Aufsatz 
Die fossilen Wirbelthiere : Eine paläontologische Studie
Entstehung
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dieſem Rieſen unter den Vögeln die gewaltig großen Vogelfährten aus dem Buntſandſtein zuzuſchreiben ſind. Von dieſen Thieren kennt man auch foſſile Eier, ſonſt eine ſehr große Seltenheit, die be⸗ greiflicherweiſe die Größe der Straußeneier bei weitem übertreffen. Ja, die Eier erreichten bei einer Art einer verwandten Gattung eine ſolche Größe, daß ſie ſechsmal ſo viel Inhalt gehabt haben ſollen, als die größten Straußeneier. So ſind denn dieſe Thiere, die doch wenigſtens zum Theil noch mit uns gelebt haben, ganz ausgeſtorben, oder beſſer, durch Menſchenhand ausgerottet, weil ſie ſchöne und weiche Federn beſaßen, ein Dangergeſchenk, dem ſo mancher gefiederte Organismus auch in unſeren Tagen noch zum Opfer fällt. Zum Theil ſind ſie vielleicht auch dem Nahrungsmangel der Eingeborenen jener Inſeln, auf denen ſich die Ueberreſte derſelben gefunden haben, erlegen, ein Loos, dem der auſtraliſche Strauß wohl auch über kurz oder lang verfallen wird.

Unter den Säugethieren iſt die niedrigſte Ordnung diejenige der Beutelthiere, die ihre Jungen ganz unvollkommen und unreif zur Welt bringen. Sie tragen dieſelben bis zu ihrer vollſtändigen Ent⸗ wicklung in einer am Bauche hängenden, durch zwei beſondere Knochen geſtützten Hautfalte; dieſen Ort verlaſſen die letzteren, feſt an die Zitzen angeſogen, erſt, wenn ihre Glieder zur vollſtändigen Entwicklung gekommen ſind und es iſt von der Arneasratte bekannt, daß ſie ihre reifen Jungen, die ſich mit ihren Schwänzen an den der Mutter anklammern, auf dem Rücken trägt, um ſie in die unbekannte Welt ein⸗ zuführen, daß dieſe aber bei einer herannahenden Gefahr ſchnell in den Schutz des mütterlichen Leibes zu⸗ rückkehren. Aus dieſer Ordnung ſtammen die älteſten, mit Sicherheit bekannten Säugethiere, das der Beutelratte verwandte Phascolotherium Bucklandi, von dem man eine mit Zähnen beſetzte Kinnlade aus dem mittleren Jura kennt. Zwei kleine Zähne, die man Säugethieren zuſchreibt, ſind auch ſchon aus der oberſten Abtheilung des Keupers bekannt. Man will ſogar auch die Fährten des Buntſandſteins zum Theil einem Beutelthier zuſchreiben. Genannte Zähne rühren wahrſcheinlich auch von einem Beutelthier, vielleicht auch von einem kleinen inſektenfreſſenden Raubthier her. Erſt im Tertiärgebirge mehren ſich die Ueberreſte von Säugethieren; von hier kennt man Zähne, Kiefer, Wirbel, Knochen, a ganze Skelete. Seit den vereinzelten Beutelthieren des Jura haben die Säugethiere fortwährend an Arten, Gattungen, Familien und Ordnungen zugenommen. Es ſind immer neue Formen hinzugekommen, während anderer⸗ ſeits in geringerer Zahl auch fortwährend andere dem Kampfe ums Daſein erlegen und ausgeſtorben ſind, bis ſie heute in größter Zahl und höchſter Formentwicklung ſich in allen drei Medien feſtgeſetzt haben, insbeſondere aber das Feſtland beherrſchen.

War es nun bei den Vögeln unſere verhältnißmäßig geringe Kenntniß derſelben, die einen Blick auf die Entwicklungsgeſchichte derſelben verbot, ſo fällt bei den Säugethieren dieſes Hinderniß fort, aber die Zeit von dem erſten Auftreten derſelben in größerer Menge bis zur Jetztzeit, alſo vom Tertiär bis heute, iſt zu kurz, als daß man hoffen könnte, bei der großen Zahl der Ordnungen ihre hiſtoriſche Ent⸗ wicklung ſpecieller aufzuſinden. Im allgemeinen freilich ſcheint auch hier ein Hinweis auf eine Entwick lung vom niederen zum höheren Typus deutlich ausgeſprochen zu ſein, in dem Umſtand, daß die Beutel⸗ thiere den Reigen derſelben eröffnen, daß in dem älteren Tertiär die niedrig ſtehenden Dickhäuter vor⸗ herrſchen, während in der mittleren Abtheilung dieſer Formation die Raubthiere beſonders hervortreten und in der oberen Abtheilung erſt die Affen in anſehnlicher Zahl ſich zeigen.

Das dreizehige, tapirähnliche Palaeotherium und das zweizehige, ſchlankere Anoplotherium ſind von den älteſten Hufthieren die bemerkenswertheſten. Beide Gattungen ſind ausgeſtorben, ihre Reſte fin⸗ den ſich in dem unteren Theile des Tertiärgebirges. Man hat dort, namentlich im Gypſe des Mont⸗ martre, ſo wohl erhaltene Skelete gefunden, daß Cuvier im Stande war, ſogar den Körperumriß dieſer Thiere zu reconſtruiren. Es ſind weder Zwei⸗ noch Vielhufer, wohl aber eigenthümliche Formen, die, was Ausbildung des Gebiſſes und Bildung des Fußes angeht, bald mehr dem Typus der einen, bald mehr dem der anderen Ordnung zuneigen, ſodaß wir, was ihre Bedeutung für die Entwicklungsgeſchichte angeht, dieſelben etwa den merkwürdigen Miſchformen der Saurier an die Seite ſtellen möchten. Sie waren für die drei Ordnungen der Hufthiere, im engern Kreiſe der Säugethiere, etwa das, was die drei aus⸗ geſtorbenen Saurierordnungen für bie Vögel und Säugethiere waren. Das dreizehige, tapirähnliche Pa- laeotherium weiſt auf einen nahen Verwandtſchaftsgrad zwiſchen Elephant, Nashorn und Pferd hin, wir ſehen in ihm eine Mittelform mit Rhinozeroszähnen, die aber hauptſächlich nur die mittlere Zehe zum Auftreten benutzte, wie es das Pferd thut. Das ſchlankere, langgeſchwänzte Anoplotherium, der Vorläufer der Wiederkäuer, nähert dieſe dem Nilpferde und Schweine, ſo daß auf dieſe Weiſe auch eine Mittelform zwiſchen den Wiederkäuern und Vielhufern gegeben iſt, ein Weſen, welches ſeine dickhäuteriſche Natur hinter der ſchlanken Geſtalt einer Gazelle verbarg. Wir erkennen ſomit die nahe, durch Zwiſchenglieder