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nur die eine lediglich auf die Jetztwelt beſchränkte und den Knochenganoiden nah verwandte Gattung Amia in einigen nordamerikaniſchen Flüſſen als letzter Ausläufer der Rundſchupper.
Haben wir den Placoiden als denjenigen Fiſchen, welche den embryonalen Zuſtand des Knochen⸗ fiſchs am Deutlichſten zeigen, unter den verſteinerten Fiſchen die tiefſte Stellung gegeben, ſo müſſen wir den Ganoiden, die durch die zunehmende oder völlige Verknöcherung des Skelets einen Fortſchritt in der Entwicklung der Fiſche involviren, eine höhere Stellung einräumen. Nehmen wir dazu, daß die Placoi⸗ den die älteſten Fiſche ſind, daß die Ganoiden erſt ein Weltenalter ſpäter in der organiſchen Welt er⸗ ſchienen ſind, ſo können wir einen Zuſammenhang zwiſchen der Zeit und der Entwicklungsſtufe nicht ver⸗ kennen, inſofern der höhere Organiſationstypus erſt ſpäter in die Erſcheinung tritt, als der niedere.
Sehen wir ſo ein gewiſſes Geſetz in der zeitlichen Aufeinanderfolge der Ganoiden auf die Placoiden ſich ausſprechen, ſo zeigt ſich im engeren Kreiſe der Ganoiden eine ähnliche Hinneigung zu vollkommnerer Entwicklung von niederem zu höherem Typus. Insbeſondere läßt ſich dieſes an den Eck⸗ ſchuppern nachweiſen. Man will hier eine continuirliche Reihe von Entwicklungszuſtänden der Wirbel⸗ ſäule von vorwiegend gallertartigem in der älteren Zeit, zu halb verknöchertem in der mittleren und zu ganz verknöchertem Zuſtand in der ſpäteren Zeit beobachtet haben, was auch, wie wir ſchon oben ſahen, ſeine Beſtätigung findet in den verknöcherten Wirbelſäulen der lebenden Ueberreſte der Rhomben- und Rundſchupper. Das klingt etwas ſonderbar, wenn man den Ausdruck verknöchern, wie es im gewöhn⸗ lichen Leben geſchieht, auf geiſtige Entwicklung anwendet. Mit der Verknöcherung der Wirbelſäule aber iſt es ganz anders, je härter ſie iſt, um ſo mehr Schutz vermag ſie dem weichen Rückenmark zu geben, um ſo lebenszäher, um ſo vollkommner iſt der ganze Organismus. Ein andrer Umſtand, der eine all⸗ mähliche Entwicklung nach dem höchſten Typus hin anzudeuten ſcheint, findet Anwendung auf alle Ganoi⸗ den. Agaſſiz hat darauf hingewieſen. Er zeigt, daß der Schwanz des Knochenfiſchembryos urſprünglich heterocerk ſei, daß er erſt im Laufe der Entwicklung allmählich homocerk, ſymmetriſch zur Wirbelſäule ſich ausbilde, eine Anſicht, die übrigens nicht ohne Anfechtung geblieben iſt. Betrachten wir die foſſilen Ganoiden von dieſem Geſichtspunkt aus, ſo ergibt ſich das allerdings überraſchende Reſultat, daß die vorjuraſſiſchen Fiſche ſämmtlich heterocerk, die jüngeren aber homocerk ſind.
Gehen wir nun einen Schritt weiter und ſuchen wir die verſteinerten Reſte der Knochenfiſche (Teleostei) auf. Im Kohlengebirge ſuchen wir ſie vergebens, und in der darauf folgenden großen Weltepoche zeigt ſich von ihnen keine Spur. Erſt in der Kreide treten ſie auf und gleich in großer Mannichfaltigkeit, ſie ziehen ſich von hier bis in die Gegenwart hinein und bevölkern da unſere Flüſſe und Meere derart, daß ſie bei weitem den größten Theil aller lebenden Fiſche ausmachen.
So ſehen wir denn, wie wir im Syſtem der Fiſche aufwärts geſtiegen ſind von den Placoiden zu den Ganoiden, von den Ganoiden zu den Knochenfiſchen, daß wir allmählich auch aus den älteſten Gebirgsſchichten heraufgekommen ſind aus dem Silur, wo wir die Floſſenſtacheln der Placoiden fanden, in das Devon, wo die heterocerken Ganoiden auftraten, von da weiter bis in den Jura, wo wir zuerſt homocerke Ganoiden fanden, von hier aber bis zur Kreide, wo die Knochenfiſche auftreten. Die am höchſten organiſirte Ordnung der Fiſche, die Doppelathmer(Dipnoi), wohin der bekannte Schuppenmolch gehört, endlich haben in der Vorzeit noch gar nicht gelebt, ſie erſcheinen erſt in der Jetztzeit auf der Erde.
Was das numeriſche Verhältniß der einzelnen Ordnungen angeht, ſo zeigt ſich, daß die Placoi⸗ den, wenn auch zahlreiche Gattungen, ja ganze Familien, ausgeſtorben ſind, doch in der heutigen Schöpf⸗ ung noch in großer Mannichfaltigkeit exiſtiren, daß dagegen die Ganoiden, gewiſſermaßen ein Durchgangs⸗ ſtadium in der Entwicklung andeutend, obgleich jüngeren Urſprungs als die Placoiden, doch heute faſt völlig ausgeſtorben ſind. Nur wenige Ueberbleibſel aus dieſer verödeten Ordnung friſten, aus dem Meere vertrieben, ihr Daſein heute im ſüßen Waſſer. Die Knochenfiſche dagegen haben ſeit der Kreide fortwährend zugenommen bis zu ihrer höchſten Blüthe in der Jetztzeit, wo ſich die erſten Doppelathmer zeigen. Es läßt ſich nicht wohl verkennen, wie ſtufenweiſe in der Entwicklung des Erdballs immer vollen⸗ detere Formen aufgetreten ſind, eine Thatſache, die wir in ihrer ſchlichten Wahrheit vor der Hand einmal feſthalten wollen, um ſpäter wieder darauf zurückzukommen.
Außer den Fiſchen zählt man zu den kaltblutigen Wirbelthieren auch die Amphibien oder Rep⸗ tilien. Sie athmen durch Lungen, ſind alſo befähigt auf dem Trockenen zu leben. Ein nicht unbeträcht⸗ licher Theil derſelben athmet aber nur im Alter durch Lungen. In der Jugend machen dieſe Thiere eine eigenthümliche Metamorphoſe durch, ſofern ſie urſprünglich durch Kiemen athmen und als fiſchähnliche Weſen im Waſſer leben. Mit dem fortſchreitenden Alter verkümmern nun die den embryonalen Charakter andeutenden Kiemen, und gleichzeitig entwickeln ſich die Lungen, ſelbſt bei ſolchen Thieren, die im Waſſer


