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Zu den erstern gehört Bowiiιν τ το Mοοσdοο—ια‿εoν, wohin er seine Stammgenossen, die Marcomanen, geführt habe; zu den letzteren die Semnonen, Her- munduren, Langobarden; ja ganz Germanien jenseits der Elbe wird von Sweben bewohnt bis zum Gotenlande. ¹)
Tacitus vollends versteht unter den Sweben alle Völker des östlichen Germaniens jenseits der Hermunduren; während Plinius wieder ein einzelnes Volk so nennt. Wer hat nun Recht?
Offenbar hat der Name Sweben nicht immer dasselbe bedeutet.
War er zu Caesars Zeit der Name eines Stammes, so wird er seit dem Bestehen unserer Zeitrechnung zum Namen einer Gruppe unter sich verwandter Stämme. Schon zu Caesars Zeit haben sich im Süden die Marcomanen zu einem selbständigen Sweben- stamme entwickelt. Als diese unter ihrem König Marobodus, um dem Kampf mit Rom auszuweichen, vom Rhein nach Böhmen zogen, rücken in die Gegend zwischen Main und Donau andere Sweben ein, die Hermunduren; während die in der alten Heimat an der Elbe zurückbleibenden Sweben nun unter dem Namen Semnonen erscheinen; nehmen wir noch die später nach Mähren ausgewanderten und dort selbständig gewordenen Quaden und die an der Nab ansässigen Varister hinzu, so haben wir in den Marcomanen, Hermunduren, Semnonen, Quaden, Varistern und vielleicht noch einigen kleineren die stammverwandten Zweige des Swebenvolkes, das unter anderm durch seine Haartracht deutlich kenntlich war.
Seitdem nun Marobodus sein groſses Königreich gegründet hatte, dessen Kern Swebenvölker bildeten, scheint sich der Name der Sweben auf alle Stämme ausgedehnt zu haben, welche zu Marbods Königreich gehörten. Khnlich wie heute Westfalen, Hannoveraner, Hessen, Brandenburger Preuſsen heilſsen, hieſsen im 1. Jhd. n. Chr. alle deutschen Stämme von der Mündung der Elbe bis an die Weichsel Sweben; so z. B. werden die Langobarden als Sweben bezeichnet, obgleich sie ingvaeonischen Stammes und am nächsten mit Friesen, Chauken, Angeln und Saxen verwandt sind, wie ihre Sprache beweist. ²)
Der Name Sweben bezeichnet nun eine politische Vereinigung und haftete an den Mitgliedern des groſsen Swebenreichs Marbods noch längere Zeit nach dessen Untergang.
Die Verwirrung entsteht nun dadurch, dass die römischen Schriftsteller den Namen Suebi bald in der ersten, bald in der zweiten, bald in der dritten Bedeutung brauchen.
Die Chatten aber heiſsen nie Sweben.
6. Chatten und Cherusker.
Chatten, Cherusker und Sweben sind die drei Urvölker des irminonischen Stammes; unter ihnen scheinen wieder die Chatten und Cherusker enger zusammengehört zu haben.
Dafür spricht ein sprachlicher Grund, auf den ich im vorigen Programm hin- gewiesen habe. Die Chatten besitzen mit den norddeutschen, niedersächsischen Stämmen
¹) Strabo cap. 294 zu Ende. ²) Bruckner, Sprache der Langobarden,§ 6 S. 24 ff.


