Aufsatz 
Kleine Beiträge zur Geschichte der Chatten
Entstehung
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sagittisque) vertrieben, und nach einem vergeblichen Versuch, durch Verhandlungen Frieden von den Römern zu erhalten, werfen sie sich in die Wälder und Berge und geben das offene Land preis. Die Römer überschreiten nun die Adrana, verbrennen Mattium(id genti caput), verheeren das offene Land und wenden sich dann zum Rückzug nach dem Rheine.

Danach lag Mattium nördlich von der Adrana, der Eder, wohl nicht sehr weit von ihr entfernt; wir dürfen es also in der Gegend von Gudensberg und Maden suchen. Da nun das Dorf Maden von ältester Zeit bis in das 17. Jahrhundert die bedeutendste Versammlungs- und Gerichtsstätte des niederhessischen Volkes war, wo noch Landgraf Moritz Landtage abgehalten hat, so liegt es nahe, Mattium in dem heutigen Maden wiederzufinden. In der That hat diese Ansicht viele Anhänger gefunden; zuletzt hat sie Müllenhoff in der deutschen Altertumskunde IV, 592 vertreten.

Ich halte sie aber aus sprachlichen Gründen für unhaltbar.

Die älteren Formen des Ortsnamens Maden lauten Madanun, Mathenun, Mathanon. Ohne Zweifel erklärt Vilmar im Idiotikon unter Maden diese Formen richtig als Dative

Plur. von einem Substant.*mathan, n.= die Versammlung. Zu Grunde liegt das Verbum *mathan= dyoosεdeν, in einer Versammlung sprechen, von dem das gotische mathls und das ahd. madal= concio abgeleitet ist; ze madanon heiſst demgemäſsan der Stätte

der Versammlungen. Der Wortsinn deckt sich also völlig mit der geschichtlichen Uber- lieferung. Mathanon kann aber auch zu Tacitus' Zeiten nicht anders geheiſsen haben, wenn es damals schon bestand; gewiss aber nicht Mattium.

Müllenhoff sieht sich, um Mattium und Maden zusammen zu bringen, zu sehr künstlichen Annahmen gezwungen. Das germanische Wort*matti, das in Matti-um steckt, soll für math-thi stehen, wie Chatti für Chat-thi; dagegen spricht, dass uns wohl die Schreibung Chat-thi, nicht aber Math-thiaci(denn dies Wort soll nach Müllenhoff mit Mattium desselben Stammes sein), überliefert ist; es heiſst vielmehr überall, wie Mattium, so auch Mattiaci; dagegen spricht ferner entscheidend, dass Chatti= Chat-thi später als Hassi, Mattium aber nicht als*Massen, sondern als Maden erscheint. Ferner muss Müllenhoff annehmen, dass der Ort zu Tacitus' Zeiten Math-thi, das ist der Nomin. eines Neutrums auf thi, und später Mathanon, das ist der Dativ. Plur. von einem Neutrum auf an, Math-an, geheiſsen habe. Das ist doch auch recht unwahrscheinlich.

Endlich soll Mattium nach Müllenhoff überhaupt nicht von dem Verbum*mathan = in der Versammlung reden herkommen, sondern mit dem Substantivum die Matte= die Wiese zusammenhängen, sodass Mattium die Wiese und Mathanonin den Wiesen hiefse, und die Mattiaker sollen danndie Wiesenleute sein, nämlich die Bewohner der Wiesen von Wiesbaden, und mit dem hessischen Mattium gar nichts zu thun haben.

Nun giebt es ja allerdings eine indogermanische Wurzel mat, met, lat. met-o= mähen, die germanisch math lautet und unter der Voraussetzung, dass Matti-um für Mat-thi-um steht, könnte es Gemähtes(wie lat. mes-sis aus met-tis= Ernte), vielleicht auch Wiese

bedeuten. Das jetzige Wort Matte zeigt uns aber die Existenz eines ahd. Femininums *matta, das wahrscheinlich ein germ. math-wa voraussetzt. Man muss dann annehmen, dass es in altgermanischer Zeit zwei Substantiva von der Wurzel*math= mähen gegeben habe: math-wa und math-thi, die beide Wiese bedeuteten. Nun führt math-wa auf Matte,