Aufsatz 
Die fossilen Wirbelthiere : Eine paläontologische Studie
Entstehung
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leben, wie es ja eine bekannte Erſcheinung iſt, daß der Waſſermolch, um zu athmen, an die Oberfläche des Waſſers zu kommen gezwungen iſt Der in unterirdiſchen Gewäſſern Krains lebende, hierhergehörige Olm behält dagegen neben den Lungen ſein ganzes Leben lang die am Halſe befeſtigten Kiemenbüſchel, ſo daß er alſo auch als altes Thier in dieſer Beziehung auf einer embryonalen Stufe der Entwickelung verharrt. Wegen des freien, fiſchähnlichen Larvenzuſtandes betrachtet man die in Rede ſtehenden Thiere als die auf der niedrigſten Entwicklungsſtufe ſtehenden Reptilien; man hat ſie wohl auch ebendeshalb in eine beſondere Klaſſe, die Amphibien im engeren Sinne, zuſammengefaßt, eine Klaſſe, die zwiſchen den Fiſchen einerſeits und den echten Reptilien andrerſeits als vermittelnde Stufe einzuſchalten iſt. Im folgenden wollen wir dieſelben in der Klaſſe der Reptilien beibehalten, ſie indeſſen als die unterſte Ordnung der Reptilien, als eine Metamorphoſe durchmachende Nackthäuter im Gegenſatz zu den Schuppen⸗ reptilien, wohin die Schildkröten, Eidechſen und Schlangen gehören, die keine Metamorphoſe durchmachen, betrachten.

Die erſten Reptilien, und alſo die erſten luftathmenden Wirbelthiere überhaupt, treten zur Stein⸗ kohlenzeit auf. Archegosaurus iſt eine der älteſten Gattungen und gehört der Familie der Labyrintho- donten, ſo genannt von den mäandriſch gewundenen Cementlinien in ihren Zähnen, an. Die Labyrin- thodonten haben die größte Aehnlichkeit mit unſeren Batrachiern oder Lurchen, unterſcheiden ſich von denſelben aber, wie in der Größe, ſo namentlich in der Körperbedeckung, ſie waren mit Knochenſchildern bedeckt und führen deshalb den Namen Panzerlurche. So ſehen wir denn die höher entwickelten Rep⸗ tilien viel ſpäter auftreten als die Fiſche und zwar mit ihrer unvollkommenſten Ordnung, den Lurchen. Man denke ſich unter den Panzerlurchen eigenthümliche, ſchildkrötenartig bepanzerte Weſen, gegen die unſere größten Fröſche wahre Pygmäen ſind. Der ſtark zuſammengedrückte Schädel von Mastodonsaurus robustus erreichte eine Länge von 2 und eine Breite von 11½½, wonach man ſich eine Vorſtellung von der Dimen⸗ ſion dieſer Rieſenfröſche machen kann. Von einem anderen Vertreter dieſer Familie wird die Länge des Schädels ſogar auf 4 angegeben. Dieſe Thiere begnügten ſich nicht mit der ſchmalen Inſektenkoſt unſrer Froͤſche, es waren gewaltige Raubthiere, worauf ihre Zähne ſchließen laſſen, was aber namentlich aus den an Fiſchreſten reichen Koprolithen derſelben hervorgeht. Ueber den Keuper hinaus hat man Reſte von Panzerlurchen bis jetzt gar nicht gefunden.

Die echten Batrachier, Fröſche und Molche treten erſt im Tertiärgebirge auf, nachdem ihre wunderbaren Vorläufer ſchon längſt ausgeſtorben ſind. Von den Schleichenlurchen kennt man keine foſſilen Vertreter. Von foſſilen Fröſchen und Kröten dagegen kennt man mehrere Gattungen. Intereſſant iſt es, daß man nicht nur die ausgewachſenen foſſilen Fröſche kennt, ſondern auch Abdrücke von den in der Me tamorphoſe begriffenen Larven. Bei Glimbach in der Nähe von Gießen finden ſich in einem dünnblättrigen Braunkohlenſchiefer zahlloſe Abdrücke von Kaulquappen, ſogar in verſchiedenen Stadien der Entwickelung. Die Schwanzlurche oder Molche treten zu gleicher Zeit mit den Schwanzloſen oder Fröſchen auf. Unter den erſteren iſt insbeſondere Salamandra gigantea zu erwähnen. Scheuchzer, der zu Anfang des vorigen Jahrhunderts das wohl erhaltene Skelet eines ſolchen zuerſt beſchrieben hat, ſah in ihmdas betrübte Beingerüſt eines vorſündfluthlichen Menſchen(homo diluvii testis) und ſetzte damit die ganze damalige gebildete Welt in Erſtaunen. Erſt Cuvier erkannte in dem betrübten Beingerüſt das Skelet eines Rieſen ſalamanders, der ſich von der in den japaniſchen Gebirgsſeen heute noch lebenden Salamandra maxima generiſch gar nicht unterſcheiden läßt.

Die in der Organiſation höher als die Batrachier ſtehenden Saurier treten ſpäter als dieſe, zuerſt im Kupferſchiefer mit der Gattung Proterosaurus, auf. Je höher man von hier aus in der Formations⸗ reihe aufſteigt, um ſo zahlreicher und formreicher werden die Saurier, ſo zwar, daß ſie im Jura das Meer, das Land, die Luft mit abenteuerlichen Weſen förmlich anfüllen und es ſchwer iſt, ſich davon eine richtige Vorſtellung zu machen. Die Saurier wiegen im Vergleich zu anderen Foſſilien ſo vor, daß die Zeit, in der ihre Entwickelung ganz beſonders zur Blüthe gekommen iſt, die Zeit vom Kupferſchiefer bis zur Kreide, wohl auch das Zeitalter der Reptilien genannt worden iſt, während man die Vorzeit, wo Fiſche als die älteſten Wirbelthiere geherrſcht haben, als das Zeitalter der Fiſche bezeichnet hat.

Betrachten wir zunächſt das Auftreten der zwei noch lebenden Unterordnungen der Saurier, der nied⸗ riger ſtehenden Schuppen⸗ und der höher ſtehenden Panzerechſen(Krokodile), ſo zeigt ſich, daß die Schup⸗ penechſen mit Proterosaurus ſchon im Zechſtein, die letzteren aber mit mehreren Gattungen erſt im Lias, der unteren Abtheilung des Jura, auftreten. Von den Panzerechſen iſt es bekannt, daß man die Krokodile und Alligatoren als breitſchnautzige Krokodile von den ſchmalſchnautzigen Gavialen unterſcheidet. Dieſe ſind wegen ihrer langen, ſchmalen Schnautze mehr auf Nahrung von Fiſchen und anderen leicht zerſtörbaren Thieren angewieſen, während die Natur den Alligatoren und Krokodilen einen kräftigeren Raub, die Säuge⸗