172 n. Chr.
18 Chattuarier, Chamaver, Bructerer, Amsivarier, Usiper, Tencterer, Tubanten; dann von Rheinbrohl aus bis zum Main der rheinische limes gegen die Chatten; weiterhin der limes zwischen Main und Donau gegen die Hermunduren, dann die Donau gegen die Sweben und Daker. Sicherlich sind diese 100 Jahre für die innere Geschichte Deutsch- lands von der gröſsten Wichtigkeit gewesen; nur wissen wir leider nichts davon.
Mit dem Jahre 172 beginnt dann der erste groſse Angriff der Germanen gegen das römische Kaiserreich. An der Spitze stehen diesmal die Sweben: Marcomannen, Varister, Hermunduren und Quaden; doch auch die Rheingermanen betheiligten sich am Kriege, wie es von den Chatten speziell bezeugt wird, gegen welche 172 Aufidius Victorinus
und 177 Didius Julianus kämpfte. Mit Mühe und Not schlug Rom diesen Angriff ab.
um 250 n. Chr.
Doch es war nur ein Vorspiel.
Seit dem Anfang des 3. Jahrhunderts gehen die Germanen zum grundsätzlichen Angriffskrieg gegen Rom über, und während im Osten die Goten die Führung in dem- selben übernehmen, bilden sich im Westen drei Kriegsbünde zu diesem Zwecke: die Alamannen am Main, die Franken am Rhein, die Saxen an der Nordsee. Wie diese Bünde entstanden sind, liegt im Dunkeln. Doch dies sieht man, daſs es politische Ver- einigungen waren, welche z. T. Völker verschiedener Abstammung in sich schlossen. Die Alamannen scheinen aus mehreren swebischen, vor allen hermundurischen und semnonischen (Juthungen) Bestandteilen zusammengesetzt zu sein. Die Franken umfassen die Rhein- germanen und Chatten. Am dunkelsten ist die Entstehung des Saxenbundes.
Der Name der Franken taucht zuerst in der Mitte des 3. Jahrhunderts am Nieder- rhein auf. Die Chamaver und ihre Nachbarn die Bataver, Canninefaten, Chattuarier scheinen sich zuerst so genannt zu haben. Der Name„Frankun“ ist abzuleiten von ihrer Waffe, der„Franka“= Wurfspies, wie die„Sachsun“ sich von ihrem„Sachs“, dem
Messer, nennen. Dann mögen dem Bunde auch die weiter rheinaufwärts wohnenden
Völker beigetreten sein, auch die Chatten. Denn im 3. und 4. Jahrhundert verschwinden die Namen der deutschen Stämme am Rhein bei den römischen Schriftstellern fast gänzlich. Die römischen Kaiser haben es immer nur zu thun mit den Alamanni und den Franci. Der Name der Chatten wird zuletzt unter Caracalla gelegentlich erwähnt, also am Anfang des 3. Jahrhunderts. Dann hört man nichts mehr von ihnen durch zwei Jahrhunderte hindurch. Und doch wäre zu erwarten, daſs sie genannt würden; denn Kaiser Severus (222— 235) hat am Rhein gekämpft und ihn überschritten, Kaiser Maximinus Thrax und Gordianus ebenso. Doch ist bei ihnen immer nur von Germani im allgemeinen die Rede, bis dann seit 260 die Franci und Alamanni in Italien, Gallien, ja Spanien plündernd und verheerend einbrachen. 287 erscheinen die Franci und Saxones als Seeräuber an Galliens und Britanniens Küsten. Und nun haben alle Kaiser unausgesetzt mit den Franken zu thun, besonders Probus, Constantius Chlorus, Constantinus, Julianus. Sollten die Chatten während dieser Zeit friedlich zuhause geblieben sein? Gewiss nicht! Sondern sie sind
unter den Germani und Franci mitverstanden.
Am Ende des 3. Jahrhunderts, a. 388, brachen die Franken unter Führung des Genobaudes, Marcomerus und Sunno in Germania(inferior) ein und erschreckten selbst Köln. Ein römisches Heer geht von Trier nach Köln vor, trifft einen Teil der Franken noch auf dem linken Rheinufer und schlägt sie„apud Carbonariam“(wo?). Dann geht


