die epideiktische Gattung verlegte. Die gerichtlichen Reden des Isokrates waren zum Theile Muster- und Uebungsstücke für die Schule, wahre Gerichtsreden hat er nur wenige geschrieben. Dies entnehmen wir, wie Dionysius von Halikarnass in seiner Beurtheilung des Redners cap. 18. angibt, aus der


