Aufsatz 
Die fossilen Wirbelthiere : Eine paläontologische Studie
Entstehung
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deutlich ausgebildet, ſondern ſind verkrüppelt zu den ſogenannten Kaſtanien, den beiden knolligen Verdick⸗ ungen hinten oben, rechts und links am Fuße. Den zahlreichen Reſten nach zu ſchließen, gab es in der Diluvialzeit bei uns zahlreiche wilde Pferde; in Heerden ſchwärmten ſie umher, wie heute die vielen Tau⸗ ſenden von verwilderten Pferden in den weiten, grasreichen Steppen Südamerikas.

Die Wiederkäuer endlich finden ſich in einiger Entwicklung zuerſt im mittleren Tertiär und ziehen ſich bis in die Jetztzeit, Ochſen, darunter der Bos primigenius, der Vorläufer unſeres Hausrinds, Schafe, Ziegen, Antilopen, Hirſche, darunter Rennthiere und Elennthiere, auch Moſchusthiere bevölkerten unſere Wälder mit Formen, die den jetzt lebenden nahe verwandt waren. So war denn in jener Zeit für Wildpret geſorgt, aber auch an Jägern hat es nicht gefehlt, die Raubthiere fanden ihren Tiſch gedeckt. Die erſten Fleiſchfreſſer treten allerdings ſchon zugleich mit den zahlreichen Dickhäutern im unteren Tertiär auf, in größerer Menge aber finden ſie ſich erſt im mittleren Theile dieſer Formation, wo ſie, ein Gegengewicht gegen das Ueberhandnehmen der Dickhäuter⸗ und Wiederkäuerfleiſchmaſſen, das Feſtland beherrſchen und durch ihr Vorwalten einen Fortſchritt in der Entwicklung der Säugethiere bekunden. Von da ziehen ſie ſich in die Jetztzeit, von den zahlreichen Arten aber, die früher bei uns gelebt haben, ſind viele ausge⸗ ſtorben, andere aber ausgewandert. Hyänen, Hunde und gewaltige Katzen hauſten bei uns und die ver⸗ wegenen Raubzüge, die einzelne Tiger aus Hochaſien zeitweiſe nach Sibirien unternahmen, erinnern uns noch daran, daß dieſe Beſtien nicht nur vor dem kälteren Klima aus unſeren Gegenden gewichen ſind, ſondern vor einer anderen Kraft, der Kraft, die ſich im Menſchen verkörpert die Kultur hat die reißenden Thiere, wie auch ſo manche Vertreter an erer Ordnungen, aus unſeren Ge⸗ genden vertrieben.

Deutſchland war von jeher das Land der Bären, in vorgeſchichtlicher aber gewiß noch mehr als in geſchichtlicher Zeit. So war namentlich in der Diluvialzeit der Höhlenbär ganz allgemein bei uns verbreitet. In der Größe kam dieſes Thier etwa dem amerikaniſchen Ursus ferox gleich, die Reſte deſſelben, Knochen, Zähne, ganze Skelete werden in außerordentlicher Häufigkeit in mit diluvialem Lehm gefüllten Höhlen gefunden und daher der Name dieſes Raubthieres.

Von den übrigen Ordnungen der Säugethiere ſind die vorweltlichen Edentaten in weiten Kreiſen be kannt. Sie finden ſich vereinzelt ſchon in Tertiärſchichten, in großen Mengen aber im Diluvium des ame⸗ rikaniſchen Kontingents, wo auch heute noch ihre im Vergleich zu ihnen zwerghaften Nachkommen ihr aben⸗ teuerliches Leben friſten. Die Faulthiere des Diluviums, die Megatherien und Mylodonten, waren ge⸗ waltige Koloſſe von Mammuthsgröße. Sie konnten alſo wohl nicht, wie der ſüdamerikaniſche Ai, ihren Aufenthalt auf Bäumen finden, ſondern ſie richteten ſich mit ihren gewaltigen Pranken an den Stämmen auf, wobei ihnen der Schwanz als Stütze diente, und wahrſcheinlich zogen ſie vermöge ihrer Vordertatzen, oder vielleicht auch mit Hülfe einer Greifzunge, wie ſie der Giraffe eigenthümlich iſt, die Zweige zu ſich herab, von deren Laub ſie lebten. Ganz über alles gewöhnliche Maß hinausgehend waren auch die vor⸗ weltlichen Gürtelthiere, die Glyptodonten, von der Größe eines Ochſen und verſehen mit einem koloſſalen Schildkrötenpanzer.

Von den übrigen Ordnungen der Säugethiere, die übrigens alle foſſile Vertreter haben, wollen wir nur die höchſte Ordnung, die der Affen, noch erwähnen. Im älteren Tertiär ſind von ihnen nur wenig Spuren vorhanden, aber in der oberen Abtheilung dieſes Gebirges finden ſich ihre Reſte häufiger und merkwürdiger⸗ weiſe hat man deren auch in Deutſchland gefunden, ſodaß alſo in der Vorzeit auch unſere Wälder durch das bewegliche Klettervolk der Affen belebt waren und zwar von Arten, die dem menſchenähnlichen Gorilla nicht fern ſtanden. Die in Württemberg gefundenen Zähne derſelben wurden lange Zeit geradezu für Men⸗ ſchenzähne gehalten, bis weitere Funde dieſe Anſicht als irrig erkennen ließen.

Seinem Körper nach können wir den Menſchen vom Thierreich nicht trennen, er iſt, ſo hoch er auch intellektuell über dem Affen ſteht, durch die tiefgreifendſten Merkmale der Organiſation dieſem Thiere doch nahe verwandt. Die Frage nach dem erſten Auftreten des Menſchen iſt ſchon alt. Cs wurde bereits oben da⸗ rauf hingewieſen, daß die Mammuthknochen für die Gebeine vorweltlicher Rieſen gehalten worden ſind. Es wurde auch auf den vorſündfluthlichen Menſchen Scheuchzers hingewieſen, in dem die Forſchung das Skelet eines Rieſenſalamanders erkannte. Bis vor 20 Jahren haben ſich keine, mit Sicherheit als ſolche beſtimm⸗ baren Reſte des Menſchen gefunden und es galt deshalb als ausgemacht, vorweltliche Menſchengebeine gebe es nicht. Indeſſen haben neuere Funde dieſes Reſultat doch weſentlich modificirt. Man fand in zweifellos diluvialen Schichten Menſchenknochen zugleich mit denen vom Mammuth und Höhlenbären, ſodaß alſo der Menſch mit dieſen Rieſen ſchon zuſammengelebt hat. Sogar in den oberſten Tertiärablagerungen will man Spuren des Menſchen gefunden haben. Sei dem nun wie ihm wolle, mag er mit dem Mammuth und