Aufsatz 
Kleine Beiträge zur Geschichte der Chatten
Entstehung
Einzelbild herunterladen

19

es bei Neuſs über den Rhein und wird von den Franken schmählich besiegt. Dies sucht der römische Feldherr Arbogast, selbst ein Franke, a. 392 zu rächen. Er setzt bei Köln über den Rhein, gelangt ins Gebiet der Bructeri und Chamavi, trifft aber nur auf wenig Widerstand; nur in der Ferne zeigen sich auf den Bergen die Ampsivarii und Catthi unter Marcomer. Hier zeigen sich also einmal die Franci in ihrer Zusammensetzung: es waren die Chamaven, Bructerer, Ampsivarier und Chatten gewesen, die als Franci in das römische Germanien eingefallen waren. Franken war offenbar ihr Kriegsname, während zuhause die Stammnamen noch galten.

Die Existenz dieser Stammnamen um 400 n. Chr. ergiebt sich vielleicht auch noch aus dernotitia dignitatum. Das ist ein römischer Staatskalender, der unter anderm auch die Quartierliste des römischen Heeres enthält. Unter denauxilia des Heeres erscheinen hier unter andern auch: Batavi, Salii, Mattiaci, Tubantes; eine ala prima Francorum, eine cohors undecima Chamavorum, eine cohors septima Francorum; ferner Bructeri, Ampsivarii, Suebi. Diese Abteilungen stehen z. T. in fernen Ländern, in Agypten, in Syrien, rekrutierten sich aber ursprünglich aus jenen Bezirken, nach denen sie hieſsen. Chatten sind aber nicht darunter, ein Beweis, dass die Chatten den Römern nie Hilfsvölker gestellt haben.

Dass aber die Stammnamen der einzelnen Frankenstämme sich noch viele Jahr- hunderte hindurch erhalten haben, zeigt ihr Auftreten in den Gaunamen des spätern Frankenreiches. Da finden wir am Niederrhein den Gau Salalant, der an die Salier, Hamalant, der an die Chamaven, Batua, der an die Bataven, Hattuariensis, der an die Chattuarier, Boructra, der an die Brukterer, Tuuenti, der an die Tubanten erinnert. Hierher gehört denn auch der Gau Hassia und der pagus Hasso-Saxonicus, der den Chattennamen wieder zeigt.

Wenn also auch die Stammnamen lokal weiterleben, politisch heiſsen diese Stämme im fünften und den folgenden Jahrhunderten durchaus nur Franken.

Und zwar bilden sich im 5. Jhd. deutlich zwei Gruppen der Franken; die Franken am Niederrhein werden als salische Franken bezeichnet; die Franken um Köln als ripuarische; eine dritte Gruppe müssen die Chatten gebildet haben. Diese drei Gruppen hat man sich als politisch ganz selbständig zu denken, es verband sie nur der jahrhunderte- lange Kampf gegen den Erbfeind am Rhein, der Kampf gegen Rom; die seit vielen Geschlechtern vererbte Bundesgenossenschaft gegen Rom war das Band, das diese Stämme einte, das sie alle zu Franken machte.

Dieser gemeinschaftliche Kampf gegen Rom schliesst nicht aus, dass zeitweise vorübergehender Friede herrscht, ja, dass dieser oder jener Teil der Franken einmal im Bunde mit den Römern gegen andere Germanen kämpft, wie wir z. B. von einem Franken- könig Mallobaudes hören(um 375 n. Chr.), der als Bundesgenosse der Römer gegen die Alamannen sich auszeichnet und die Würde einesdomesticorum comes innehat. Immer wieder zwingt die allgemeine politische und wirtschaftliche Lage die Franken zum Kampfe gegen Rom. Es war die zunehmende Bevölkerungszahl, welche in den wald- freien, anbaufähigen Flussthälern ihren Lebensbedarf nicht mehr fand, der UÜberfluss an fruchtbarem Land in der schönen Rheinebene und links vom Rhein, die Aussicht auf reiche Beute in den seit Jahrhunderten von römischer Kultur in Besitz genommenen, mit

392 n. Chr.