Aufsatz 
Die fossilen Wirbelthiere : Eine paläontologische Studie
Entstehung
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wohl gedacht werden, daß ſie als der niederſte Typus der Fiſche auch zuerſt gelebt, uns indeſſen keine Spur ihres Lebens zurückgelaſſen haben.

Die Ganoiden treten zuerſt im Devongebirge auf, alſo um ein Weltenalter ſpäter als die Placoiden, von denen wir die erſten Spuren ſchon im Silur vorfanden. Von den 3 Unterordnungen der Ganoiden, den Panzerganoiden, den Rhombenſchuppern und Rundſchuppern, wollen wir zunächſt die erſte betrachten. Dahin gehört die Familie der Cephalaſpiden, ſonderbar geſtaltete Weſen mit weichem, gallertigem Stelet. Nur die Dornfortſätze der Wirbel waren verknöchert, und ſo ſind uns auch nur dieſe erhalten. Wir haben ſchon oben auf die gallertige Wirbelſäule als Eigenſchaft niedrig, gewiſſermaßen embryonal entwickelter Thiere hingewieſen. Hier finden wir ſie wieder und ſonderbar! als ob die Natur die leicht zerſtörbare Körperachſe vor Verletzung habe ſchützen wollen, der Körper dieſer Fiſche iſt durchaus umgeben von einem dicken Knochenpanzer und nur das Schwanzende zeigt Ganoidſchuppen. Dieſer Knochenpanzer iſt ſo eigen⸗ artig geſtaltet, daß man dieſe Weſen früher für verſteinerte rieſige Waſſerkäfer erklärt hat; einige haben ſie auch als Krebſe in Anſpruch nehmen zu müſſen geglaubt, und endlich wieder andere haben in ihnen Schildkröten geſehen. Zu der weichen Beſchaffenheit des Skelets kommt uoch die embryonale Stellung des Mundes auf der Bauchſeite, um die durch dieſe Familie repräſentirte Organiſationsſtufe zu kennzeich⸗ nen; ſie haben nur in der älteſten Zeit gelebt und werden beſonders im Devon gefunden. In den Stören, die uns durch ihre Eier einen geſchätzten Leckerbiſſen, durch ihre Schwimmblaſe aber einen werthvollen Leim liefern, die im Jura zuerſt auftreten, finden wir eine Familie, die den Cephalaſpiden nahe verwandt iſt; ſie haben wie dieſe ein Knorpelſkelet, tragen den Mund auf der Bauchſeite, entfernt von der Schnautzen⸗ ſpitze und beſitzen eine mit allerdings von einander entfernten Knochenplatten belegte Haut.

Die Unterordnung der Rhombenſchupper beginnt im Devon. Von den 5 Familien iſt die bekannteſte die der Lepidoiden. Hierher gehören die beiden Geſchlechter Palaconiscus und Platysomus, die wichtigen Leitfoſſilien des Kupferſchiefers, wie er ſich in der Grafſchaft Mansfeld in bedeutender Entwickelung, in der Provinz Heſſen bei Richelsdorf aber in geringerem Maße findet. Die Gewinnung des Kupfers und Silbers, des Segens des Mansfelder Bergbaus, in der dortigen Gegend beruht auf dem ſchwarzen, von Kupferkies ganz durchdrungenen Thonſchiefer, dem ſog. Kupferſchiefer. In dieſem finden ſich zahlloſe Ab- drücke eigenthümlich gekrümmter foſſiler Fiſche, die der Hauptmaſſe nach den oben genannten beiden Gatt⸗ ungen angehören. Das maſſenhafte Vorkommen und die eigenthümliche Krümmung dieſer Thiere hat man mit dem außerordentlichen Reichthum des Schiefers an Kupfererzen ſehr glücklich in Verbindung gebracht. Dieſe Kupfermineralien haben ſich zweifellos auf naſſem Wege gebildet, indem Löſungen von Kupferſalzen in das Seebecken, in welchem der ſpäter erhärtende Thonſchiefer als Schlamm abgeſetzt wurde, eindrangen. Da nun alle Kupferſalze heftig wirkende Gifte ſind, ſo war alſo das Waſſer jenes Seebeckens zum Leben der Fiſche nicht geeignet, ſie mußten in Maſſe abſterben, wie ſie gerade in dem Becken vorhanden waren, und in der unnatürlich krampfartig gekrümmten Lage derſelben ſpricht ſich noch jetzt das letzte ſchmerzvolle Zucken dieſer ſo jammervoll zu Grunde gegangenen Weſen aus. Die Rhombenſchupper bilden bei weitem die Mehrzahl aller foſſilen Fiſche, aber die allgewaltige Zeit hat in die reichgegliederte Unterordnung der⸗ ſelben mächtig eingegriffen, zahlreiche Arten ſind ausgeſtorben, ganze Geſchlechter ſind zu Grunde gegangen, ja von dem bunten Gewimmel der 5 vorweltlichen Familien haben die letzten im Tertiärmeer ihren Tod gefunden. Das heutige Meer weiſt überhaupt keinen Rhombenſchupper mehr auf, nur der Nil und einige Flüſſe Nordamerikas haben 2 rhombenſchuppigen Gattungen, dem Knochenhecht und dem Flköſſelhecht, ein Aſyl gewährt. Beide Gattungen haben aber in der Vorwelt nicht gelebt, ſie gehören ausſchließlich der Jetztzeit an, es ſind alſo die jüngſten Rhombenſchupper. Zugleich aber gehören ſie auch zu den am höch⸗ ſten entwickelten, denn ihr Skelet iſt ganz verknöchert, was bei der großen Maſſe ihrer Vorfahren meiſt entweder gar nicht oder doch nur theilweiſe der Fall war.

Die bei weitem nicht ſo zahlreichen rundſchuppigen Ganoiden zeigen ziemlich denſelben Gang der Entwickelung wie die Rhombenſchupper. Ihnen ſchreibt man eine Reihe von merkwürdigen Körpern zu, die einen Lichtſtrahl auf die Organiſation der Weichtheile werfen, von denen doch verſteinerte Reſte nicht vorkommen. Beachtet man nämlich den Inhalt des Darmes, der aus unverdauten, ſchwerlöslichen Stoffen beſteht, und bei manchen Thieren weſentlich aus einem Gemenge von phosphorſauren und kohlenſauren Salzen beſteht, wie wir es beiſpielsweiſe nicht ſelten bei den Excrementen des Hundes beobachten, die einem Stück Kreide nicht unähnlich ſind, ſo leuchtet es wohl ein, daß die Möglichkeit nicht ausgeſchloſſen iſt, auch den unverdauten Reſt einer Fiſchmahlzeit im verſteinerten Zuſtande irgendwo in der Natur anzutreffen. Das iſt in der That der Fall. Man kennt ſolche Körper unter dem Namen Koprolithen aus verſchiedenen Formationen. Die eigenthümliche ſpiralförmige Drehung derſelben läßt ſchließen, daß dieſe gefräßigen Raubfiſche einen ähnlichen Darm beſaßen, wie unſere Haifiſche. In der lebenden Schöpfung findet ſich