Aufsatz 
Die fossilen Wirbelthiere : Eine paläontologische Studie
Entstehung
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endlich zu unſerer Erdkugel geworden iſt, die in ihrem Innern noch den glühenden, auf jene Entwicklung hinweiſenden Kern birgt.

Wann hat nun auf dieſem Himmelskörper das organiſche Leben ſeinen Urſprung genommen? Gewiß erſt zu einer Zeit, wo die Erde verflüſſigt, oberflächlich aber ſoweit abgekühlt war, daß das Waſſer aus der umhüllenden Atmoſphäre ſich darauf niederſchlagen konnte. In den Niederſchlägen dieſes Ur⸗ oceans ſind uns nun die Ueberreſte derjenigen organiſchen Weſen aufbewahrt, die als die erſten auf un ſerer Erde gelebt haben; es ſind durchaus Weſen niederer Organiſationsſtufe, von den Pflanzen Algen, von den Thieren Wirbelloſe. Die Wirbelthiere treten erſt nach dieſen auf, und ihre älteſten Vertreter ſind die Fiſche.

Die ſo allgemein anerkannte Eintheilung der Fiſche von Joh. Müller beruht auf dem Vorhan⸗ denſein oder Fehlen eines Kiemendeckels, auf der Beſchaffenheit der Hauptſchlagader(Aorta) und der Natur der Wirbelſäule; wir wollen ſehen, ob ſich dieſelbe auch auf die foſſilen Fiſche in Anwendung bringen läßt. Vergegenwärtigen wir uns den Verſteinerungsproceß, wonach die Weichtheile eines Thieres verfaulten, die Harttheile aber, mehr oder weniger ſubſtantiel geändert, uns überliefert worden ſind, ſo dürfen wir von den Fiſchen als foſſile Reſte erwarten: Zähne und ſonſtige Skelettheile als: Kopfknochen, Wirbel, Floſſen⸗ ſtacheln und Schuppen. Die verweſenden Muskeln, Nerven, Gefäße und andere Weichtheile aber wurden vom Waſſer ausgelaucht und ertheilten dem umhüllenden Geſtein den Bitumengehalt. Nun gibt es aber zwei Ordnungen der Fiſche, die gar keine eigentlichen Harttheile haben. Alle die Theile, welche bei den übrigen Ordnungen erhärtet und verknöchert ſind, ſind bei ihnen mehr oder weniger gallertartig. So haben die Rundmäuler und Röhrenherzen ſtatt der Wirbelſäule nur einen häutigen Strang, der als Axe den Körper durchzieht. Es liegt in der Natur der Sache, daß ſolche Weſen zur Erhaltung nicht geeignet ſind. Von ihnen dürſen wir alſo keinen Aufſchluß über ihr vorweltliches Leben erwarten, wir müſſen ſie von unſerer Betrachtung ganz ausſchließen, und es bleiben uns alſo nur noch die vier anderen Ord⸗ nungen übrig.

Nach Müller unterſcheiden ſich die Schmelzſchupper von den Knochenfiſchen weſentlich durch das Vorhandenſein vieler Klappen in der Aorta. Wenn aber die Aorta, wie wir oben ſahen, nicht verſteiner⸗ ungsfähig iſt, ſo kann man von einem foſſilen Fiſch auch nicht ſagen, ob er zu den Knochenfiſchen oder zu den Schmelzſchuppern gehört. Wir ſehen an dieſem Beiſpiel, daß das genannte Syſtem wohl für lebende Thiere, an denen man die Weichtheile beobachten kann, paßt, nicht aber für ſolche, von denen wir nur die Harttheile kennen. Wir müſſen, um die vorweltlichen Fiſche betrachten zu können, uns nach einer Eintheilung umſehen, die ſich im weſentlichen auf die Harttheile gründet. Da ſpringt denn zunächſt die Wirbelſäule ins Auge, der wichtigſte Theil des Skelets.

Wie ſahen vorher ſchon, daß dieſelbe bei zwei Ordnungen der Fiſche einen weichen, gallertartigen Strang bildet, genau ſo, wie man ihn bei den Embryonen der Fiſche aus höheren Ordnungen beobachtet. Indem in dieſem Strang(chorda dorsalis) des Embryos ſich allmählich Knochenerde ablagert, geht dieſelbe aus dem gallertigen, beweglichen Zuſtande allmählich in den harten, unbeweglichen über, ſie verknöchert. Die Erhärtung der Wirbelſäule, ſchreitet jedoch nicht bei den Embryonen der vier übrigen Ordnungen gleichmäßig vorwärts, vielmehr verknöchert bei einigen die Wirbelſäule ganz, bei anderen nur zum Theil, es bilden ſich knöcherne Fortſätze der Wirbel, wieder bei andern erhärtet allerdings die Wirbelſäule voll kommen, aber das iſt keine echte Knochenbildung, ſondern die Knochenerde lagert ſich nur gleichmäßig körnig ab, es kommt nur zur ſogenannten Knorpelbildung. Von dieſer Entwicklung der Chorda zu einem Knorpelſkelet, oder zu einem mehr oder weniger ausgebildeten Knochenſkelet als Eintheilungsgrund aus⸗ gehend, können wir die Fiſche betrachten als Knorpelfiſche und Knochenfiſche.

Sehen wir uns zur genauern Feſtſtellung der beiden Abtheilungen noch nach andern Merk⸗ malen um, ſo fällt die Körperbedeckung der Fiſche auf. Man begnügt ſich zwar im gewöhnlichen Leben damit, die Fiſche dadurch von den Vögeln zu unterſcheiden, daß man den erſteren Schuppen, den letzteren aber Federn zuſpricht. Es haben aber nicht alle Fiſche Schuppen, vielmehr gibt es eine große Abtheil⸗ ung derſelben, deren Haut von einzelnen unregelmäßig darin liegenden Knochenſchildern, oder von kleinen, ſcharfkantigen Knochenkörperchen ganz rauh iſt. Haut wie die letztere kommt unter dem Namen Chagrin in den Handel. Die Fiſche, welche eine chagrinirte Haut haben, ſind: Haifiſche, Rochen und Chimären; alle drei Familien gehören zu den Knorpelfiſchen, und wir haben für ſie alſo zwei Merkmale, das Skelet und die Haut. Doch nicht alle Knorpelfiſche haben eine chagrinirte Haut, vielmehr iſt ein großer Theil derſelben mit Schuppen bedeckt. Dieſe Schuppen ſind meiſt eckig und mit einer dicken Lage von glänzen⸗ dem Schmelz bedeckt, dabei in regelmäßigen Reihen nebeneinander angeordnet. Dieſe Fiſche heißen Ganoid⸗ fiſche oder Schmelzſchupper. Man ordnet ihnen noch eine Gruppe von Knochenfiſchen bei, die dieſelbe