Aufsatz 
Kleine Beiträge zur Geschichte der Chatten
Entstehung
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Diesen Gedanken hat Müllenhoff in seiner deutschen Altertumskunde IV, 591 ausgeführt. Der Übergang von tt zu ss wäre dann im Germanischen gar nicht so uralt und um den Anfang unserer Zeitrechnung, als die Römer mit unsern Vorfahren zusammen- trafen, keineswegs vollständig in deren Munde vollzogen gewesen. Müllenhoff weist auch auf eigentümliche Schreibungen auf einheimischen keltischen Münzen hin, wie Veliocapi für Veliocassi und TEDDIGNIUS für Tessignius und ähnliches, woraus hervorgeht, dass auch im Keltischen das ss noch in der Entwicklung aus th begriffen war.

Darnach ist die lautliche Identität von Chatti oder Chatthi und Hassi, Hessi nicht unmöglich, und da die sachlichen Gründe dafür sehr stark sind, so sollte man nicht länger daran zweifeln.

Die verschiedene Behandlung des tt, das in Chatti zu ss, in Chattuarii zu zz wurde, zeigt, dass diese Laute in den beiden Namen verschiedenen Wert hatten. Den Namen der Chattuarii erklären Kluge im etymol. Lexikon unter Hut und Streitberg in der urgermanischen Grammatik S. 139 alsHutleute, Leute mit einer besondern Hut- tracht. Chattuarii wäre dann zusammengesetzt aus Chatt- und varii, der bekannten Endung, die auch in Chas-uarii, Angri-varii, Amsi-varii und andern erscheint; germanisch hatt ist der Stamm von'hattus= hut, entstanden aus hadn. Die Erklärung mag richtig sein, wenn wir auch von einer besondern Huttracht der Chattuarier nichts erfahren und das Volk im Beowulf Het-ware und im Jahre 839 Hat-oarii mit einfachem t heilst. Auf jeden Fall muss das t oder tt in diesem Namen in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung den Wert der deutschen Tenuis gehabt haben, da es im 8. Jhd. regelrecht in zz übergeht. Die einmalige Schreibung Atthuarios bei Ammianus Marcellinus kann neben den übrigen Zeugnissen, die alle tt oder t zeigen, nicht in Betracht kommen.

Da das ss in Hessi aus tt entstanden ist, so müsste ihr angeblicher Stammvater Chattus, nicht Hesso oder Cassus geheiſsen haben und sein Name kann mit der Wurzel kas= glänzen nichts zu thun haben. Vielmehr ist urgermanisches*Chattios von der germanischen Wurzel chat gebildet, die indogermanisch kad heiſst und hassen, hetzen, bedrängen bedeutet.(Zu kad, z gehört griechisch* ννω, 2τσς έ= Leid, Trauer.) Aus*chat wurde mit dem Suffix tiachat-tjos gebildet, das durch*Chat-thjos zu*Hassios, schwach*Hassion, latinisiert Hassii oder Hassiones mit Umlaut Hessii, Hessi, Hessiones wurde. Bedeutung: Bedränger, Verfolger, ein Kriegername.

Man vergleiche zu der Bildung: Indogermanische Wurzel*vid, germanisch*wit; davon run-wit-tha= unwissa= ungewiss; germanisch gi-wit-tha, ahd. gi-wis-so= gewiss.

2. Mattium, Maden, Metze.

Der Hauptort der Chatten war nach Tacitus' Annalen 1, 56 Mattium. Es wird dort erzählt, wie Germanicus im Jahre 15 n. Chr. über den Taunus überraschend in das Gebiet der Chatten einfällt. Die Chatten leisten am Flusse Adrana, den sie durch- schwommen hatten, Widerstand, und suchen die Römer zu verhindern, eine Brücke über diesen Fluss zu schlagen. Sie werden aber durch das römische Geschütz(tormentis