Aufsatz 
Die fossilen Wirbelthiere : Eine paläontologische Studie
Entstehung
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indeſſen ſind uns doch zahlreiche Erſcheinungen und Ueberliefernngen bekannt, die bezeugen, daß

im einzelnen die Vertheilung von Waſſer und Land, die Abwechslung von Berg und Thal ſelbſt in geſchichtlicher Zeit nicht immer dieſelbe war.

So wurde im vorigen Jahrhundert in der Nähe von Neapel die Ruine eines verſchütteten Ju⸗ pitertempels aufgefunden, und bei dem Ausgraben kamen drei gewaltige, aufrecht ſtehende Marmorſäulen zum Vorſchein, die in einem gewiſſen Niveau ganz von Löchern der Bohrmuſchel durchſetzt waren. Un⸗ zweideutig geht aus dieſem Umſtande hervor, daß die Gegend, wo die Ruine ſteht, nach Erbauung des Tempels unter Waſſer geſunken iſt und dann ſpäter wieder aus der Fluth emporgehoben wurde. So iſt es erwieſen, daß manche Küſtenſtrecken Skandinaviens früher vom Meere bedeckt waren, ja es iſt durch Verſuche feſtgeſtellt, daß ſich die Küſte jener Halbinſel noch heute langſam aber ſtetig aus dem Meere heraushebt, man will ſogar berechnet haben, daß dieſe Hebung im Jahrhundert etwa 1 Meter beträgt. Im umgekehrten Falle befindet ſich die Küſte der Nordſee, und daß Holland in Zukunft noch einmal in große Noth kommen wird, geht ſchon aus dem Umſtand hervor, daß ein Theil des Landes ſchon jetzt tiefer als der Spiegel des Meeres liegt und nur durch Dämme vor dem Eindringen der Fluth geſchützt iſt. Wenn ſolche Veränderungen der Erdoberfläche in der verhältnißmäßig kurzen Zeit, die der Geſchichte angehört, ſtattgefunden haben, was für Wandlungen mag da die Erde erſt in der nach vielen Millionen von Jahren zählenden vorgeſchichtlichen Zeit erfahren haben, ſei es nun durch die Gewalt des Waſſers, oder ſei es durch jene Kraft, die von dem Feuerkern unſeres Planeten aus durch glühende Lavaſtröme und verheerende Erſchütterungen die Bewohner der kalten Rinde in Schrecken ſetzt!

Wie es die Aufgabe des Hiſtorikers iſt, aus alten Urkunden von Menſchenhand über die Ver⸗ gangenheit Licht zu verbreiten, ſo ſucht der Geologe aus den Schichten der feſten Erdrinde die Felsarten hervor, die Reſte von Thieren und Pflanzen und das ſind die Buchſtaben, woraus ſeine Urkunden ſich zuſammenſetzen, die von gewaltigen Eruptionen, von großen Fluthen, von dem Leben der Thiere und Pflanzen in der Vorzeit erzählen. So hören wir denn hier, daß da, wo in grauer Vorzeit vielleicht das Urmeer mit ſeinen abenteuerlichen Lebeweſen gewogt, ſpäter aus der Fluth ein Feſtland ſich emporhob, daß es bewachſen war mit ſonderbaren Pflanzen und bunt belebt war von Thieren, die der Jetztwelt fremd ſind. Es geht uns wie Rückerts Chider, wenn wir dann ſehen, wie jenes Feſtland ſich ſpäter wieder geſenkt hat, wie die Meereswogen alles wieder überflutheten und das organiſche Leben in ihrem Schlamm begruben.

Und wenn wir in der Urkunde weiter leſen, bis zur Gegenwart, ſo will es uns gar unnatürlich ſcheinen, daß da, wo heute vielleicht hohe Dome gen Himmel weiſen, wo vielleicht in regem Verkehr die Menſchen auf den Straßen einer Großſtadt ſich tummeln und treiben, daß da in der Vorzeit ein großer Ocean fluthete, daß eben da gewaltige Wale ihre Waſſerſtrahlen aufgewirbelt und gefräßige Haie ihre Beute verſchlungen haben.

Durchmuſtern wir nun rückwärts Entwicklungsphaſe nach Entwicklungsphaſe der Erde, ſo können wir uns der Frage nach dem Urzuſtande unſeres Planeten nicht entziehen. Wir treten dabei freilich weit aus den Schranken aller ſchätzbaren Zeit heraus, aber der Menſchengeiſt reicht auch bis hierher, und, wenn wir dem großen Kont nachfolgen, ſo erkennen wir in jenem Urzuſtande der Erde weder Waſſer noch Land, weder Thier noch Pflanze, ſondern wir erkennen die Erde als einen glühenden Gasball, der ſeine Bahnen um die mütterliche Sonne beſchreibt. Erſt jetzt ſehen wir die Wandlungen, die unſere Erde er⸗ litten hat, in ihrer ganzen Größe; daß ſie aus einer luftförmigen zu einer tropfbar flüſſigen Maſſe und

Iie Oberfläche der Erde war im großen und ganzen ſchon ſeit Jahrtauſenden ſo, wie ſie heute iſt, 88 9 9 5