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lsokrates' Ansicht von der Sache ist nach alledem von der Ober- fläche geschöpft, und man sieht, wie fremd Isokrates als Lehrer der Beredsamkeit dem Kreise der Sokratiker geworden ist.—
Unter den Alten spricht vielleicht kaum einer so viel vom«σι⁸νεiεtv,» als Isokrates. Er rechnet sich mit Vorliebe zu denen, die sich mit dem «Bilden» und, wie er besonders gern hinzusetzt, dem«Philosophieren» befassen. Seine eigenen rhetorischen Studien gibt er beständig für Philo- sophie aus, sich selber und seine Schüler bezeichnet er als die wahr- haft Philosophierenden(roòs ν νρορπᷣ ra.) S0 z. B. sagt er in der Rede an Demonikos cap. 2. zοει ο⁶¶qou In 0ts, ½ ros οh Oeꝛq ṽR ⁊ṽUM⁰2n⁰ eavo, e, ebenso in der Rede an Nikokles cap. 1., vom Frieden cap. 2.; Tεi ³αντυινσεαςα cap. 16. setzt er die spt raꝓς diMas⁵ Xaνμννοο μενν den rεp t7 ραιοπειαν αάνορονεεςα entgegen.
Zu der speculativen Philosophie jedoch, in deren Fragen er sich nirgends vertieft hat, bildet die von ihm vertretene, als philosophierend bezeichnete Richtung den directen Gegensatz.
Nirgends lässt er sich, wenn er auch in seinen Vorträgen Fragen aus der praktischen Philosophie berührt, auf Erforschung der Principien oder auf dialektische und methodische Feststellung von Begriffen ein, sondern setzt im Streben nach Gemeinfasslichkeit ohne nähere Be- gründung nur eben diejenigen ethischen Vorstellungen und Begriffe voraus, die etwa im Volke galten. Als Ausgangspunkt der Lehre des Isokrates dürfte der von ihm aufgestellte Begriff wahrer harmonischer Bildung hervorzuheben sein, deren rein äußerlich gehaltene Definition alledem, was auf gleichem Gebiete Platon und Aristoteles gelehrt, einigermaßen schroff gegenübersteht.
Im Panathenaicus cap. 1I. bezeichnet Isokrates als Gebildete die- jenigen, welche sich in den Verhältnissen des Lebens mit Anstand zu benehmen und in den meisten Fällen ein gescheites Urtheil abzugeben wissen. Weil es den Menschen nicht gegeben sei, das Wissen von allem zu haben, in jedem einzelnen Falle zu wissen, was man thun oder sagen müsse, so gebe es auch keine vollkommene nοi, sondern nur eine praktische Klugheit, die eigentlich 6νeνa, daher seien bloß die- jenigen wahrhaft«weisen(xe*- ³y& 271 ff.), welche meistens das Richtige zu treffen vermögen, und nur diejenigen als«Philosophen» an- zusehen, welche sich mit dem beschäftigen, wodurch sie am schnellsten eine richtige Einsicht in diese οꝙοœ erlangten.


