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So erweisen sich die Chatten auch in diesem Punkte als gesondert von den ripuarischen Franken, wie sie denn auch in den ältesten römischen Nachrichten als am nächsten verwandt mit den Cheruskern und weiterhin mit den Sueben, aber als unverwandt mit den Germanen am Mittelrhein erscheinen. In Nassau wird durch das Auftreten der Namen auf-seifen und seih die Mischung von Ripuariern und Chatten bezeugt.
Ich habe früher vermutet, dass es speziell die Ampsivarier gewesen seien, welche mit besonderer Vorliebe die Höhen als Scheid, die sichelförmigen Wiesen an einer Fluss- windung als Auel bezeichnet hätten; es spricht alles dafür, dass sie es auch gewesen sind, welche die Gebirgsbäche Seifen nannten. Wenigstens sind die Gegenden, welche die Namen auf-scheid und-auel am dichtesten zeigen, auch mit Namen auf seifen versehen und die Zusammengehörigkeit der drei Bezeichnungen tritt deutlich in Namen wie Scheidseifen, Aulseifen, Olseifen, Olsiepen und Seifenauel zu Tage.
Warum die Namen auf sseifen auf dem linken Rheinufer verhältnismäßig seltener sind als die entsprechenden Namen auf-scheid, dafür weiß ich keinen bestimmten Grund, vermuten ließe sich allerlei.
Wie steht es nun mit den isolierten Namengruppen auf-seifen im östlichen Deutschland? Unzweifelhaft haben wir es überall mit Gründungen zu thun, die in der Zeit der Kolonisation, also im 12. und 13. Jahrhundert, angelegt sind. Zwei Möglich- keiten treten uns dabei entgegen. Entweder sind unter dem Strome mitteldeutscher Bauern, die als Kolonisten Meißen, Böhmen, Schlesien, Mähren und Siebenbürgen besiedelten, auch ripuarische Franken gewesen, die in ihrer neuen Heimat die Bäche mit ihrem Dialektwort Seifen nannten; oder wir haben es mit Bergleuten zu thun, die aus ihrer ripuarischen Heimat die Praxis des Erzwaschens in die neuentdeckten oder wieder in Gang gebrachten erzreichen Bergwerke des östlichen Deutschlands mitbrachten und mit der Sache auch den dafür geprägten Namen.
Das erste ist offenbar in Siebenbürgen der Fall; denn dort ist das Wort Seifen noch heute als Appellativum im Sinne eines Grabens lebendig; und dass die Siebenbürger Deutschen keine„Sachsen“, sondern ripuarische Franken sind, steht längst fest. Der Besitz des ripuarischen Dialektwortes Seifen ist ein Beweis mehr für ihre rheinische Abstammung. Dagegen sind die Stellen am Erzgebirge, in Schlesien, Böhmen und Mähren, wo die Orte auf-seifen uns begegnen, lauter bekannte Bergbaugegenden. In Freiberg in Sachsen ist seit dem 12. Jahrhundert der Bergbau auf Silber betrieben worden; in Schlesien baute man in den Gegenden von Goldberg, Löwenberg und Bunzlau schon im 12. Jahrhundert mit vielem Erfolge auf Gold, und zwar fand der Bergbau gleichzeitig auf Waschwerken und Gängen statt. Dass auch im Riesen- gebirge Bergbau betrieben wurde, zeigt der Name des Städtchens Kupferberg und die Silberzeche St. Peter. Ganz besonders ausgebreitet und ergiebig gewesen ist die Tag- Goldwäscherei(Seifenwerke) im mährischen Gesenke(Grenze von Preußisch- und Osterreichisch-Schlesien); das zeigen die Tausende von Waschhügeln bei Zuckmantel und Endersdorff, von Obergrund am Alt-Hackelsberge ausgehend und sich meilenlang bis Neiße erstreckend.


