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dass das Kind von Brabant mit der Übernahme der Landgrafschaft Hessen die alten Bande zwischen den Niederlanden und Hessen erneuert habe u. s. w., so sind das Phantasien, die man vom historischen Standpunkte aus durchaus verwerfen muss. Doch braucht man deshalb des Tacitus Nachricht nicht zu verwerfen; denn aus ihr folgen sie nicht.
Die Bataver haben in ihrer neuen Umgebung den Zusammenhang mit ihren Stammgenossen, von denen sie in Feindschaft geschieden waren, aufgegeben; nur die Kunde von ihrem Ursprunge hielt sich noch einige Generationen hindurch, dann erlosch auch sie. Die Bataver haben dann ihre besondere Geschichte, erst als römische Unter- thanen, dann als Kernvolk der salischen Franken, während die Chatten im Stammlande ganz andere Wege geführt wurden.
Der Name Batavi ist wohl von der germanischen Wurzel bat abzuleiten, von der hochd. bass, besser, am besten stammen und bedeutet die tüchtigen, trefflichen. Mit den hessischen Ortsnamen Battenberg, Battenfeld a. d. Eder kann ihr Name nicht zusammen- hängen. Von Battenberg fehlen ältere Formen; Battenfeld heiſst aber im 8. Jhd. Baddan- feldun, hat also mit Bat-avi nichts zu thun.
5. Chatten und Sweben.
Plinius unterscheidet vier Irminonenstämme: Sweben, Hermunduren, Chatten, Cherusker. Nach ihm sind also die Chatten keine Sweben. Ihm stimmt Strabo bei, welcher schreibt: Sehr groſs ist der Stamm der Sweben, denn er reicht vom Rhein bis zur Elbe; andere kleinere germanische Stämme sind die Cherusker, Chatten, Gamabrivier und Chattuarier. Und Tacitus schreibt Germ. 38: Jetzt muss ich von den Swebem sprechen, die nicht einen Stamm bilden, wie die Chatten oder Tencterer, denn sie nehmen den gröſsten Teil Germaniens ein u. s. w..
Die Chatten sind also keine Sweben. Wie kommt es nun, dass trotzdem so viele Forscher, und zuletzt wieder Müllenhoff, die Chatten für Sweben halten?
Daran scheint Caesar schuld zu sein. Er kennt den Namen der Chatten nicht; wohl aber die insula Batavorum; waren nun die Bataver Abkommen der Chatten, so müssen sie sich schon vor der Zeit Caesars von den Chatten getrennt haben. Es gab also zu Caesars Zeit schon das Volk der Chatten, und zwar in seinen spätern Sitzen an der Eder, also östlich von den Ubiern. Dort wohnen nach Caesar aber die Sweben; also sind Caesars Sweben eben die Chatten.
Dieser Schluss ist aber zu geschwind; denn erstens läſst sich der Wohnsitz der Sweben aus Caesar so genau gar nicht bestimmen; sie könnten sehr wohl südlich von den Chatten gewohnt haben; ferner brauchen die Chatten keineswegs damals schon in ihren spätern Grenzen gewohnt zu haben; endlich können die Chatten zu den von Caesar genannten nationes gehören, quae sub eorum(Sueborum) sint imperio(Caesar bell. gall. VI, 10, 1) oder zu den socii, welche in demselben Kapitel erwähnt werden(4, cum


