Aufsatz 
Die Ortsnamen auf -seifen, -siefen, -siepen, -siek, -seih
Entstehung
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63 einzelne Häuser, 43 Kotten, 40 Güter, 28 Häusergruppen, 27 Höfegruppen, 7 Mühlen, 7 Bergwerke, 3 Förstereien, 3 Wirtshäuser, 2 Hofstätten, 1 Gütergruppe, 1 Ausbau, 1 Einschicht, 1 Markt, 1 Ortsteil, 1 Berggebäude, 1 Hofstelle, 1 Schmiede, 1 Baracke. Altere Orte sind wohl nur in der ersten Gruppe zu suchen und unter den 105 Höfen; jung sind die 11 Kolonieen und die meisten der zweiten Gruppe.

Es lässt sich leicht denken, dass nicht gern jemand sich in einem sumpfigen Seifen ansiedelte, so lange noch fruchtbareres und gesunderes Terrain vorhanden war; nur zu Zwecken der Viehzucht mochten Höfe, Hofstätten, Kotten u. dergl. in Wiesen- tälern angelegt werden, und erst als der gute Boden knapp wurde, trieb die Bodennot auch zur Besiedelung der Seifen. Auch der Umstand, dass das Wort Seifen, Siepen in seiner Heimat noch jetzt als Appellativum im Gebrauch ist, spricht für die verhältnis- mäßige Jugend dieser Ortsnamen.

Sind nun aber die Orte, welche Namen auf seifen, 1siefen oder ssiek tragen, erst um oder nach 1100 n. Chr. angelegt, so scheinen diese Namen für die Geschichte der Ansiedelung der deutschen Stämme wertlos zu sein, denn diese ist mit der Zeit Karls des Großen abgeschlossen. In der That hat kein Geringerer als Lamprecht in seiner deutschen Wirtschaftsgeschichte behauptet und seiner Autorität ist man gefolgt, dass man für die Geschichte der Siedelung der Stämme nur diejenigen Ortsnamen verwenden könne, welche in der Siedelungszeit selbst im Gebrauche waren.

Dabei ist aber eines zu erwägen. Wenn auch bewohnte Orte erst spät als seifen, 1ssiek oder auch als-scheid bezeichnet worden sind, so sind unbewohnte Orte gewiss von jeher so genannt worden, d. h. als Flurnamen sind diese Bezeichnungen uralt. Und wenn es sich nun herausstellt, dass diese Namen einem scharf umgrenzten Gebiete eigentümlich sind, so wird man schließen dürfen, dass sie als Dialektworte dem Stamme, der dieses Gebiet bewohnt, angehören. Sie können daher ihrerseits benutzt, werden, um die Verbreitung dieses Stammes zu bestimmen.

Dies vorausgeschickt, zeigt sich, dass das Verbreitungsgebiet der Namen auf Siepen und-seifen im großen und ganzen übereinstimmt mit dem der Namen auf=scheid und-auel; d. h. es ist das Land zwischen Ruhr und Lahn, also das südliche Westfalen und die rechtsrheinische Rheinprovinz, und auf dem linken Rheinufer die Eifel. Dies ist aber der Sitz der ripuarischen Franken.

Die Namen auf=scheid,-auel und sseifen(resp. auf-schede,-ohl und siepen) können somit als ein Erkennungszeichen ripuarischer Bevölkerung dienen.

Die Ripuarier sind demnach, wie ich ausführlicher in dem Programm des Königl. Gymnasiums zu Neuwied Ostern 1895 dargelegt habe, aus dem Sauerland an den Rhein vorgerückt und haben links des Rheines bis zur Mosel sich verbreitet.

Nördlich von der Ruhr und östlich vom Rothhaargebirge, also im nördlichen Westfalen und weiter durch Hannover bis nach Holstein und im Hessenland galt die Bezeichnung siek resp.-seih. Der ripuarische Dialekt unterscheidet sich also in diesem Worte durch Labialismus sehr eigentümlich von dem chattischen und niedersächsischen Dialekt.