Aufsatz 
Isokrates und der am Schluss von Platon's Euthydem gezeichnete Rhetor / von Leopold Waber
Entstehung
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Bei vielen seinen Compositionen, besonders bei denen, welche die allgemeinen Angelegenheiten von Hellas betrafen, rechnete Isokrates auf .jein ausgedehnteres Publikum, als seine Schule, und die literarische Ver- breitung durch Abschriften verschaffte ihm mehr, als es die Rednerbühne und Oeffentlichkeit imstande war, einen weit hinaus reichenden Wirkungs- kreis. Isokrates hätte auf diese Weise aus dem Schatten seiner Schule auf sein Vaterland, das dem furchtbaren Macedonier gegenüber sich noch immer in inneren Zwisten abarbeitete, oder in Trägheit erschlaffte, sehr heilsam wirken können; und in der That ist in seinen literarischen Productionen, die er bald an die gesammten Hellenen, bald an die Athener, bald an Philipp, bald an noch entferntere Potentaten richtet, ein Streben nach diesem Ziele nicht zu verkennen; auch bemerkt man einen gewissen Freimuth, so sagt er in dem neunten Briefe an Archi- damus c. 6. 7., obgleich er angesehen, dass es leichter wäre, das Ge- schehene mit Fülle abzuhandeln(xspxν εοννν εεννεμέκνν ετωέεμς εεναμννν), als über das Zukünftige mit Verstand zu sprechen(xsò τνν vv vObvSI6yG Slxsbo); dann, dass alle Menschen denen größern Dank wissen, welche sie loben, als denen, welche ihnen rathen;(denn jene nehmen sie als wohlwollende gerne an, diese aber, wenn sie ungeheißen sie ermahnen, halten sie für lästige Menschen), so habe er doch, ob- gleich er dies alles vorher gewusst, dessen, was nach Gefallen geredet würde, sich enthalten und er wolle über Dinge sprechen, worüber wohl kein anderer es wagen dürfte, weil er glaube, diejenigen, welche auf Tüchtigkeit und Klugheit Anspruch machen, müssten nicht die leichtesten, sondern die mühevollsten Stoffe zu Reden sich wählen, und nicht die, welche den Zuhörern am angenehmsten sind, sondern die, durch welche sie ihren eigenen Staaten und den anderen Griechen nützen würden, und auf solche habe er sich eben jetzt geworfen.

An einem großen politischen Gedanken zerrte, wie Leonh. Spengel sich ausdrückt, des Isokrates ganzes Leben, ohne dessen Verwirklichung, die bald seinem Tode folgte, selbst mitanschauen zu können. Die innere Zwietracht und Uneinigkeit der hellenischen Stämme machte in ihm den Gedanken rege, dass, wenn die Griechen ihren kleinlichen Hader unter einander aufgeben und sich gegen den Nationalfeind, die Perser, wenden würden, sie dort reichlichen Ersatz fänden, ganz Asien ihnen zu Gebote stände, und das höchste griechische Ideal der eddaεννοd erlangt werden könnte.

Durch die Züge des Kyros und Agesilaos war den Griechen der innere Verfall und die Ohnmacht des Perserreiches klar geworden, so dass der Gedanke selbst nicht als neu und durch ihn entstanden be- trachtet werden kann, da Gorgias lange zuvor dieselbe Idee in Reden zu verbreiten gesucht hatte.