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will man gefunden haben. Wir wollen uns daher auch einer ſpeziellen Erläuterung dieſer Weſen enthalten und abwarten, ob nicht vielleicht, was ja gar nicht unwahrſcheinlich iſt, im Buntſandſtein noch Harttheile gefunden werden, die eine genauere Kenntniß dieſer räthſelhaften Weſen ermöglichen. Das aber wollen wir hier feſthalten, daß die erſten Spuren von Vögeln ſich im Buntſandſtein finden, alſo geraume Zeit nach dem Auftreten der erſten Reptils.
Man kennt im Ganzen von den Vögeln nicht viel foſſile Ueberreſte, und das ſteht im Zuſam— menhang mit ihrem Bau. Zähne, die uns bis hierher ein ſo vorzügliches Merkmal boten, fehlen ihnen, und die Knochen ſind wegen der Luftgänge nicht ſo dauerhaft als die anderer Thiere. Zugleich iſt auch ihr Luftleben der Erhaltung ihrer Reſte durch Niederſchläge im Waſſer nicht günſtig. So ſehen wir denn in der ganzen Zeit vom Buntſandſtein bis zum oberen Jura keine Spur eines Vogels. Erſt hier wurde anfangs der ſechziger Jahre im lithographiſchen Schiefer von Solnhofen ein ziemlich vollſtändiges Skelet des berühmten Archaeopteryx lithographica gefunden. Kopf, Hals und Bruſtbein fehlt allerdings, was aber da iſt, das iſt ſo charakteriſtiſch, daß man die Eigenart des Thieres wohl zu erkennen vermag. Bei der höchſt merkwürdigen, von dem Bau aller lebenden Vögel ganz abweichenden Organiſation des Archae- opteryx konnte es nicht ausbleiben, daß dieſes Weſen weit über die Grenzen unſeres Vaterlandes hinaus bekannt und in zahlreichen Abbildungen und Gypsmodellen angeſtaunt wurde. Der Archaeopteryx iſt ein Vogel mit durchaus abweichender Schwanzbildung. Die Wirbelſäule iſt, was bei den Vögeln ſonſt gar nicht wieder vorkommt, wie bei den Reptilien ſtark verlängert, ſo daß wir uns alſo unter dem Archae- opteryx einen Vogel mit einem Eidechſenſchwanz zu denken haben. Das Thier iſt durchaus befiedert ge⸗ weſen, und auch der Schwanz war rechts und links, paarweiſe mit ſtarken Hauptfedern verſehen. In der Beſchaffenheit der Federn, im Bau des Flügels und der Füße zeigte das Thier eine gewiſſe Aehnlich— keit mit den hühnerartigen Vögeln. Wenn wir daher früher in dem Pterodactylus ein Reptil mit Hin⸗ neigung zur vollendeten Organiſation des Vogels ſehen, ſo erkennen wir in dem Archacopteryx einen vollendeten Vogel, der die Spuren ſeiner Herkunft nicht ganz verläugnen konnte und als ein warmblutiges Thier den mit Federn beſetzten Schwanz eines Kaltblüters mit ſich durch die Lüfte trug. Beſagter Schwanz hat ein doppeltes Intereſſe, einmal, weil er uns die Verwandtſchaft zwiſchen Reptilien und Vögeln direct vor Augen führt und auf den Weg hindeutet, den die Natur, bei der Erzeugung immer vollendeterer Weſen einſchlug. Dann aber auch deshalb, weil nach Owens Unterſuchungen bei dem Embryo der Vögel der Schwanz vielwirbeliger ſein ſoll, als bei ausgewachſenen Thieren. Es würde uns alſo die Lang⸗ ſchwänzigkeit ein Kennzeichen niederer Vogelentwicklung ſein, und wir hätten in dem Archaceopteryx nicht nur ein Bindeglied zwiſchen den Reptilien und den Vögeln überhaupt, ſondern, was mit der Theorie ſo trefflich im Einklang ſteht, mit den niedrigſt entwickelten, jetzt ganz ausgeſtorbenen, langſchwänzigen Vögeln zu ſehen. Wir brauchen nur hinzuweiſen auf die von einer Furche begleiteten Fährten im Buntſandſtein, um der Vermuthung Raum zu geben, daß die unbekannten Vögel aus jener Periode vielleicht Vögel waren, die auf ſehr tiefer Stufe der Entwickluug ſtanden, daß ſie langſchwänzig waren. Wenn ſich die Angaben über die Funde von Vögeln in der Kreide beſtätigen, ſo waren doch die Reſte derſelben hier noch ſehr wenig zahlreich. Man will die Reſte eines albatrosähnlichen, eines ſchnepfenartigen und merk⸗ würdigerweiſe auch eines ſperlingsartigen Vogels— alſo der älteſte Singvogel, der aber wahrſcheinlich doch erſt dem Tertiärgebirge angehört— gefunden haben. Erſt im Tertiärgebirge kommen Ueberreſte von Vögeln häufiger vor. Wegen unſerer im allgemeinen geringen Kenntniß derſelben, läßt ſich aber die Ent⸗ wicklung derſelben nicht ſo überſichtlich zuſammenſtellen, wie es bei den Fiſchen und Reptilien der Fall war. Daß indeſſen bei ihnen ähnliche Verhältniſſe wie dort obgewaltet haben, darauf läßt die Exiſtenz des noch in geſchichtlicher Zeit auf der Inſel Mauritius ausgeſtorbenen Dudu(Didus Lin.) ſchließen. Vasco de Gama lernte dieſen Vogel, wie Queenſtedt erzählt, im Jahre 1497 kennen und nannte ihn Schwan. Es war ein träges, ſtupides Thier, ließ ſich anfaſſen ohne davon zu laufen und wurde des⸗ halb in Maſſe erſchlagen, ſo daß es bald wohl mehr ſeiner ſchönen weichen Federn, als ſeines Fleiſches wegen ganz und gar ausgerottet wurde. Das letzte ausgeſtorbene Exemplar war noch 1755 in Orford zu ſehen. Heute kennt man nur noch einen geierartigen Schädel und die taubenartigen Füße, ſowie ein nach dem Leben verfertigtes Oelbild. So hat man alſo ein Weſen mit einem Geierkopf, einem Gänſe⸗ hals, einem Schwanenleib, kurzen Flügeln, kurzem Schwanz und Taubenfüßen. Außer dieſem in der Jetzt⸗ welt ausgeſtorbenen Vogel kennt man noch die Ueberreſte von mehreren anderen Geſchlechtern, von denen es aber wenigſtens zweifelhaft iſt, ob ſie noch in der Jetztzeit gelebt haben. So haben ſich die Ueberreſte der Gattung Dinornis im Schlamm auſtraliſcher Flüſſe gefunden und laſſen ſchließen auf ſtraußenartige Vögel, die aber die größten lebenden aus dieſer Gattung an Größe übertrafen. Das Stelet eines ſolchen läßt ſchließen auf ein Thier von 10 Scheitelhöhe. Vielleicht wird es in Zukunft noch feſtgeſtellt, daß


