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der fortſchreitenden Zeit, während die Ceſtracionten abnehmen. Die echten Haifiſche dagegen treten erſt im Jura auf und Vogt macht darauf aufmerkſam, wie in dem verſchieden zeitlichen und verſchieden quanti⸗ tativen Auftreten der 3 Familien ein allmählicher Fortſchritt von mehr ſchalenfreſſenden Arten zu ſolchen, die auf eine räuberiſche Lebensart angewieſen ſind, zu bemerken ſei. Wie hätten auch die vollkommenen Squaliden zu einer Zeit leben können, wo es ihnen noch durchaus an paſſender Nahrung gebrach? Schalthiere hauſten ſchon in großen Maſſen in den Gewäſſern des Erdballs, und ſo konnten die Ceſtra⸗ cionten auch in Maſſe ihr Leben friſten, während die mehr ſcharfzähnigen Haifiſche erſt zu voller Ent⸗ wickelung kommen konnten, als die Erde ihnen genügende Nahrung bot.
Man hat ſich vielfach gefragt, weshalb ſind es denn gerade die Placoiden, die zuerſt auftreten und hat nach einem zureichenden Grunde geforſcht. Insbeſondere iſt es der berühmte Ichthyologe Agaſſiz, der hier einſchlägige Forſchungen unternommen hat. Folgen wir ſeinen Deductionen, die um ſo wichtiger ſind, als wir ſpäter bei ähnlichen Fragen noch mehrfach Veranlaſſung nehmen müſſen, darauf zurückzukommen.
Die Placoiden haben ein knorpeliges Skelet, zum großen Theil den Mund auf der Bauaäſſeite, viele, große, aber durchaus gleichwerthige Zähne, die meiſt nur zum Feſthalten der Beute dienen, ſie haben Kiemen, welche an der Körperhaut angewachſen ſind und der Schwanz iſt heterocerk, d. h. die Wirbel⸗ ſäule endet in der oberen Schwanzſpitze, theilt alſo den Schwanz nicht in zwei gleiche ſymmetriſche Hälften, wie ſolches beim Hecht und Karpfen der Fall iſt. Dieſe Merkmale ſind nun durchaus ſolche, die einen niederen Entwickelungsgrad andeuten und es iſt allerdings merkwürdig genug, daß die Haffiſche, dieſe ge⸗ waltigen, ſtarken und kühnen Raubfiſche, die faſt alle Knochenfiſche an Kraft überragen und von ihnen gefürchtet werden, daß ſie zoologiſch dieſen doch untergeordnet werden müſſen. Dieſes wird uns noch klarer werden bei Betrachtung der embryonalen Entwickelung des Knochenfiſchindividuums. Dem Embryo eines Knochenfiſches, dem nach Form und Entwickelung am höchſten ſtehenden Fiſch, kommen mehr oder weniger die folgenden Eigenthümlichkeiten zu: ein gallertartiger Strang als Anlage der Wirbelſäule, der Mund auf der Bauchſeite, ein gleichmäßiger körperumſchließender Saum oder ein ungleichlappiges(heterocerkes) Schwanz⸗ ende, Eigenſchaften, wie wir ſie dauernd bei den Placoiden finden. Im Laufe der Entwickelung verknö⸗ chert nun der gallertige Rückenſtrang allmählich, indem zuerſt die Dornfortſätze erhärten, der Mund rückt nach vorn und die Schwanzfloſſe wird gleichlappig(homocerk.) Wir ſehen alſo, wie der Knochenfiſch in ſeiner früheſten Entwickelungsſtufe einmal gewiſſermaßen Knorpelfiſch war und daß die Knorpelfiſche über⸗ haupt auf einer niederen Stufe der Organiſation ſtehen, als die Knochenfiſche. Ausgehend von dieſen Ver⸗ hältniſſen können wir die Fiſche in folgender Ueberſicht von dem unvollkommenſten bis zum vollkommenſten Typus betrachten:
1 6 Ordnungen. Skelet. Schwanz. Athmungsorgane.
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Leptocardii.
Cyclostomi. gallertartig oder gleichmäßiger Hautſaum
Placoides. knorpelig dder heterocerk V
Ganoidei, eine Hälfte. V
————— V
Ganoidei, andere Hälfte. 1 3 4
releostei. knochig homocerk
b V Kiemen.
V V
V Kiemen und Lungeu.
Dipnoi.
So ſehen wir denn in dem Jugendalter der Erde, und damit wollen wir uns vorläufig begnügen, Fiſche von niederer Organiſationsſtufe die Meere bevölkern, Weſen, die gewiſſermaßen einen Embryonal⸗ zuſtand des vollkommenen Fiſchtypus repräſentiren. Der Gedanke liegt nahe, daß vor den Placoiden ſchon die Leptocardier(Röhrenherzen) und Cycloſtomen(Rundmäuler) im Urmeere vorhanden geweſen ſind, und es iſt dieſes in der That nicht unwahrſcheinlich. Daß ſich keine Reſte von ihnen finden, ſchließt hier noch nicht aus, daß ſie nicht doch früher als die Placoiden gelebt haben; ſie ſind, wie ſchon früher erwähnt, wegen des Fehlens der Harttheile nicht tauglich zur Erhaltung. Es kann aber


