Aber so sehr Isokrates für die Verwirklichung seiner Idee einge- nommen erscheint, ebenso fehlte es ihm offenbar, wie bereits früher angedeutet wurde, vor allem an dem politischen Tiefblicke, der allein seinen Mahnungen Nachdruck und Einfluss verschaffen konnte. Er zeigt die wohlwollendste Gesinnung, räth überall zur Eintracht und zum Frieden, lebt der Hoffnung, dass jeder Staat seine übermäßigen An- sprüche aufgeben, seine unterwürfigen Bundesgenossen frei lassen, sich ihnen völlig gleichstellen werde, und dass doch aus diesem aufgelösten Zustande große Unternehmungen gegen die Barbaren hervorgehen würden.
Und doch konnte nur durch eine mächtige Hand, welche die ver-
schiedenen Staaten Griechenlands und deren widerstrebende egoistische Gesinnungen durch Strenge und Gerechtigkeit zusammen zu halten wusste, ein Zug gegen Persien ermöglicht werden. Solange diese sich gleich standen, vernichtete kleinliche Eifersucht jeden derartigen Versuch, und nur die gutmüthige Beschränktheit konnte von der Möglichkeit eines Erfolges träumen. Nirgends zeigt sich bei Isokrates eine klare und genau begründete Vorstellung von den Maßregeln, durch welche Griechenland dem goldenen Zeitalter von Einigkeit und Harmonie zugeführt werden könne, namentlich von den Rechten der Staaten, die dabei respectiert, und den Ansprüchen, welche dagegen entschieden abgewiesen werden müssten. In der Rede vom Frieden, welche in den Bundesgenossenkrieg der Athener hineinfällt, räth er den Athenern im ersten Theile, die rebel- lischen Inselstaaten frei zu lassen, im zweiten spricht er den sonder- baren Gedanken aus, die Athener sollten ihre Secherrschaft aufgeben, die ihr und anderer Unglück sei, à* dæαμα a νυπκαν. Im 21. cap. der Rede arsb? rhs eighvns» schreibt er nämlich: Ero 1à IOSHat va r“ oNt JAs Ahisrwoy dixhes, at Be«los adoe eee, dl s drdοας aς dess ονεοοιυ, O ε ε ας õàm⁹ α απτ‿ι ννλαοαν 51d,DvTSg. Aörn Td 20w, J 1o vO es raa s arAeaA el y dnbonatiav Esb,] aαeάανα,, 7 oi IO704 EGvt= 455A,v:ron rey EXy Jy d. c. X.(ich glaube nämlich, dass wir den Staat besser verwalten, und selbst besser sein, und in allem unseren Thun vorwärts kommen werden, wenn wir aufhören, nach der Herrschaft auf dem Meere zu trachten. Denn sie ist es, die uns jetzt in diese Verwirrung bringt, und jene Volksherrschaft stürzte, unter welcher unsere Vorfahren als die glücklichsten unter den Griechen lebten u. s. w.)
Indes meint er damit nichts anderes, als dass die Athener ihren Hochmuth und Unterjochungsgeist bezähmen, und die gleiche Berechti- gung anderer zur Freiheit thatsächlich anerkennen sollten. Isokrates ist ein recht und billig denkender Mann, jedem Uebermaße und Uebergriffe


