Aufsatz 
Kleine Beiträge zur Geschichte der Chatten
Entstehung
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S. Genovefae num. 39 apud Bollandum, wo man liest: castellae, in quibus fruges exhibebant. Du Cange im Glossarium will zwarcistellae lesen, doch ohne Grund, da castellum auch sonst, wie hier castella, in dem Sinne von pars navis anterior et posterior bezeugt ist.

Der UÜbergang von castella zu cässella, cässalla, cässla, cässle und endlich cässel ist lautlich unantastbar.

Aber, wird man einwenden, die Römer haben sich an der Fulda nie auf längere Zeit festgesetzt, haben also auch kein Kastell hier gegründet. Der Einwand trifft aller- dings zu auf die Zeit nach der Schlacht im Teutoburger Walde a. 9 n. Chr., aber nicht für die Zeiten des Drusus und Tiberius. Drusus ist bis zur Elbe vorgedrungen und kann sehr wohl auf dem sehr geeigneten Platze an der Fulda, wo jetzt das Regierungs- und Justizgebäude steht, ein Kastell errichtet haben, dessen Name auch nach der Zerstörung an dem Platze haften geblieben ist. Dazu kommt, dass der Name Cassella oder Cassalla mit Doppel-s und Doppel-l aus dem Deutschen schlechthin unerklärlich ist. Es treten denn auch Arnold und Müllenhoff für die Ableitung von castellum ein.

Siehe Arnold S. 31; Müllenhoff 2, 217, Anm.

4. Chatten und Bataver.

Die Bataver kennt bereits Caesar, bell. Gall. IV, 1; er nennt dort die insula Batavorum, d. h. das Land zwischen Waal und Vechte(nach Müllenhoff IV, 398). Die Chatten nennt Caesar nicht.

Nun berichtet aber Tacitus Germ. 29: Batavi, Chattorum quondam populus et seditione domestica in eas sedes transgressus und wiederholt diese Nachricht hist. 4, 12 mit den Worten: Batavi, donec trans Rhenum agebant, pars Chattorum, seditione domestica pulsi.

Darnach wären also die Bataver ein chattisches Volk, und da Tacitus hist. 4, 15 den Canninefaten, welche einen Teil der Bataverinsel bewohnten(das heutige Kennemerland), denselben Ursprung wie den Batavern zuschreibt, auch diese.

Dieser Nachricht haben viele Forscher den Glauben versagt, so zuletzt noch Müllenhoff 4, 399. Er sagt dort: Die Auswanderung der Bataver, von der Tacitus zu berichten weiſs, erscheint beinahe unglaublich. Allerdings waren auch die Tencterer und Usipier zu Caesars Zeit vom mittleren Rhein an den unteren in die Nachbarschaft der Bataver gezogen; aber woher sollten die Römer so weit zurückreichende Nachrichten gehabt haben? Von den Batavern selbst? Auch wenn das der Fall wäre, so ist bekanntlich auf derartige historische Volksüberlieferungen nicht viel zu geben. Auch können die Niederländer, die die Nachkommen der Bataver sind, nicht von den Hessen stammen, ohne dass sämmtliche übrigen fränkischen Stämme rheinaufwärts desselben Ursprunges sind. Das aber ist unmöglich, da die Chatten Sweben, d. i. Irminonen, jene dagegen istvaeonisch sind.