Aufsatz 
Kleine Beiträge zur Geschichte der Chatten
Entstehung
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gemeinsam das Wort sieg, Siech,seih, niederdeutsch-siek in der Bedeutungsumpfige Stelle, flieſsendes Wasser; während dies Wort bei den swebischen Thüringern und Süd- deutschen meines Wissens nicht vorkommt und bei den Franken am Rhein dafür die labialisierten Formen ssiepen,-siefen und seifen erscheinen.

Es spricht ferner dafür, dass die leitenden Adelsfamilien der Chatten und Cherusker mit einander verschwägert waren. Der Chattenfürst Actumerus, der zur Zeit des Augustus lebte, hatte auſser der uns schon bekannten Tochter Ramis noch eine andere Tochter, deren Namen nicht überliefert ist. Diese war mit Flavus, dem Bruder des Arminius, vermählt. Aus dieser Ehe entspross Italicus, der spätere König der Cherusker, dessen Sohn vermutlich der letzte König der Cherusker, Chariomerus, war. Ramis dagegen war mit dem andern Bruder des Arminius, Segithancus, vermählt.

Es ergiebt sich also folgender Stammbaum: din Cheruskerfürst.

* Inguiomerus Segimerus Segithancus, Arminius, Flavus, verm. mit Ramis, verm. mit Thusnelda, verm. mit der Schwester der Ramis, Thumelicus Italicus 2 Chariomerus.

Die nahen Beziehungen der beiden Stämme führen nun bald zu treuer Bundes- genossenschaft, bald zu bitterer Feindschaft.

Gegen die Römer hielten sie anfangs zusammen, so gegen Drusus, gegen Germanicus. Dann aber, als Arminius auf der Höhe seiner Macht stand, im Jahre 19, erbot sich der Chattenhäuptling Gandestrius, ihn bei Seite zu schaffen, wenn die Römer ihm dazu das Gift schicken wollten. Die Antwort lautete: nicht mit Hinterlist und im Geheimen, sondern offen und mit den Waffen in der Hand treffe das römische Volk seine Feinde. Eine würdige Antwort. Aber mit Recht macht Müllenhoff auch darauf auf- merksam, wie unschuldig damals die Deutschen in solchen Dingen noch waren. Sie kannten kein geheimes Gift und mussten es sich aus Rom kommen lassen!

Die Hinterlist des Chatten war unnötig. Arminius fiel durch die Hand seiner eigenen Verwandten, weil er nach der Alleinherrschaft über die Cherusker strebte. Es folgten schlimme Zeiten für die Cherusker. In gegenseitigen Kämpfen rieb sich fast der ganze Adel derselben auf. Im Jahre 47 erbaten sie sich von Rom Italicus, den Sohn des Flavus und einer chattischen Prinzessin, zum König. Aber auch dieser brachte ihnen kein Glück. Die Nachbarstämme mischten sich in ihre innern Händel ein; darunter gewiſs vor allen die Chatten. Eine Zeitlang behauptete Italicus den Thron; dann wurde er vertrieben, aber von den Langobarden, den Nachbarn im Norden, wieder eingesetzt.

Wie gespannt damals die Verhältnisse zwischen Chatten und Cheruskern waren, ersieht man daraus, dass die Chatten, als sie im Jahre 51 n. Chr. von den Römern angegriffen wurden, fürchteten, von den Cheruskern im Rücken angefallen zu werden (Cherusci, cum quis aeternum discordant, schreibt Tacitus ann. 12, 28 bei dieser Gelegen-