Aufsatz 
Die fossilen Wirbelthiere : Eine paläontologische Studie
Entstehung
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Körperbedeckung haben. Von den beiden abgehandelten Ordnungen unterſcheidet man die Knochenfiſche mit vollſtändig verknöchertem Skelet, mit ſchmelzloſen Schuppen, die einander dachziegelartig decken. Somit hätten wir Geſichtspunkte genug gewonnen, um die foſſilen Fiſche überſichtlich betrachten zu können. Wir ſtellen ſie hier zuſammen: I. Placoides, Skelet knorpelig, chagrinirte Haut. II. Ganoidei, Skelet knorpelig oder knochig, neben einanderliegende Schmelzſchuppen. III. Teleostei, Skelet knochig, dachziegelartig ſich deckende ſchmelzloſe Schuppen.

Die erſten Spuren von Fiſchen finden ſich in dem oberen Theile der älteſten Formation, im oberen Silur. Es ſind ſogenannte Ichthyodorulithen, Floſſenſtacheln, wie ſie ſich bei dem Dornhai des mittelländiſchen Meeres finden. Dieſer Hai beſitzt zwei Rückenfloſſen, und vor je einer derſelben ſitzt ein ſtarker Knochenſtachel. In der Jetztwelt ſind ſolche Stacheln im ganzen ſelten, viele vorweltliche Placoiden aber beſaßen dieſelben.

Die Placoiden zerfallen in die drei Unterordnungen der Chimären, der Rochen und der Haie. Die erſteren unterſcheiden ſich von den letzteren durch die Stellung ihres Mundes, der bei ihnen vorn an der Spitze des Kopfes, bei den Rochen und Chimären aber auf der Unterſeite des Kopfes liegt. Die Rochen unterſcheiden ſich endlich von den Haien leicht durch ihre plattgedrückte Geſtalt. Bei allen ſind die Zähne weder in Alveolen, wie bei den höheren Wirbelthieren, eingekeilt, noch mit den Kieferäſten ver⸗ ſchmolzen wie beim Hecht, ſondern ſie ſitzen mit einer ſtarken, knöchernen Baſis in der Haut, welche die Mundhöhle auskleidet und ſind, was ſonſt in dieſer Klaſſe gar nicht wieder beobachtet wird, beweglich darin. Die Zähne zeigen ſo viel Verſchiedenheiten in ihrer Ausbildung, daß ſich darauf leicht Unter⸗ ſchiede zwiſchen Gattungen und Familien gründen laſſen.

Die lebenden Haie haben ſpitze, ſcharfe, dreiſeitige Zähne, nur ein Geſchlecht Cestracion beſitzt die⸗ ſelben nicht, ſondern hat pflaſterartig aneinander gereihte, ſtumpfe, flache Mahlzähne. Beiderlei Zähne finden ſich nun auch in der Vorzeit. Außer denſelben kommen aber noch andere vor, die den Zähnen der echten Haifiſche ähnlich ſind, ſie ſind nur weniger komprimirt und namentlich durch eine Längsſtreifung, ſowie durch das Vorhandenſein kleinerer Nebenzacken leicht davon zu unterſcheiden. Auf dieſe Eigenthümlichkeit der Zähne hat man die 3 Familien der vorweltlichen Haie gegründet: Squalides, echte Haie, Hybodontes mit den zuletzt beſchriebenen Zähnen und Cestraciontes mit den pflaſterartig aneinandergereihten Zähnen.

Die beiden letzten Familien treten ziemlich zu gleicher Zeit auf in einer der älteſten Formationen, in der ſich überhaupt organiſche Reſte finden, im Devon. Doch finden ſich die Ceſtracionten in weit größerer Mannichfaltigkeit als die Hybodonten. Folgende dem Bronn'ſchen Index entlehnte Zahlen mögen das beweiſen. Die Artenzahl der Ceſtracionten verhält ſich zu der der Hybodonten im Devongebirge wie 13:2, in dem unteren Theile der darauffolgenden Kohlenformation aber wie 51:6. Die merkwürdigen Ceſtracionten beginnen im Devon gleich in großer Mannichfaltigkeit und gehen, indem ihre Zahl allmäh⸗ lich mehr und mehr abnimmt, bis in die Jetztzeit hinein, wo man nur noch zwei ſehr ähnliche Arten dieſer Familie kennt, die erſt vor nicht langer Zeit bekannt geworden ſind, von denen die eine an der Küſte Neuhollands, die andere aber an der Küſte von Japan lebt. Die Hybodonten hingegen beginnen im Devon in ſehr geringer Zahl, nehmen allmählich zu, indem neue Geſchlechter entſtehen und nehmen ebenſo allmählich wieder ab, indem dieſelben ausſterben, ſo daß ſie ſchon im Tertiärgebirge ihr Ende er⸗ reichen und ſomit in der Jetztzeit gar nicht mehr angetroffen werden, die Hybodonten bilden alſo eine völlig ausgeſtorbene Familie. Die echten Haie beginnen erſt viel ſpäter. Abgeſehen von unſicheren Spuren derſelben im Devon und im Kohlengebirge, kommen ſie erſt im Jura zur Entwickelung, die von nun an bis in die Gegenwart hinein fortdauert, wo dieſe Thiere viel zahlreicher als in allen früheren Perioden unſere Meere bevölkern, ein Schrecken aller in demſelben Medium hauſenden Weſen. In dem lithogra⸗ phiſchen Schiefer von Solnhofen, der dem oberen Jura angehört, iſt ein Hai(Palaeoscyllium) gefunden worden, von dem ſich ſowohl der Körperumriß, als auch die ganze Wirbelſäule nebſt ſämtlichen Floſſen, erhalten hat.

Die Rochen treten etwas früher auf, ihre Entwicklung ſtimmt im ganzen mit derjenigen der echten Haifiſche überein. Die kleine Familie der Chimären endlich war in der Vorzeit artenreicher als heute, beginnt in der Trias und geht bis in die Jetztzeit hinein. Ein ziemlich vollſtändig erhaltenes 6 langes Exemplar wurde in dem Solnhofer Schiefer gefunden.

Die Ceſtracionten ſind durch die Bildung ihrer pflaſterartigen, platten Zähne bezüglich ihrer Nahrung lediglich auf Weichthiere angewieſen, deren Schalen ſie mit den Mahlzähnen entzwei brechen. Sie finden ſich gleich bei ihrem Auftreten im Devon in großer Menge, die Hybodonten, die ſich in ihrer Zahnbildung mehr den echten Squaliden nähern, dagegen treten im Devon mit nur wenigen Arten auf, mehren ſich aber in