Aufsatz 
Kleine Beiträge zur Geschichte der Chatten
Entstehung
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3. Sonstige chattische Namen.

1. Adrana. Auſser dem Namen des Hauptortes der Chatten Mattium= Metze nennt Tacitus den Namen des Flusses Adrana= Eder. Es ist kein Zweifel, dass dieser Name von

derselben Wurzel gebildet ist, wie das ahd. Adjektivum atar, welches acer, fugax, celer bedeutet; das alts. Adverbium adro und das ags. Adv. adre bedeutet ilicio, confestim, protinus. Die Endung-na ist in Flussnamen häufig(ich erinnere z. B. an die Amana [Ohm], Lougana[Lahn]) und bedeutet wohl kurzweg: Fluss. Adra-na heiſst alsoder schnelle Fluss; ein Name, der sehr zutreffend ist.

2. Arpus. Im Jahre 16 n. Chr. fiel der Legat Silius auf Befehl des Germanikus in das Gebiet der Chatten ein. Zwar richtete er sonst wenig aus, doch glückte es ihm, die Gemahlin und die Tochter des Chattenfürsten Arpus gefangen zu nehmen(Tac. Annal. 2, 7). Den Namen Arpus erklärt Jakob Grimm alsmas anas Männchen der Ente, Enter; wie denn noch heute in Mitteldeutschland vielfach der EnterichErpel heiſst. Sprachlich ist gegen Grimms Deutung nichts einzuwenden; sachlich mag sie zuerst befremdend erscheinen. Wir sind jetzt gar zu wenig mit dem Leben der Tiere, besonders der wilden, vertraut. Unsere Vorfahren, die ihr Leben, wenn nicht im Kriege, auf der Jagd ver- brachten, mochte der wilde Enterich, der an der Spitze des Hakens, den die Wildenten im Fluge bilden, sausend daher fährt, wohl als ein anschauliches Bild eines unwiderstehlich an der Spitze des Keils seiner Volksgenossen in die Feinde eindringenden Häuptlings erscheinen.

3. Gandestrius. Und noch viel mehr der wilde Gänserich. Singt doch Wildenbruch in seinem HeldenliedVionville, als er den denkwürdigen Todesritt der Halberstädter Kürassiere und der Märkischen Ulanen schildert:

Wie der Gänserich fliegt mit gewaltigem Flug Durch die Lüfte des Himmels den Seinen voran, Wenn der laue Wind ans Gefieder ihm schlug, Wenn der Wanderzug in die Ferne begann,

So auf steigendem Rosse der Reiter-Gen'ral, Der wackere Bredow, weit sprengte er vorn. Nun schmett're, Drommete, nun töne, Signal! Nun, Reiter und Streiter, dem Rosse den Sporn!

So dürfte es also nichts Auffallendes haben, wenn ein Germanenhäuptling den Namen Gänserich führte.

Nun erzählt Tacitus in den Annalen 2, 88 Folgendes: Reperio apud scriptores senatoresque eorundem temporum Adgandestrii principis Chattorum lectas in senatu epistulas, quibus mortem Arminii promittebat, si patrandae neci venenum mitteretur; responsumque esse non fraude neque occultis, sed palam et armatum populum Romanum hostes suos ulcisci. DaAdgandestrius kein deutscher Name ist, so hat Jakob Grimm schon längst(in der Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte 2, 155) vorgeschlagen, zu lesen: Reperio.... ad Gandestrii, principis Chattorum lectas... epistulas, quibus 1... promittebat, Si.... mitteretur, responsum esse non fraude etc. Gandestrius aber sei von dem Stamme gand, der im ags. als gandra, im engl. als gander erscheint und männliche Gans bedeutet, mit der Endung-estri abgeleitet, die auch im lat. sehr häufig Adjectiva bildet(equ-estris, camprestris).