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Gimborn nach Luttersiefen bei Gummersbach und von da über Zimmerstefen, Schmitæe- siefen bei Eckenhagen, Nebelsiefen und Langensiefen bei Hespert nach der Quelle der Wiehl. Diese Linie fällt mit der bekannten Sprachgrenze zwischen Nieder- und Mittel- deutsch zusammen. Auch in Hessen erscheint auf niederdeutschem Sprachgebiet siek, auf hessischem siech, sig.
Die Grenze zwischen den Namen auf-siefen und sseifen fällt von der Wiehlquelle aus mit der Grenze der Kreise Waldbröl und Altenkirchen zusammen; sie läuft also von der Wiehlquelle südwärts, lässt Morsbach westlich, biegt bei Wittershagen nach Westen, geht südlich Steimelhagen(hier nördlich Rittersiefen) nach Reinshagen(hier südlich Perseifen) und nach Rosbach a. d. Sieg(hier Seiferhof). Von hier läuft sie, der Süd- grenze des Siegkreises folgend, nach Honnef a. Rhein. Die Namen auf siefen füllen also ein unregelmäßiges Viereck, dessen Ecken Benrath und Honnef a. Rhein, die Wiehl- quelle und Rosbach a. d. Sieg bilden. Links vom Rhein schließen sich in gleicher nord-südlicher Breite die linksrheinischen Namen auf siefen westlich bis zur deutschen Sprachgrenze an.
In den isolierten östlichen Gruppen finden sich nur Namen auf seifen.
2. Sprachliches.
Über die Bedeutung von Siepen, Siefen, Seifen, Siek kann kein Zweifel sein. Ubereinstimmend erklären Jellinghaus, westfälische Ortsnamen: Siek, n., Pl. Sieke= die sumpfige Niederung. Siepen, n., mnd. sipe f.= feuchte Niederung. Kehrein, Nassauisches Namenbuch S. 147: 1seifen ist mhd. sife= Bach, von apbfließendem Quell- wasser oder dauernder Nässe durchzogenes sumpfartiges Gelände. Arnold, Ansiede- lungen und Wanderungen S. 517: der oder die Seif, Pl. die Seifen= feuchte, wasser- haltige oder grasige Waldstellen, und weiter: es bezeichnet vielfach die glatten, schlüpfrigen Stellen in Feld und Wald, deren Bodenbeschaffenheit die Natur der Seife hat, an ver- borgenen oder offenen Quellen. Und über sik sägt derselbe: immer in der Bedeutung kleiner Rinnsale, zusammenfließender Quellen, daher überhaupt zur Bezeichnung quellen- reicher, sumpfiger Niederungen, sei es Wald, Wiese oder Feld.
Im Westerwald heißt jeder Bach mit schluchtartigem Bett ein Seifen, ebenso die Gebirgsbäche im Riesengebirge, und in Siebenbürgen bedeutet es einen Graben. Siepen und Sieken gehören also der Bedeutung nach zusammen, man wird sie daher auch etymologisch nicht trennen dürfen.
Ich nehme ein idg. Wurzel*sigec an mit der Bedeutung„schlüpfrigsein, tröpfeln“. Eine Ableitung davon scheint sich im Lateinischen erhalten zu haben. Die Steigerungs- form von sigw ist*saigw; ein Substantivum davon könnte lateinisch*saigwom lauten; dies müsste lautgesetzlich zu saevum werden; diese Form findet sich in der That über- liefert für das häufigere, nur orthographisch davon verschiedene sebum= Talg.


