Aufsatz 
Kleine Beiträge zur Geschichte der Chatten
Entstehung
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math-thi auf Messe(wie Chat-thi auf Hessen); um aber auf Maden zu kommen, muss Müllenhoff schlieſslich annehmen, dass Matti-um für Math-i-um stehe, in Anlehnung an ein gleich oder ähnlich lautendes keltisches Wort. Damit giebt er aber eine lautgesetzliche Erklärung aus dem Germanischen auf. Es bleibt also dabei: Maden hieſs in altgermanischer Zeit Mathanon; es war die alte Malstätte, d. h. Gerichtsstätte der Niederhessen. Mit Mattium hat es nichts zu thun.

Das altgermanische Wort*matti,*'mattjo, das in Mattium steckt, ist eine Ableitung der Wurzel mat, indogerm. mad= essen, die im Gotischen mats m., die Speise, alts. mat und meti, altn. mata, ahd. maz= Speise, Malzeit vorliegt; es wird an die Opfermahlzeiten zu denken sein. Ich glaube, dass wir in Mattium mit Müllenhoff IV, 238 das Landes- heiligtum der Chatten zu sehen haben, wo ihre groſsen Opferfeste stattfanden. Der Name bedeutet:Platz des Opfermahls. Sehr ansprechend ist Müllenhoffs Vermutung IV, 530, dass Germanicus im Jahre 15 n. Chr. die Chatten während eines groſsen Opferfestes in Mattium überrascht und ihr Heiligtum verwüstet habe, wie er auch die Marsen während eines Festes überfiel und das Heiligtum der Tamfana zerstörte. Nun muss aus Mattjo, Matti bei der zweiten Lautverschiebung um 700 n. Chr. Mazzi und mit Umlaut Mezzi werden; und im 11. Jhd. heiſst das heutige Dorf Metze bei Gudensberg Metzihe, Mezzehe, d. i. Mezz-ahi= Opfermahlstatt. Daher scheint es zweifellos, dass das heutige Metze bei Gudensberg das alte Mattium ist. Der Bach, an dem es liegt, heiſst die Matzoft= Mazz-affa, d. i. Mazz-bach.

Zwischen Metze und Maden liegt Gudensberg, das noch 1226 Wuodensberg, 1189 Wodenesberch heiſst; Maden liegt fast am Fuſse des Gudensbergs, Metze einige Kilometer nordwestlich; nordöstlich liegt Dissen, das nach Arnolds Vermutung, die durch neuerliche Ausgrabungen eine schöne Bestätigung gefunden hat, der alte Bestattungsplatz der Chatten war; unfern im Westen liegt Fritzlar= Fridislar mit der von Bonifacius gefällten Donars-Eiche. Hier war also offenbar der religiöse Mittelpunkt der Chatten. Um das Wodansheiligtum auf dem Gudensberg herum lagen: der politische Versammlungsort Mathanon Maden, der heilige Fest- und Opferschmausplatz Mattium Metze, der Totenplatz Dissen und der durch heiligen Frieden geschützte Ort(Asyl) Fridislar Fritzlar.

Wenn Arnold S. 205 schreibt:Als nächste Ableitung(für Metze) bietet sich das ahd. mezan, meizan, gotisch maitan incidere dar, was wir noch in Steinmetz, Metzger, metzgen und metzeln haben, so mengt er verschiedenes durcheinander; nämlich 1. germ. mait, behauen, gotisch maitan, hauen, abhauen, ahd. meizan, mhd. meizen, hauen, schneiden, dazu unser Wort Meilsel; 2. germ. mat, behauen, gotisch*matja, ahd. metzo in steinmezzo; 3. metzger, metzgen und metzeln, die Lehnwörter aus lateinischem macellarius=. Fleischwarenhändler sind. Das 1. Wort kann wegen seiner abweichenden Vokale nicht in Betracht kommen, das 3. überhaupt nicht; das 2. fällt in seinen Lauten mit mat= essen zusammen, doch kann es wohl nicht die Bedeutungschlachten,opfern haben. Arnolds Hypothese, dass Metz, die lothringische Festung, von den Chatten benannt sei und lautlich mit Metze identisch sei, scheitert daran, dass Metze aus Maazzi ent- standen sein muss, wie Matzoft beweist, während Metz schon bei Venantius Fortunatus im 5. Jhd. Mettis heiſst, zu einer Zeit, wo der Umlaut des a noch nicht stattfand; es müsste damals unbedingt Mattis geheiſsen haben.